Brief in die Ewigkeit, Newsletter Nr. 11, Januar 2022

Liebe Herren Kaspar, Melchior und Balthasar,

in den vergangenen Advents- und Weihnachtswochen haben wir viel an Sie Drei gedacht. Der Evangelist Matthäus erzählt uns, wie Sie sich auf den Weg machten und dem Stern folgten. Bis nach Bethlehem.

Ich finde Ihre Geschichte bemerkenswert und beneidenswert. Sie hören die alten Weissagungen, wissen um die Bewegung der Sterne im Universum und wagen sich ins Unbekannte. Da stecken Vertrauen, Klugheit und Mut drin. Und in diesem Kontext wurden Sie uns zu Königen und Weisen.

Sind Sie eigentlich zusammen losgezogen? Oder sind Sie sich unterwegs begegnet, wie es in dem schönen Kinderbuch „Der Weg der Weisen“ schlicht und stark von Francesca Bosca erzählt und wunderbar von Giuliano Ferri illustriert wird?

Ich weiß nicht, ob ich mit Ihnen an der Krippe angekommen wäre. Ich kenne im alltäglichen Leben viele kleine Ziele, habe auch den großen Wunsch dort anzukommen, aber der Weg ist dann schlicht das Hindernis, an dem ich scheitere.

Bitte, können Sie dem Evangelisten Matthäus sagen, dass ich ihm sehr dankbar bin. Mit dieser Erzählung gibt er uns eine Wegbeschreibung und Wanderanleitung. Und das nicht nur für die Adventszeit auf dem Weg zur Krippe. Nein, auch für unsere Wege durchs Leben, unsere Wege von Mensch zu Mensch und den immer wieder notwendigen Weg zum eignen Ich. Jeden Weg kann ich an Ihrem Weg zum Jesuskind ausrichten. Der inzwischen auch in der Ewigkeit angekommene Kardinal Joachim Meissner hat während der DDR-Zeit auf einer Wallfahrt in Erfurt mal gesagt: „Wir folgen nur dem Stern von Bethlehem, keinem anderen!“ Dieses Bekenntnis war für uns Jugendliche damals ein Fest, Bestätigung und Ermutigung zugleich!

Lieber Kaspar, Melchior und Balthasar, was lerne ich von Ihnen fürs Unterwegssein?
Ich darf meinem Ziel, der Ewigkeit vertrauen.
Ich bin nicht allein unterwegs.
Ich kann andere nach dem Weg fragen.
Jeder hat besondere Fähigkeiten für diese Reise.
Alle dürfen immer wieder neuer Erfahrungen sicher sein. Das gibt doch eine prima Pilgeranleitung!

Übrigens wird auch oft betont, dass Sie Drei die ersten Heiden waren, die Gott als Zeugen berufen hat. Die Hirten gehörten ja schon zum auserwählten Volk Israels. Ich weiß nicht, ob das wichtig ist. Aber Matthäus war es wichtig. Als sinnstiftende Erzählung hat er wohl damit die Menschen vor 2000 Jahren in ihrem vertrauten Denken erreicht. Das wiederum kann ich gut verstehen. Auch wir geben uns in der Katechese ja Mühe, die Menschen, vor allem die Kinder und Jugendlichen, gedanklich dort abzuholen, wo sie gerade stehen.
Dass die Kirche, als sie zu Macht und Einfluss kam, aus diesen Erzählungen feste Denkschemen und Dogmen machte, ist eine andere Geschichte. Meine Meinung dazu hab ich ja oft genug in den Himmel geschrieben.

Wichtig ist mir heute aber noch etwas anderes: Wir sagen hier auf Erden, den letzten Weg muss jeder alleine gehen. Ich stelle das in Frage. Und hoffe und wünsche und bete, dass jeder Mensch, wenn er den Schritt in die Ewigkeit macht, nicht allein ist. Dass wir abgeholt werden. Wenn ich die Hand meiner Angehörigen loslasse, dann möchte ich mich an einer Hand aus der Ewigkeit festhalten können. Um auch den letzten Schritt mit jemandem gemeinsam zu gehen. Ist das vermessen? Oder gehört das sowieso zum Pilgerprogramm?

In der Hoffnung, dass ich noch eine Weile hier auf Erden meine Wege gehen kann, bin ich trotzdem schon sehr gespannt.

Ihr lieben Weisen Kaspar, Melchior und Balthasar, in dieser Verbundenheit des Unterwegsseins grüßt euch heute eure Maria