Besinnung zum Martinsfest

Am Fest unseres Pfarrpatrons, des Heiligen Martins, lade ich Sie dazu ein, über diesen besonderen Heiligen nachzudenken und im Gebet seiner zu gedenken.

 

Eröffnung1

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Guter Gott, lieber Vater im Himmel!

Öffne unsere Augen, dass wir sehen, wenn einer in Not ist.
Öffne unsere Ohren, dass wir hören, wenn einer unsere Hilfe braucht.
Öffne unsere Herzen, dass fremde Not uns nicht gleichgültig lässt.
Öffne unsere Hände, dass wir denen geben, die es nicht so gut haben wie wir.
Öffne unseren Mund, dass wir denen Mut zusprechen, die Angst haben oder traurig sind.
Lenke unsere Füße, dass wir mit denen gehen, die allein sind und den Weg nicht kennen.

Du bist uns nahe in deinem Sohn. Er sei unsere Hilfe bei diesen vielen kleinen Schritten, er, der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit. Amen.

 

Der Heilige Martin ist ein bekannter Heiliger

Schon viele Kinder und selbst Nicht-Christen wissen, dass dieser Mensch als römischer Soldat mit einem Bettler seinen Mantel geteilt hat und sehen ihn als Vorbild für Barmherzigkeit und aktive Nächstenliebe. Wenn wir uns mit seiner Geschichte näher beschäftigen, können wir seinem tiefen Glauben nachspüren. Schon zu Lebzeiten wurde er deshalb sehr verehrt. Es gibt viele Legenden um ihn, aber heute wollen wir einige Aspekte seines Lebens aufgreifen, die schon sehr früh von seinem Biographen Sulpicius Severus überliefert wurden.

 

Martins Leben – unser Leben. Welche Verbindungen gibt es?

Martin wurde um 316/317 als Sohn eines römischen Offiziers im heutigen Szombathely (Ungarn) geboren. Deshalb wurde auch er schon in jungen Jahren römischer Soldat.

Gott stellt uns in unserem Leben an einen bestimmten Ort und bringt uns mit bestimmten Personen zusammen. Manche nennen es Schicksal, andere sehen es als Fügung an. Das hat großen Einfluss auf unser weiteres Leben. Sind wir uns dessen bewusst?

Als junger Soldat bereitete Martin sich drei Jahre auf seine Taufe vor und fiel schon da durch sein caritatives Verhalten auf. In diese Vorbereitungszeit auf die Taufe fällt auch die Begegnung mit dem Bettler.

Wo in meinem Verhalten wird meine Zugehörigkeit zu Jesus Christus sichtbar?

Martin verweigert als Christ den Dienst mit der Waffe und soll laut Legende dazu gezwungen werden, ohne Waffe den feindlichen Germanen zu begegnen. Diese ergaben sich aber vorher dem römischen Kaiser.

Die Konsequenzen von schwerwiegenden Gewissensentscheidungen können wir leichter in Kauf nehmen, wenn wir uns bewusst sind, dass Gott uns gerade dann zur Seite steht.

Martin gibt den Militärdienst auf, missioniert in seiner alten Heimat, zieht sich als Einsiedler zurück und gründet ein Kloster.

Was ist meine Berufung? (Nicht jede/r wird Klostergründer/in)

Nicht nur Barmherzigkeit sondern auch Bescheidenheit prägen Martins Charakter. Als er von der Bevölkerung zum Bischof vorgeschlagen wird, will er das Amt zunächst nicht annehmen.

Was bedeuten mir Anerkennung und Ehre? Andererseits: Bin ich bereit, einen Dienst anzunehmen, wenn andere mich dafür geeignet halten?

Martin bleibt auch als Bischof bescheiden und treibt die Verbreitung des Christentums voran.

Wie stehe ich für meinen Glauben ein? Erzähle ich anderen davon? Erkennt man an meinem Lebenswandel, dass ich Christ bin?

 

Martin wirkt über seinen Tod hinaus

Er ist einer der ersten Heiligen, die nicht wegen eines Märtyrertodes verehrt werden, sondern wegen seines besonders charismatischen Lebenswandels. Um 500 wird er zum Nationalheiligen der Franken erhoben. Die Reliquie seines Mantels wird von den fränkischen Königen als Reichskleinod bei Schlachten mitgeführt. Der Aufbewahrungsort wird später Kapelle genannt (aus dem lateinischen Wort cappa = Kopfbedeckung, Kapuzenmantel über die Verkleinerungsform capella = kleiner Mantel, geteilter Mantel).

Unsere Pfarrkirche hat als ehemalige Garnisonskirche den heiligen Martin als Patron. Sein caritatives Verhalten soll uns ein Vorbild sein. Deshalb haben wir ihn als Pfarrpatron ausgewählt. Das führt dann auch zu unserem biblischen Leitspruch: „Seid ein Segen und bereitet den Weg des Herrn.“

 

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

31Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.

32Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.

33Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken.

34Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.

35Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen;

36ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.

37Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben?

38Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben?

39Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?

40Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

 

Fürbitten1

Guter Gott, lieber Vater im Himmel, du liebst alle Menschen und willst, dass auch wir die anderen lieben:

  1. Schenke denen, die in Not geraten sind, helfende Samariter.
  2. Gib den Menschen Kraft und Phantasie, wie der Heilige Martin mit denen zu teilen, die obdachlos und arm sind,
  3. Lass uns die Freude dieses Festtages weitertragen an die, die zuhause bleiben müssen.
  4. Lass dein Licht leuchten in den Familien, Klassen und Gruppen, damit wir einander besser verstehen und uns helfen.
  5. Hilf den Kindern in der Diaspora, die Gemeinschaft aufrecht zu erhalten.
  6. Dein Sohn Jesus hat uns vorgelebt, wie wir deine Liebe weiterschenken können. Wie der heilige Martin, so lass auch uns auf die zugehen, die unsere Hilfe brauchen.

 

Segensgebet

So wie der Heilige Martin wollen auch wir auf Dich vertrauen und uns in Deinen Dienst stellen.

Dein Segen bleibe immer über uns und bewahre uns bei allem, was das Leben mit sich bringt.

Im Namen des Vaters, des Sohn und des heiligen Geistes. Amen.

 

Autor: Martin Geibel

1Eröffnungsgebet und Fürbitten: Entnommen aus: „Martinsheft in der Gemeinde“, herausgegeben vom Bonifatiuswerk, Paderborn 1975, 2. Auflage 1988 (www.martin-von-tours.de)

Foto: Uta Graba (Kirchenfenster St. Martin, Dresden)