Menschwerdung Gottes – Weihnachtem

1. Abend Heilkraft der Feste: „göttliches Kind“
Was angekündigt wurde und worauf die Menschen gewartet haben, geschieht: Ein Kind wird geboren. Menschen, kleine und große, Hirten und Sterndeuter, erkennen in ihm den versprochenen Messias, den Retter der Welt.
Wir Nachgeborenen starten am 1. Advent das Kirchenjahr mit dieser Erzählung von Verheißung und Erfüllung. Die sinnenhaft aufgeladene Zeit nährt den „vierfach hungrigen Menschen“ in uns wie keine andere im Verlauf des Jahres: Leib und Seele, Geist und Gemeinschaftssinn erhalten „Nahrung“. Gott will bei uns einkehren und tritt zu uns herein durch die Tore unserer Sinne: Spezialitäten für unseren Gaumen, Lichter für unsere Augen, Adventslieder und Weihnachtsbotschaft für unsere Ohren, Räucherwerk für unsere Nase, Geschenke ertasten unter kunstvoll verschnürten Paketen. Die weltlichen und religiösen Schatzkammern sind gefüllt mit allem, was unser Leben reich macht. Der nur gedachte Gott will in unser Herz einziehen. Alles will uns aufschließen, das göttliche Kind in uns willkommen zu heißen. Denn, so formuliert es Angelus Silesius Mitte des 17. Jahrhunderts, „Wäre Christus tausendmal in Betlehem geboren und nicht in dir, du bleibst doch ewiglich verloren“.
Mit einem einfachen „Ja, komm herein“ werden wir selbst zu Christusträgern. Und alles, was unser Leben beschwerte, was uns weh tat, was uns gekränkt hat – besonders in unseren so empfänglich wie empfindlichen Kindheitsjahren – dürfen wir diesem Heiland anvertrauen. Unser eigenes „inneres Kind“ soll gesunden, heil werden und heranwachsen zum reifen Menschen. Wie gut, dass wir zu Beginn jedes Kirchenjahres dazu eingeladen sind und mit Auge, Nase, Mund und Hand darauf gestoßen werden, uns ein-zu-lassen.

Rebekka-Chiara Hengge, Gemeindereferentin