Geistliches Wort

Evangelium: Lk 16, 19–31
Düstere Aussichten haben wir heute gehört, die Jesus in der Geschichte vom reichen Mann und Abraham diesen sagen lässt: „Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.“
Und sie scheinen in einem merkwürdigen Missverhältnis zu dem zu stehen, was Jesus dann selber getan hat, um uns zu retten: Er ist gestorben und von den Toten auferstanden.

Aber wenn wir genauer hinschauen, erkennen wir die doch Unterschiede zwischen der Vorstellung des reichen Mannes und dem Leben Jesu: Wenn Lazarus aus dem Jenseits in das Haus seiner Vaters käme, möglichweise in einer leuchtenden Gloriole, dann wäre er wohl vor allem eine Geistererscheinung und man würde vor ihm eher davonlaufen, als seine Worte zu befolgen.

Christus hat es anders gemacht: Er ist wahrer Mensch geworden und hat unter uns gelebt. 30 Jahre lang ist er praktisch nicht besonders als Sohn Gottes in Erscheinung getreten, sondern wurde mit den Menschen in seiner Umgebung vertraut. Aus dieser Vertrautheit heraus fing er an zu predigen und Zeichen und Wunder zu wirken. Und immer war klar: Jesus tut genau das, wozu er auch uns auffordert: Beten, das Wort Gottes verkünden, in Gemeinschaft leben. Und so – und mit der Hilfe des heiligen Geistes – konnten seine Jünger nach seinem Tod und der Auferstehung glauben, das hier wirklich etwas besonders Gutes passiert ist und nicht nur eine Spukgeschichte.

Auch wir sind heute skeptisch Worten gegenüber. Die Zeitungen, Fernsehprogramme und das Internet sind voll davon. Die Frage, was gut und richtig ist, muss sich anders, hintergründiger beantworten lassen. Sie haben da Einiges richtig gemacht, als Sie hierher zur musikalischen Vesper gekommen sind. Hier wirken Worte, Melodien, das gemeinsame Singen und Zuhören in dieser Stunde der Andacht zusammen und bringen uns die Chance zur Einkehr und zur Begegnung mit Gott.

Ich will sie gerne loben, dass Sie sich aufgemacht haben, um diese Stunde hier zu verbringen. Aber als Christ ist es eben auch so: Wenn ich etwas erkannt habe als gut und richtig, dann habe ich auch den Auftrag, das weiterzutragen.

Wenn es Ihnen also in der kommenden Woche gelingt, auch Anderen eine Begegnung zu schenken, in der nicht nur geredet wird, sondern wo Worte, Nähe und Zeit eine besondere Wirkung entfalten dürfen, dann tragen Sie göttliches Handeln in die Welt hinaus. Wenn es mal nicht um Bewertungen, abrechenbare Erfolge oder besser – schlechter – Vergleiche geht, sondern darum, als Mensch wahrgenommen zu werden, dann wandeln sie auf Jesu Spuren. Und dann muss sich vielleicht sogar Abraham wundern, was alles geschehen kann!

Christoph Nitsche