Friedens-Impuls am 29. März 2022

(unsere tollen Ministrant:innen sagen: Willkommen!)

Liedruf (GL 286):
Bleibet hier und wachet mit mir! Wachet und betet, wachet und betet!

Tagesevangelium nach Johannes Kapitel 5, Verse 1 – 16:
Es war ein Fest der Juden, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. In Jerusalem gibt es beim Schaftor einen Teich, zu dem fünf Säulenhallen gehören; dieser Teich heißt auf hebräisch Betesda. In diesen Hallen lagen viele Kranke, darunter Blinde, Lahme und Verkrüppelte.
Dort lag auch ein Mann, der schon achtunddreißig Jahre krank war. Als Jesus ihn dort liegen sah und erkannte, dass er schon lange krank war, fragte er ihn: Willst du gesund werden? Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich, sobald das Wasser aufwallt, in den Teich trägt. Während ich mich hinschleppe, steigt schon ein anderer vor mir hinein.
Da sagte Jesus zu ihm: Steh auf, nimm deine Bahre und geh! Sofort wurde der Mann gesund, nahm seine Bahre und ging. Dieser Tag war aber ein Sabbat.
Da sagten die Juden zu dem Geheilten: Es ist Sabbat, du darfst deine Bahre nicht tragen. Er erwiderte: Der Mann, der mich gesund gemacht hat, sagte zu mir: Nimm deine Bahre und geh! Sie fragten ihn: Wer ist das denn, der zu dir gesagt hat: Nimm deine Bahre und geh? Der Geheilte wusste aber nicht, wer es war. Jesus war nämlich weggegangen, weil sich dort eine große Menschenmenge angesammelt hatte.
Später traf ihn Jesus im Tempel und sagte zu ihm: Jetzt bist du gesund; sündige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres zustößt. Der Mann ging fort und teilte den Juden mit, dass es Jesus war, der ihn gesund gemacht hatte. Daraufhin verfolgten die Juden Jesus, weil er das an einem Sabbat getan hatte.

Betrachtung:
Der Grat zwischen Glauben und Aberglauben ist schmal. Im heutigen Evangelium finden wir das gleich doppelt:
Wenn die Menschen dort am See vom Wasser geheilt werden können, warum liegen dort noch so viele Kranke? Warum sind sie nicht geheilt? Es gibt leider einen Trick: Nur der erste Kranke, der das aufwallende Wasser berührt, wird geheilt. Wir erahnen das noch in der Antwort des Kranken, in einigen alten Abschriften des Evangeliums wurde das genauer erläutert. Wurde dieser Trick den anderen Schreibern zu unheimlich? Haben sie ihn weggelassen, weil das so gar nicht zum Bild der Gnade Gottes passte? Oder haben einige das extra hineingeschrieben, um die Stelle dramatischer wirken zu lassen? Wir wissen es nicht, aber ich finde die bereinigte Variante besser, denn dass die Gnade Gottes nur den Schnellsten zuteil wird, passt nicht zu meinem Glauben, und Jesus braucht auch gar kein „magisches“ Wasser, um den Kranken zu heilen. Diesen Aberglauben überwinden wir also hoffentlich.
Hartnäckiger wird es bei der Sabbatruhe, die einigen Juden offenbar wichtiger war als Hilfe für einen Kranken. Jesus machte deutlich, was er von solcher peniblen Treue zu den Buchstaben des Gesetzes hält, die weit vom Sinn der Regeln wegführt. Doch es gelingt ihm nicht, seine Zeitgenossen zu überzeugen. Dieser Aberglaube bleibt bestehen und Fragen nach dem „richtigen“ Einhalten von Regeln beschäftigen uns bis heute.
Und sonst? Haben wir allen Aberglauben abgelegt? Wenn der Freistaat Sachsen Mondholz teuer verkauft, füllt das die Staatskasse, aber zu welchem Preis? Wenn Krankenkassen Homöopathie bezuschussen, ziehen sie zwar vielleicht betuchtere Versicherte an, aber zu welchem Preis? Auch Geschichten über die „gefälschte“ Mondlandung sind mitunter recht unterhaltsam. Vielleicht haben wir uns zu lange an „ungefährliche“ Formen des Aberglaubens gewöhnt und damit Verschwörungstheorien den Weg geebnet, die uns bei der Bekämpfung der Pandemie ebenso behindern wie bei der Geschlossenheit der Gesellschaft gegenüber den Feinden der Demokratie und der Freiheit. So gefährdet Aberglauben auch heute noch das Zusammenleben der Menschen.
Jesus hat uns vorgelebt, ohne Rücksicht auf Tricks und Aberglauben das Wohl des Nächsten im Blick zu haben, egal ob er krank, einsam, arm oder abergläubisch ist.

Friedensgebet
Herr und Vater der Menschheit,
du hast alle Menschen mit gleicher Würde erschaffen.
Gieße den Geist der Geschwisterlichkeit in unsere Herzen ein.
Wecke in uns den Wunsch nach einer neuen Art der Begegnung,
nach Dialog, Gerechtigkeit und Frieden.
Sporne uns an, allerorts bessere Gesellschaften aufzubauen
und eine menschenwürdigere Welt
ohne Hunger und Armut, ohne Gewalt und Krieg.

Gib, dass unser Herz sich
allen Völkern und Nationen der Erde öffne,
damit wir das Gute und Schöne erkennen,
das du in sie eingesät hast,
damit wir engere Beziehungen knüpfen
vereint in der Hoffnung und in gemeinsamen Zielen.
Amen.

Papst Franziskus in Enzyklika Fratelli Tutti

Liedruf (GL 827):
Herr, gib uns Deinen Frieden, gib uns deinen Frieden.
Frieden, gib uns deinen Frieden, Herr gib uns deinen Frieden.

(Betrachtung und Zusammenstellung: Christoph Nitsche)
Sie wollen mittun: Schreiben Sie mir oder gleich zum Dudle.
Alle Impulse der Fastenzeit: Link.