Der Sehnsucht nachgehen

Am Freitag, dem 21.01.22,  trafen sich am Abend die Frauen, um gemeinsam FrauenLiturgie zu feiern.
Unsere Liturgie begann mit dem Sehnsuchtsgedicht von Nelly Sachs:


Alles beginnt mit der Sehnsucht,
immer ist im Herzen Raum für mehr,
für Schöneres, für Größeres.
Das ist des Menschen Größe und Not:
Sehnsucht nach Stille,
nach Freundschaft und Liebe.
Und wo Sehnsucht sich erfüllt,
dort bricht sie noch stärke auf.
Fing nicht auch Deine Menschwerdung,
Gott,
mit dieser Sehnsucht
nach dem Menschen an?
So lass nun unsere Sehnsucht
damit anfangen,
Dich zu suchen,
und lass sie damit enden,
Dich gefunden zu haben.


Wir trugen Sehnsuchtslichter, in die dunkle Kirche und in unsere Dunkelheit hinein:
„Wonach halten wir Ausschau? Welche Sehnsucht erfüllt uns?…
Die Sehnsucht gibt dem Sinn, was wir Menschen tun. Sehnsucht macht lebendig. Sie lässt uns über uns hinausdenken, groß denken von der Welt und den Menschen, wie Gott selbst es tut, der als Mensch gekommen ist, damit wir Leben in Fülle haben. Er lässt sich nicht beirren von einer Welt der Enge und Kleingläubigkeit.
Wir gingen unserer eigenen, inneren Sehnsucht nach. Sehnsucht nach Verlorenem, Sehnsucht nach Erfüllung…Sehnsucht nach meiner Mitte, nach Gott in meiner Mitte…

Wir schauten auf das Fest der Darstellung des Herrn, ( siehe Lk 2,22-40)
Die Geschichte ist berührend. Maria und Josef tragen ihr Kind in den Tempel, um es Gott zu zeigen. Da begegnen Simeon und Hanna dem Kind. All die Sehnsucht der beiden alten Leute, die ein Leben lang auf den Messias gewartet haben, verdichtet sich im Erkennen, dass sich ihre Sehnsucht in diesem Kind erfüllt. Ohne ihre Sehnsucht hätten sie ihn nicht erkannt.

Erfüllte Sehnsucht!


Wo ging in unserem Leben unserer Sehnsucht in Erfüllung?
Für welche erfüllten Momente in meinem Leben bin ich dankbar?
Oft sind es nur „Wimpernschlagmomente“, die uns erfüllen, ganz kleine Lichter, Blitzlichter, Sternschnuppen. Oft geschieht es unscheinbar. Manches scheint normal, und doch erfüllt es uns, stillt es eine Sehnsucht in uns. Seltener sind es große Feuerwerke, aber auch sie gibt es.
Erfüllte Sehnsucht.
Wir ließen unseren Dank wie Weihrauch zu Gott aufsteigen.

Wir sind auf dem Weg und wollen es bleiben.

Zeugnis geben

Werde ich die richtigen Worte finden, wenn mich jemand nach meiner Hoffnung, meiner Sehnsucht fragt?
Nach der Hoffnung, der Sehnsucht, dass mein Leben einen Sinn hat, und dass der Tod nicht das letzte Wort hat, dass alles Leid einmal ein Ende hat, dass Liebe den Hass überwindet.
Lebe ich, was ich sage?
Gibt mein Leben Antwort auf die Frage nach der Hoffnung, der Sehnsucht?
Werde ich die richtigen Worte finden, um von der Wahrheit Zeugnis zu geben?
Von der Wahrheit, die den Weg herausweist aus Kurzsichtigkeit und Blindheit, die frei macht und Angst überwindet, die Halt und Orientierung gibt.
Lebe ich, was ich sage?
Gibt mein Leben Zeugnis von der Wahrheit?

© Gisela Baltes

(Patricia Sorek)