Liturgischer Impuls am Dienstag, 23.02.2021

Elemente Geschwisterlicher Spiritualität nach Franz und Klara von Assisi

Diese Doppelberufung als Mann und als Frau in die Nachfolge Jesu ist eine spannende und reiche Berufung. Was können die beiden Menschen von damals uns heute sagen? Was können sie uns heute vielleicht neu ins Bewusstsein rufen? Ich lade Sie ein, ein Element der Geschwisterlichen Spiritualität neu zu entdecken.

 

 Element Zwei  –

In der Liebe verweilen – Gebet als Raum der Liebe Gottes

Franz war ein „Verehrer der Dreifaltigkeit“ (DreiGefLeg 29). Seine trinitarische Ausrichtung kommt besonders in der nichtbullierten Regel (Kap. 22) zum Ausdruck sowie in seinen Gebeten, vor allem im Passionsoffizium. „Nichts anderes wollen wir ersehnen, nichts anderes wollen, nichts anderes soll uns gefallen und erfreuen als unser Schöpfer und Erlöser und Retter, der alleinige wahre Gott, der ist die Fülle des Guten, alles Gute, das gesamte Gute, das wahre und höchste Gut…“ (NbReg 23,9).

Diesem höchsten Gut widmet er einen umfassenden Lobpreis (Lob Gott). Für Franz war das Verweilen bei seinem Schöpfer, in der Fülle des Guten, Gebet.

Diese (Liebes)Beziehung zum wahren und höchsten Gut pflegte er auf intensive Weise, so sehr, dass sein Biograph Thomas von Celano schreiben kann: „Der ganze Mensch war nicht so sehr Beter als vielmehr selbst Gebet geworden“ (2 Cel 95). Beten war für Franz ein kreativer Akt. Das Passionsoffizium ist beispielsweise eine freie Zusammenstellung von Psalmversen, die Franziskus aus der Liturgie kannte.

Für Klara ist der Anfang mit dem Ort der kleinen Kirche Portiuncula zusammenzubringen. Dort beginnt für sie das Verweilen vor Gott und im Gebet. Gemeinsam mit den ersten Brüdern und mit Franz pflegen sie dort den „Raum des Gebets“. Der neue Weg will gepflegt werden und sucht sich einen Ausdruck im Gebet und dem Verweilen vor Gott.  Da Klara Ihr Elternhaus zurücklässt und somit auch Ihre Gewohnheiten, Ansehen und Sicherheit freiwillig verzichtet, verbringt sie die erste Zeit im nahe gelegenen Kirchlein Portiuncula. Sie wagt einen Schritt ins Ungewisse. Ihr Gott, der sie angesprochen hatte, hinterfragt ihre bisherige Perspektive auf das Leben, und eine innere Unruhe lässt sie an ihrem Anfang, eine neue Lebensform erahnen. Sie liegt jedoch noch in Dunkelheit. Die Sehnsucht nach Gott ist groß bei ihr. Wohin die nächsten Schritte sie führen werden, ist noch ungewiss. Wie wird sie sich mit dem Unbekannten zurechtfinden? Sie weiß nur, dass sie dem armen Gekreuzigten nachfolgen will. Ohne eine Ahnung wie es wird, weiht Klara in Gegenwart von Franz ihr Leben Gott! Symbolisch, klar und sichtbar, lässt sie sich die Haare kurz schneiden. Der Ausdruck; ich bin ab jetzt Gott geweiht! (Übrigens: es ist eine mögliche Antwort auf die Taufe). Der Raum der kleinen Kirche Portiunkula ist die Wiege für ihren unendlich mutigen Weg der Anfänge, ihre Nachfolge wird sie stets als ein geschwisterliches Geschehen zu verstehen lernen.

Doch was wird die Familienbande dazu sagen? Mehr dazu beim nächsten Impuls …

Meditation nach dem Geiste von Schwester Klara:

Gott ruft, ihm im Unbekannten zu begegnen. Gott ruft, alles zurückzulassen und den Anfang zu machen: einen Anfang, der das Ende nicht kennt.

Geschwisterliche Spiritualität heute: Pflege des Gebetes. Kreatives Beten mit der Kirche.

Aus dem Tagesevangelium nach Matthäus 6, 7-15

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet. So sollt ihr beten:

Ich lade Sie ein, das Vater unser als Gebet zu lesen:

Unser Vater im Himmel,

dein Name werde geheiligt,

dein Reich komme,

dein Wille geschehe

wie im Himmel, so auf der Erde.

Gib uns heute das Brot, das wir brauchen.

Und erlass uns unsere Schulden,

wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern rette uns vor dem Bösen.

Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben.

Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Evangelium, frohe Botschaft unseres Herren Jesus Christus

 

Franz und Klara, verweilten gerne im Gebet und in den Kirchen. Es ist mit ziemlicher Sicherheit davon auszugehen, dass das folgende Abschlussgebet auch von den beiden gebetet wurde:

„Wir beten Dich an Allerheiligster Herr Jesus Christus, hier und in all deinen Kirchen auf der ganzen Welt, und wir preisen Dich, weil du durch das Heilige Kreuz, die Welt erlöst hast“

Kurze Erklärung zum Hintergrund der Reihe der Geschwisterlichen Elementen: 

Die Berufung von Franz und Klara war es, das Evangelium (griech. = gute Nachricht) zu leben. Bedingt durch die Vielfalt des Evangeliums ist es immer nur möglich, bestimmte Aspekte hervorzuheben und in eine bestimmte Lebensweise umzusetzen. Die Spiritualität (spiritus: latein. = Geist) eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen ist daher geprägt von dem Blickwinkel, von dem er bzw. sie auf das Evangelium schaut und von den Erfahrungen, die sein bzw. ihr Leben geprägt haben.

Da auch das Leben und Wirken von Franz und Klara äußerst vielfältig und vielschichtig sind, beschränkt sich die Darstellung auf einige wesentliche Grundzüge seiner bzw. ihrer Spiritualität sowie kurzer Hinweise auf Bestandteile einer Geschwisterlichen Spiritualität heute.

Text: Franz-Josef Herzog und Grundauszüge aus der Reihe von Br. Stefan Federbusch OFM.

Musik: Marco Gulde – Aufnahme „Glorreicher Gott“ vom 17.02.2021 in St. Josef 

Bilder privat: Klosterkapelle San Damiano in Assisi.