Die letzten 7 Worte unseres Erlösers am Kreuze

“Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze” Streichquartett Op.51 von Joseph Haydn (1732 – 1809 ) – Aufnahmen vom 31.März 2021 im Saal der Gemeinde Neustadt
Violine: Anne Schuhmann,
Violine: Karina Müller,
Viola: Sophia Gulde,
Violoncello: Katrin Meingast

Introduktione

1. Wort Jesu: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“.

Jesus ausgespannt am Kreuz, zwischen Himmel und Erde

Sie kamen zur Schädelhöhe; dort kreuzigten sie Jesus und die Verbrecher, den einen rechts von ihm, den andern links. Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.
(Lukas 23:33–34)

Kinder ausgespannt zwischen Himmel und Erde

Weltweit und hauptsächlich in Afrika sind Kinder Opfer von ganz schrecklichen Praktiken, wie rituelle Kindermorde. Kinder werden die aufgrund einer körperlichen oder mentalen Behinderung als „Hexen-Kinder“ bezeichnet und aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen oder getötet. Die Dorfbewohner sind sich ihrer Handlung nicht bewusst, sie fühlen sich verpflichtet die Gemeinschaft vor Unglück zu bewahren.

I-Largo
Gebet:
Gott, trotz der eigenen Leiderfahrung ist Jesus fähig, seinen Peinigern zu vergeben, und verweist darauf, dass sie sich nicht bewusst sind, was sie tun. Oft fügen Menschen anderen Menschen großes Leid zu, im Glauben das Richtige zu tun. Traditionen, geschlossene Systeme oder falsch verstandener Gehorsam treiben sie dazu. Lass uns begreifen, dass allein der Respekt vor der Würde aller Geschöpfe unser Handeln rechtfertigen kann und leiten muss. Darum bitten wir durch Jesus, deinen Sohn und unseren Bruder. Amen

2. Wort Jesu: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

Migranten und Flüchtlinge ausgespannt zwischen Himmel und Erde

Jesus ausgespannt am Kreuz, zwischen Himmel und Erde

Einer der Verbrecher, die neben Jesus hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns! Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getro­ffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.
(Lukas 23:39–43)

Die Migration hat sich zu einem der trennendsten politischen Themen entwickelt, es ist ein Thema, das zu einer starken Polarisierung in unseren öffentlichen Diskussionen und zu Konflikten in Gemeinschaften auf der ganzen Welt führt. Die Spannungen und Ängste im Zusammenhang mit der Migration wurden angeheizt durch die Kriminalisierung der Migration, die de-facto die Antwort vieler Regierungen darauf ist. Kriminalisierung führt zu sozialer Ausgrenzung und zwingt Migranten und Flüchtlinge ins Abseits. Ihnen wird der Zugang zu grundlegenden Menschenrechten verwehrt und sie werden daran gehindert, sich vollständig an ihrer Gastgemeinschaft zu beteiligen und sie mitzugestalten.

II-Grave e cantabile
Gebet:
Gott, Jesus gibt selbst dem mit ihm gekreuzigten Verbrecher Ho­ffnung. Migranten und Flüchtlinge werden durch unsere Asylpolitik ins Abseits gestellt, manche sterben auf dem Weg aus ihrem Elend nach Europa oder hoffen auf eine Zukunft wie im schrecklichen Lager Moria. Gott, wir bitten dich um die Ho­ffnung auf dein kommendes Reich, das bereits in Jesus begann und dessen Fülle wir erwarten. Darum bitten wir durch Jesus, deinen Sohn und unseren Bruder. Amen

3. Wort Jesu: „Frau, siehe, dein Sohn! Siehe, deine Mutter!

Frauen ausgespannt zwischen Himmel und Erde

Jesus ausgespannt am Kreuz, zwischen Himmel und Erde

Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter!
(Johannes 19:25–27)

Auf den Salomon-Inseln im westlichen Pazifik leben Tausende von Frauen und Mädchen am Rand der Gesellschaft. Sie leiden vor allem unter sexueller und häuslicher Gewalt, Armut und der massiven Diskriminierung von Frauen. Frauen sind zudem in diesem Staat weitgehend von der Mitwirkung am öffentlichen und politischen Leben ausgeschlossen und haben kaum Zugang zu Bildung und geregeltem Arbeitseinkommen.

III-Grave
Gebet:
Gott, Jesus betonte das Recht der Frauen auf ein Leben in Würde. In vielen Kulturen und Ländern sind Frauen noch immer von Männern abhängig und in ihren Rechten benachteiligt. Vielfach werden Frauen in ihrer Würde verletzt und missachtet. Lass uns in unserem eigenen Land und in unserer Kirche für die Würde und die Rechte der Frauen eintreten. Darum bitten wir durch Jesus, deinen Sohn und unseren Bruder. Amen

4. Wort Jesu: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“

Verzweifelte und Verlassene Menschen ausgespannt zwischen Himmel und Erde

Jesus ausgespannt am Kreuz, zwischen Himmel und Erde

Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani?,
das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Er ruft nach Elija. (Matthäus 27:46–47)

Die Kreuzigung Jesu scheint ein Beispiel für das Scheitern der Gerechtigkeit zu sein. Sowohl im Matthäusevangelium als auch bei Markus lesen wir, dass Jesus zu Gott schrie: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Es war ein Schrei der Verzweiflung. In der dunkelsten und schmerzvollsten Stunden seines Lebens wurde wahrhaftig „das Wort zu Fleisch“ im Sinne der Erfahrung der tiefen Verlassenheit und der völligen Verzweiflung, die so viele durchleiden, wenn sie mit Ungerechtigkeit, Unterdrückung und persönlichen Tragödien konfrontiert werden.

IV-Largo
Gebet:
Gott, unter der Folter des Kreuzes fühlte sich Jesus selbst von dir verlassen. Menschen, die unter Einsamkeit und Verzweiflung leben, fühlen sich hoffnungslos und gottverlassen. Lass uns für sie eine Hilfe sein und für sie eintreten, so weit wie möglich. Darum bitten wir durch Jesus, deinen Sohn und unseren Bruder. Amen.

5. Wort Jesu: „Mich dürstet“

Menschen, die verdursten, ausgespannt zwischen Himmel und Erde

Jesus ausgespannt am Kreuz, zwischen Himmel und Erde
Danach, als Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet. Ein Gefäß mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. (Johannes 19:28–29)

Das Recht auf Wasser und Abwasserentsorgung wurde von den Vereinten Nationen  als Menschenrecht anerkannt. Trotzdem haben immer noch Millionen Menschen in der Welt keinen Zugang zu sauberem Wasser.  Millionen Kinder sterben jedes Jahr an Durchfall, verursacht durch unsauberes Wasser und fehlende Abwasserentsorgung. Verschärft wird das Problem durch die Privatisierung von Wasser, wie sie von bestimmten Industrienationen gefördert wird. Höhere Preise und schlechtere Wasserqualität für die Armen sind häufig die Folgen der Privatisierung.

V-Adagio
Gebet:
Gott, beim Sterben am Kreuz dürstet es Jesus. Millionen von Menschen sterben, weil sie keinen Zugang zu sauberem Wasser haben. Gott, hilf uns, dieses wertvolle Gut, unsere Schwester Wasser, zu achten und gerecht zu teilen. Lass uns dafür eintreten, dass das Recht auf Wasser international durchgesetzt und verwirklicht wird. Darum bitten wir durch Jesus, deinen Sohn und unseren Bruder. Amen.

6. Wort Jesu:  „Es ist vollbracht“

Menschen, die wahrhaftig leben, ausgespannt zwischen Himmel und Erde

Jesus ausgespannt am Kreuz, zwischen Himmel und Erde

Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf.
(Johannes 19: 30)

Einfache Antworten auf komplexe Fragen und Herausforderungen in der Gesellschaft, Politik und Kirche haben an Attraktion in den letzten Jahren zugenommen. Präsidenten, Oberhäupter und Bischöfe die populistische Verlautbarungen von sich geben, müssen uns in Unruhe versetzten. Häufig begleiten diese Aussagen eine Lüge, weil man so alternative Fakten schaffen will. Der Ruf „Es ist vollbracht“  und basta, darf nicht der endgültige Ruf auf die vielen Herausforderungen, Interessen nach Entwicklung, Wünschen nach Veränderung, sein.

VI-Lento
Gebet:
Gott, beschenke und segne uns mit Unbehagen. Mit dem Unwohlsein bei einfachen Antworten, Halbwahrheiten und oberflächlichen Beziehungen. Damit wir tief aus unserem Herzen heraus leben. Darum bitten wir durch Jesus, deinen Sohn und unseren Bruder. Amen.

7. Wort Jesu: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“

Es war etwa um die sechste Stunde, als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. Die Sonne verdunkelte sich. Der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei, und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus. (Lukas 23: 44-46)

Terremoto

In den Heiligen ausgespannt zwischen Himmel und Erde

Jesus ausgespannt am Kreuz, zwischen Himmel und Erde

In der letzten Betrachtung schauen wir auf ein Element der Spiritualität vom Heiligen Franz von Assisi. Franz besaß die Gabe des Mitleidens (compassio). Durch die Begegnung mit dem Gekreuzigten erwächst bei ihm die Fähigkeit, die Leiden gleichsam am eigenen Leib mit zu leiden. Die Biografen von Franz berichten, wie er tagelang geweint habe und am Leiden litt, weil die Liebe nicht geliebt wird. „Selig die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden(Mt 5,9) Franz erläutert in seinen Ermahnungen folgendes: „Jene sind wahrhaft Friedenstifter, die in allem, was sie in der Welt erleiden, wegen jener Liebe, mit der unser Herr Jesus Christus liebt, sowohl im Denken und Fühlen (=Seele), als auch im sozialen Verhalten(=Leib) den Frieden bewahren.“ Friede wächst durch Gewaltlosigkeit, durch geduldiges Ertragen und demütiges Erleiden. Dies aber nicht im Sinne von Passivität, sondern durch die Aktivierung innerer Kräfte. Mitleid bedeutet gelebte Solidarität.

VII-Largo

Abschlussgedanke:
Wir haben die »Sieben Worte Jesu am Kreuz« bedacht, glaubend, dass Gott Jesus vom Tod erweckte. Dieser Glaube ermutigt uns in unserem Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden und in dem Versuch, Menschen, die leiden, neue Ho­ffnung zu schenken. Im Vertrauen auf die Auferstehung Jesu, können wir gemeinsam die Welt zum Besseren verändern.

Teilauszüge aus 2 Meditationen zu Sieben letzten Worte Jesu von FI - Franciscans International: A voice at the United Nations in Genf (Worte 1-5). Reihe zu Franziskanischen Spiritualität von Br. Stefan Federbusch OFM (Wort 7). Text von Franz-Josef Herzog (Wort 6). Zeichnungen von Br. Winthir Rausch OFM +2015 – Titelbild: Franziska Jung

An dieser Stelle bedanke ich mich für die gemeinsame Zeit in St. Martin Dresden und wünsche Gesegnete Kar- und Ostertage.
Tschüss - FJ Herzog