Brücke zwischen Gefängnis und Gemeinde

In Dresden startet die erste „APAC-Selbsthilfegruppe“ in der Pfarrei St. Martin

Netzwerk für Gefangene
Zwischen der Pfarrei St. Martin und Inhaftierten unserer Dresdener Justizvollzugsanstalt entsteht seit letztem Jahr langsam eine Brücke zwischen „drinnen“ und „draußen“. Erste Ehrenamtliche aus der Gemeinde interessieren und engagieren sich für die Menschen hinter Gittern. Inhaftierte, die an den Angeboten der Gefängnisseelsorge teilnehmen, machen dadurch positive Beziehungserfahrungen und nehmen wahr, dass Menschen „draußen“ und die Gemeinde sie nicht abgeschrieben haben.

Ein besonders sichtbares Zeichen dieser Brücke war die Übergabe einer großen, von Gefangenen angefertigten Bild-Collage als Geschenk für die Pfarrei St. Martin anlässlich der Feier der Pfarreineugründung am 11. November. Drei Ausfertigungen dieses Geschenks werden jeweils in St. Martin, St. Josef und einem entsprechenden Ort in der JVA Dresden ihren festen Platz finden.

Im Dezember ist nun durch das Angebot einer wöchentlichen „APAC-Selbsthilfegruppe“ in St. Josef ein weiteres Brückenelement hinzugekommen.
Angelehnt an das brasilianische Resozialisierungsmodell „APAC“ (Associação de Proteção e Assistência aos Condenados / Vereinigung zum Schutz und zur Unterstützung von Strafgefangenen) treffen sich hier wöchentlich Betroffene, um im Rahmen der Selbsthilfe-Gruppenarbeit einen persönlichen Weg des Wachstums und der Veränderung zu gehen. Außerdem wollen sie sich aber auch mit ihren Gaben wieder in Gesellschaft und Gemeinde konstruktiv einbringen. Fachlich begleitet wird diese Gruppenarbeit durch Mitarbeiter(innen) der freien Straffälligenhilfe SET-FREE e.V., aus der Gemeinde St. Martin und der Gefängnisseelsorge der JVA Dresden.

Bereits zu Beginn der Gruppe wurde spürbar, wie das Willkommen und die Offenheit, die im Namen der Gemeinde durch Pfr. Posielek (der gleich am 1. Gruppenabend teilgenommen hat) ausgesprochen wurden, bei den Beteiligten dankbar und mit Freude angenommen wurden. Hier gilt auch ein Dank für die Unterstützung an das Bistum Dresden-Meißen und an die Justiz in der JVA Dresden, welche die Teilnahme u.a. durch Sonderausgänge erleichtert.
Bei den Treffen haben schon 1. Planungen begonnen, wie die Integration in die Gemeinde und das Engagement für die Gemeinde Gestalt annehmen könnten. Denkbar wären z.B. gemeinsame Veranstaltungen, Mithilfe bei der Tafel, ein Chorgruppe und anderes; aber das wird in den nächsten Monaten besprochen werden. Bei einem größeren Engagiertentreffen am 18. Mai 2019 sollen dann erste Erfahrungen und Ergebnisse sichtbar werden. Interessierte für die Gruppenarbeit etc. können gerne beim SET-FREE e.V. unter: 0151/25548155 nachfragen.
Pedro M.J. Holzhey