Brief in die Ewigkeit, Newsletter Nr. 18

Lieber Jakobus,

heute möchte ich meine Zeilen an Dich richten, weil ich den Eindruck habe, dass viele der heute lebenden Bürger einmal etwas von dem Jakobsweg, ein Weg, der nach Dir benannt wurde, gehört haben, aber gar nicht mehr wissen, warum dieser noch heute so wichtig ist.

Wenn ich richtig informiert bin, dann hat Jesus, den Du auf dessen Reisen oft begleitet hattest, Dich und Deinen Bruder die Donnerbrüder genannt, weil ihr beide Eure Meinung und Auffassungen nicht immer sehr leise und vornehm anderen gegenüber zum Ausdruck gebracht hattet. Darin kann ich mich selbst manchmal auch erkennen, zumal wenn man die Probleme und Fehlentwicklungen in der Gesellschaft sieht und erkennt, aber das Gefühl hat, dass keiner mehr merkt, wie Kräfte am Wirken sind, die uns immer mehr von dem entfernen, was Christus der irdischen Welt vermitteln wollte und was mittlerweile in eine solche Beliebigkeit abgeglitten ist, dass man den Kern des Christentums kaum noch erkennen kann.

Du hattest für Dich den Auftrag gesehen, das Evangelium auf der ganzen Welt zu verbreiten und überquertest das Mittelmeer, um über die Meerenge von Gibraltar nach Spanien zu gelangen. So genau kennt man Deine Wege nicht, sie waren aber die Grundlage für das, was man heute als den Jakobsweg, der ein Pilgerweg ist, ansieht. Der Einzelne macht sich auf den Weg, um das Evangelium zu verkündigen, aber gleichzeitig auch zu sich selbst zu finden. Er sucht die Gemeinschaft und zieht sich auf der Wanderschaft zu sich selbst zurück, um Kraft zu finden, andere Bewohner fremder Länder die Botschaft des Christentums zu vermitteln.

Heute wird den Bürgern in unserem Land vermittelt, man dürfe nicht klar und deutlich anderen gegenüber sagen, was man selbst für richtig oder falsch hält. Man könnte damit andere verletzen oder sogar diskriminieren. Wenn diese Auffassung richtig wäre, dann müssten wir auch aufhören, unseren Glauben anderen zu vermitteln. Dabei wird unterschlagen, dass es ein Unterschied ist, ob ich jemand von meiner Überzeugung erzähle oder ob ich verlange, dass auch andere meine Überzeugung teilen müssen.

Insofern danke ich Dir, heiliger Jakobus, dass Du kein Problem mit der Verkündigung des Evangeliums hattest. Wie richtig Du gehandelt hast, kann man daran erkennen, dass viele Menschen noch heute auf Deinen Spuren wandeln und Dir auf dem Jakobsweg folgen.

Vielleicht solltest Du zusammen mit Deinem Bruder mit der Dir nachgesagten „Donnerkraft“ der irdischen Welt einmal sagen, dass eine Verleugnung der eigenen Auffassung und des eigenen Glaubens anderen gegenüber nur dazu führt, dass keiner mehr einen eigenen Maßstab zum Handeln in seinem persönlichen Leben finden kann.

Wir sollten deshalb auch weiterhin den Mut haben, unseren eigenen Jakobsweg unbeirrt von möglichem Kopfschütteln zu gehen und uns von dem eigenen Ziel, das wir uns selbst gesetzt haben, nicht von Besserwissern abbringen lassen.

Mit herzlichen Grüßen aus dem Diesseits in das Jenseits

Dein Erdenbürger Jörg-Michael Bornemann