Brief in die Ewigkeit – Newsletter Nr. 22

Liebe heilige Lucia,
heute reden wir in der irdischen Welt viel von Fakten und in diesem Zusammenhang auch von alternativen Fakten und meinen damit, dass es sich um Unwahrheiten handelt.
Beim Studium über den Grund, warum Du bereits in einer Grabschrift um 400 nach Christi in der Katakombe St. Giovanni in Syrakus erwähnt wurdest, aber es kaum valide Fakten gibt, die Auskunft darüber geben, warum man Dich als Heilige ansieht, stellte ich fest, dass es wahrscheinlich gar nicht immer notwendig ist, nur von objektiv nachweisbaren Fakten auszugehen, um zu meinen, man kenne die Zusammenhänge einer Entwicklung genau. Viel wichtiger scheint es zu sein, wie Generationen von Menschen Dich als Lichtbringerin in einer dunklen Welt, wobei dies im übertragenen Sinne zu verstanden werden muss, gesehen und welche Erwartungen und Hoffnungen sie mit Deiner Person verbunden haben. Diese Antizipation zu Deiner Person und zu Deinem Wirken hat den Menschen über Generationen hinweg Hoffnung und Zuversicht gegeben. Die Erwartung auf das Erstrahlen des Lichts gibt den Menschen die Zuversicht, dass nach der Finsternis wieder eine strahlende Sonne sichtbar werden wird. So ist es auch nicht überraschend, dass Du sowohl von der katholischen als auch von der orthodoxen Kirche, aber auch von der amerikanischen lutherischen Kirche und sogar von der evangelischen Kirche in Deutschland als eine Art Heilige angesehen wirst.
Besonders in Schweden und in den nordischen Ländern wird am 13. Dezember das Lucia-Fest gefeiert. Hinweise auf besondere Ausgestaltungen dieses Fests kann man bis in das Mittelalter rückverfolgen.
In der gegenwärtigen Zeit unseres irdischen Daseins scheint das Licht sehr stark von großen Schatten verdunkelt zu sein. Auch meine Zeitgenossen sehnen sich nach einer Lucia, die wieder das Licht in den Vordergrund rückt und darauf hinweist, dass die Dunkelheit niemals eine Dauererscheinung sein kann. Als Christen haben wir den Glauben an das Gute, aber wir sind auch darauf angewiesen, dass unsere Seele die Schönheit der Welt, die es auch noch gibt, in ihrem strahlenden Licht sehen kann. Es gibt gute Gründe, warum die Liturgie in unserer Kirche nicht auf Symbole und Bilder verzichtet. In dem wir Kerzen auf dem Altar anzünden, indem wir in jeder Kirche ein ewiges Licht leuchten lassen, wird auch Dein Geist des Lichtbringens reale Wirklichkeit, also das, was wir heute als sogenannte Fakten benennen. Insofern ist es völlig gleichgültig, was Du wirklich in Deinem Leben getan hast, um eine Heilige zu werden.
Wie schön ist doch der Gedanke, dass es eine Lichtgestalt gibt, die über die religiösen Grenzen von einer großen Anzahl der Christen als gemeinsame Lichtgestalt verehrt wird. Allein dies wäre ein Grund, von einer heiligen Person zu sprechen, weil sie durch ihre irdische Präsenz den nachfolgenden Generationen eine überirdische Zuversicht vermitteln konnte.
Heilige Lucia, heute können wir Dich nur bitten, dass Dein Licht die Herzen der Menschen wieder erhellt. Der Adventskranz zeigt uns, dass es mit dem Anzünden einer jeden Kerze heller wird. Wir müssen die Dunkelheit nicht hinnehmen, sondern können uns an dem Licht orientieren. Das Licht verändert die Welt.

Es grüßt Dich Dein Erdenbürger
Jörg-Michael Bornemann