28.07.19 um 17 Uhr Laudate Dominum

Heike Richter (Sopran) und Gabriele Wadewitz (Orgel)
Am Sonntag, den 28.07.2019 um 17:00 Uhr werden in der Garnisonskirche St. Martin Dresden-Neustadt die beiden Leipziger Künstlerinnen Heike Richter – Sopran und die Organistin Gabriele Wadewitz zu hören sein. Ihr aktuelles Programm „Laudate Dominum“ verspricht große Namen und berühmte Werke. So laden Max Reger, Wladimir Fjodor Wawilow, Jean Langlais, Georg Friedrich Händel, Wolfgang Amadeus Mozart u. a. den Zuhörer zu einer reizvollen musikalischen Reise durch die Jahrhunderte ein.

Heike Richter, die neben konzertanten Engagements auch im Opernbereich zu Hause ist, sang, u. a. erfolgreich in den beiden berühmten Kirchen ihrer Heimatstadt St. Thomas und St. Nikolai sowie im Gewandhaus zu Leipzig. Ebenso war die erfahrene Sopranistin im vergangenen Jahr wiederholt in der großen St. Michaelis-Kirche in Hamburg zu erleben. International gastierte sie mit großem Erfolg im Dom Savonlinna (Finnland), in Staden, Eupen und Liége (Belgien), der Schweiz, wie auch auf den großen Opern-, Theater- und Konzertbühnen Chinas.

Die renommierte Konzertorganistin und Liszt-Preisträgerin Gabriele Wadewitz ist Kirchenmusikerin im Schwesterkirchgebiet Probstheida / Störmthal / Wachau / Holzhausen / Liebertwolkwitz. Sie konzertierte mit großem Erfolg u. a. an den beiden historischen Leipziger Hauptkirchen St. Thomas und St. Nikolai, im Dom Ratzeburg, und der Paulskirche Schwerin. Darüber hinaus ist Gabriele Wadewitz eine gefragte Kammermusikpartnerin und arbeitet mit diversen Instrumentalisten und Sängern zusammen. Eine besondere Vorliebe entwickelte sie für die Liszt´sche Orgelmusik und die Orgelromantik.

Viele musikalische Highlights
Staunen mag vielleicht mancher, dass das bekannte und beliebte „Ave Maria“ von Giulio Caccini eigentlich der sowjetische Gitarrist und Lautenist Wladimir Fjodor Wawilow um 1970 komponiert hat. Wawilow selbst war es, der sein Werk als „anonymes Werk des sechzehnten Jahrhunderts“ kennzeichnete, wie er es bei fast allen seiner Kompositionen tat. Als der Irrtum ans Licht kam, kommentierte seine Tochter: „Meinem Vater war bewusst, dass die Werke eines unbekannten autodidaktischen Komponisten mit dem Trivialnamen Wawiłow niemals veröffentlicht werden. Er wollte jedoch, dass seine Musik ein breites Publikum erreicht. Sogar für den Preis der Anonymität und den Verlust aller Pracht zugunsten mittelalterlicher Komponisten“.

Jean Langlais war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der experimentierfreudigsten Komponisten und Organisten Frankreichs. Der im zweiten Lebensjahr erblindete Langlais studierte am Nationalen Institut für junge Blinde in Paris. Dort lernte er bei Albert Mahaut, einem Schüler von César Franck, und bei dem Organisten André Marchal. Erste Erfolge waren Meisterklassenpreise am Pariser Konservatorium bei Marcel Dupré und Paul Dukas. Schließlich unterrichtete er selbst 40 Jahre lang an jenem Institut. Zwischen 1961 und 1976 kam eine Professur für Orgel an der Schola Cantorum hinzu. Bekannt wurde Langlais aber vor allem als Titularorganist an der Pariser Kirche Sainte-Clotilde von 1945 bis 1988. Er komponierte vor allem für die Orgel. Sein Stil kann als moderat modern und harmonisch komplex bezeichnet werden. Inspiriert von der Gregorianik, finden sich deren Elemente auch in seinen „Trois Priéres“ op. 65 für Sopran und Orgel, komponiert 1949, in vollendeter Form wider. Er verleiht diesem Werk eine großartige Farbenpracht von zartester Innigkeit bis hin zum strahlendsten irdischen Dur im Schlussakkord des letzten Satzes.

Eine der wohl schönsten und zugleich genialsten Kompositionen Mozarts ist die bezaubernde und emotionsgeladene Arie „Fra l’oscure ombre funeste“ aus seiner aus der c-Moll-Messe KV 427 entstandenen bzw. umgeschriebenen italienischen Kantate „Davidde Penitente“ KV 469. Mozart komponierte diese meisterhafte Arie eigens für die von ihm favorisierte Koloratursopranistin Caterina Cavalieri, die auch seine erste Konstanze in der Oper „Die Entführung aus dem Serail“ sang.

Die Orgel tritt im Programm jedoch nicht nur als Begleitinstrument in Erscheinung, sondern ist gleichsam mit schönen farbenprächtigen Werken solistisch zu hören.

Max Reger wurde am 19. März 1873 im oberpfälzischen Ort Brand geboren und verlebte seine stark katholisch geprägte Kindheit und Jugend im nahe gelegenen Weiden. Entgegen dem Wunsch seiner Eltern drängte es ihn, zu komponieren. Er schuf ein 38 Bände umfassendes Werk aller Gattungen. Eine besondere Bedeutung erlangte sein Orgelschaffen und die Vorliebe für den evangelischen Choral. Er starb unerwartet am 11. Mai 1916 im Leipziger Hotel „Hentschel“. Als man ihn am Morgen fand, lag aufgeschlagen auf dem Schreibtisch die Partiturseite seiner Motette „Der Mensch lebt und bestehet nur eine kleine Zeit“. Das Präludium e-Moll op. 59 trägt einen ernsten und erregten Charakter, fughettenhaft reihen sich die kurzen, prägnanten Themen aneinander. Der für Reger typische ruhige und zarte Mittelteil darf nicht fehlen.

Inspiriert von Bachscher Orgelmusik, gewürzt mit der ihm eigenen emotionsreichen, leidenschaftlichen Musiksprache komponierte Mendelssohn sechs Orgelsonaten. Die beiden ersten Sätze der II. Sonate stehen in Moll: Ernst (Grave) der erste, eher traurig der zweite. Mit dem dritten und vierten Satz ändert sich die Tonart ins Dur und die Stimmung hellt sich auf. Die Fuge steigert sich in Tempo und Dynamik bis zum monumentalen Schluss.

Franz Liszt´s „Ave Maria“ geht auf den alten italienischen Meister Jacob Arcadelt zurück. Es ist eine Mischung aus altem und romantischem Stil. Kirchenglocken laden zum Gebet, näher kommend schwillt der Klang der Musik an, wieder leiser werdend beim Hinaustreten.

Der Zuhörer darf gespannt sein und sich auf ein besonderes Kirchenmusik-Erlebnis freuen.

Jochen Schubert