Damit Menschen wieder vertrauen und hoffen können

Am 21. September 2019 begab sich eine Gruppe von 30 Personen aus den Gemeinden St. Hubertus und St. Petrus Canisius auf Wallfahrt nach Helfta. Kloster Helfta  wurde nach der Wende wieder aufgebaut, und es leben auch wieder Nonnen dort. Helfta ist Ortsteil von Eisleben, der Lutherstadt.

Wer auf Wallfahrt geht, muss früh aufstehen. 7.00 Uhr begann die Statio in der Kirche St. Hubertus, dann wurde der Bus bestiegen, und die Fahrt ging los. Für 10.30 Uhr war der Gottesdienst in der  Klosterkirche des Zisterzienserinnenpriorats St. Marien in Helfta vorgesehen, eingetaktet  zwischen die Gebetszeiten der Schwestern. Beim Mittagsgebet, der Sext,  11.45 Uhr, konnten wir dabei sein. Dann hielt die Klosterschänke das Mittagessen bereit für uns und weitere Gruppen in einem 5-Sterne-Ambiente. Im Kloster wird offenbar auch gerne geheiratet, im Garten trafen wir ein Brautpaar beim Fototermin. Wir waren nach dem Essen verabredet mit einer Schwester zur Führung durch das Gelände. Dabei erfuhren wir viel Interessantes von der wechselhaften Geschichte dieses besonderen Ortes. 1257 wurde das Kloster gegründet und entwickelte sich schnell zu einem der führenden Frauenklöster in Deutschland, ja es wurde die „Krone der Frauenklöster“ genannt. Dann kam die Reformation, 1542 wurde das Kloster aufgelöst durch den Grafen von Mansfeld. Nach 1945 war es Volkseigenes Gut, die Gebäude verfielen zusehends, 1988 sollten die letzten Ruinen gesprengt werden, was mutige Helftaer verhinderten. 1989/90 gab es erste Überlegungen zur Wiederbelebung des Klosters.  Es wurde ein Förderverein gegründet, 1997 war die Grundsteinlegung für die Kirche und das Konventsgebäude.  Am 13. August 1999 war es dann so weit. Äbtissin M. Assumpta Schenkl und sieben Schwestern aus Seligenthal in Landshut zogen in Helfta ein. Seitdem gibt es wieder spirituelles Leben an diesem Ort. Architektonisch ist das Bild heute geprägt von funktionalen, zurückhaltenden Neubauten, die die verbliebenen Ruinenelemente einbeziehen.

Nach der Führung gab es Anlass zu ökumenischer Freude. Wir bestiegen den Bus und fuhren 4 km in die Innenstadt von Eisleben. Dort hatten wir eine Stadtführung mit Besichtigung der beiden Kirchen St. Petri und Pauli und der Marktkirche St. Andreas und der beiden Luthergedenkstätten, Geburtshaus und Sterbehaus (von außen).  Dass Luther in seinem Geburtsort gestorben ist, mag man als Zufall abtun. Für den gläubigen Menschen Luther war es sicher göttliche Fügung.

Auf dem Rückweg gab es noch einen kurzen Halt in Helfta, um Wallfahrer aufzunehmen, die dort geblieben waren und die Gelegenheit wahrgenommen haben, dem Besonderen dieses Ortes nachzuspüren. Dieses Besondere hängt wesentlich zusammen mit dem Wirken der drei großen Frauen:  Gertrud von Helfta, Mechthild von Magdeburg, Mechthild von Hackeborn. Ihrem Leben, ihrer spirituellen Ausstrahlung, die in ihren Schriften bis heute weiterwirkt, verdankt Helfta seinen Glanz. Gertrud die Große, wie sie auch genannt wird, lebte von 1256 bis 1302. Auf sie geht die Herz-Jesu-Verehrung zurück, viele Anrufungen der Herz-Jesu-Litanei in unserem Gotteslob sind von ihr. Sie wird auch in Spanien und Lateinamerika verehrt.  Von ihr stammt das Wort: „Mein Gott, du hast mich armseliges Geschöpf auserwählt, damit Menschen wieder vertrauen und hoffen können.“

Kloster Helfta ist für uns heute ein Hoffnungszeichen. Möge es gelingen, das Licht , das die drei großen Mystikerinnen in ihrem, dem 13. Jahrhundert, angezündet haben, in die Dunkelheiten unseres Jahrhunderts hineinzutragen.

Thomas Börner