Brief in die Ewigkeit, Newsletter Nr. 12, Februar 2022

Lieber Erzengel Gabriel,

seit fast einem Jahr sende ich Briefe in die Ewigkeit. Nun möchte ich heute endlich mal an dich, den Schutzpatron der Post schreiben. Du hast vor 2000 Jahren Maria die Botschaft des Himmels gebracht und bist wohl seither für alle Arten von Beförderung der richtige Ansprechpartner. Bestimmt hast du meine Briefe in die Ewigkeit gebracht.
Ich weiß deinen Dienst auch aus eignem irdischen Erleben sehr zu schätzen. Ganz besonders bei den Paketen nach Russland zu unserer Partnergemeinde St. Franziskus. Die ersten beiden Pakete sind in Kanada gelandet. Als ich damals Bischof Clemens davon erzählte, da verwies er mich auf dich. Und ich bin dir wirklich dankbar, dass inzwischen kein Paket mehr um die Welt geht, sondern auf direktem Weg in Kalmückien landet.
Über die Wochen die es braucht, reden wir lieber nicht. Da hast du wahrscheinlich von der Ewigkeit aus auch ein anderes Verhältnis dazu.

Wenn ich es mir so überlege, ist die Post eine geniale Erfindung. Vor 7500 Jahren entwickelten die Menschen der südosteuropäischen Donauzivilisation die ersten Schriftzeichen. Und schwupps, 4000 Jahre später wurden schriftliche Nachrichten über Reisende oder Boten regelmäßig von A nach B transportiert. Die alten Ägypter waren da federführend. Wobei die Feder wohl nicht ganz stimmt. Für die dort damals übliche Keilschrift brauchte es bestimmt anderes Werkzeug.
Egal. Wichtig für mich ist das Alphabet, wovon es das Erste in Phönizien vor ungefähr 3200 Jahren gab. Es ging um die Welt, wurde verbessert, zu den Konsonanten kamen die Vokale, es wurde der Sprache angepasst, die Groß und Kleinschreibung festgelegt und erst mit der Erfindung des Buchdrucks 1440 war dann Schluss mit verbessern. Eine geniale Leistung vieler Menschen und Generationen. Ich bewundere sie!

Obwohl, genau betrachtet finde ich einzelne Buchstaben ja nur mäßig spannend. Aber wenn sie in die Verbindung mit anderen Buchstaben treten, dann können sie mir neue Welten erschaffen, mir das Wissen anderer Menschen vermitteln, mir Liebeserklärungen bringen und vieles mehr.
Und hier ist die Post perfekt! Eines meiner Lieblingsbücher „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ kam in meiner Kinderzeit per Paket aus dem Westen zu mir. Regelmäßig füllt sich mein Briefkasten mit Zeitschriften voller Wissen und ich hüte noch immer meine ersten Liebesbriefe.

Lieber Gabriel, so stell ich mir auch uns Menschen vor. Jeder für sich ist ganz in Ordnung. Aber erst in der Verbindung mit anderen Menschen können wir die Welt verändern, uns am gegenseitigen Wissen teilhaben lassen, uns mögen oder lieben und vieles mehr. Auch irgendwie genial!

Bevor es das große weltumspannende Postwesen gab, wurden die Briefe oft im Staffellauf befördert. Bis zu 75 km schafften die Boten an einem Tag zu Fuß. Daran merke ich wieder mal, in was für einer privilegierten Zeit und Umgebung ich lebe. Und bin dankbar.

Aber weißt du, der Staffellauf ist auch für mich grad aktuell, denn ich gebe die „Briefe in die Ewigkeit“ nun an einen anderen Autor weiter. 12 Monate habe ich sie getragen. Wie viele Kilometer ich damit überbrückt habe, lässt sich nicht sagen. Fest steht nur, dass ich viel Freude daran hatte und die wünsch ich auch dem, der sie nun übernehmen wird.

Lieber Erzengel Gabriel, bleib uns weiterhin ein starker Schutzpatron. Sorge dich um unsere Post, trage auch unsere Botschaften von Mensch zu Mensch mit und hilf, dass das Miteinander im Kleinen auch Früchte trägt in der Weltengemeinschaft.

Danke und Tschüss sagt dir deine Maria