Gottesdienst-Brief am 25. Dezember

JVA-Mauer mit Kreuz

(Derzeit sind alle geplanten Gottesdienste in der JVA untersagt, nur am 24.12. durften einmalig 2 Gottesdienste stattfinden. Diesen Brief haben wir den Gefangenen geschrieben:)

Gottesdienst-Brief am 25. Dezember 2021

Liebe Mitfeiernde unserer Gottesdienste!
Gestern haben wir zusammen den Weihnachtsgottesdienst gefeiert. Weil das Fest von Jesu Geburt so groß ist, feiern wir es noch eine Weile lang. Heute schauen wir auf das Licht, dass so lebenswichtig für uns alle ist. Und wenn es nur eine kleine, warme, helle Flamme ist – es erreicht unser Herz und berührt uns auf eine ganz eigene, sanfte, wohltuende Weise. Wir lesen heute in den Bibeltexten, dass Gott das Wort ist, welches wie ein Licht in unser Leben kommt:

Lesung aus dem Buch Jesaja, Kapitel 6, Verse 1 – 5
Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf. Du mehrtest die Nation, schenktest ihr große Freude. Man freute sich vor deinem Angesicht, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird. Denn sein drückendes Joch und den Stab auf seiner Schulter, den Stock seines Antreibers zerbrachst du wie am Tag von Midian. Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, jeder Mantel, im Blut gewälzt, wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers. Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt. Die Herrschaft wurde auf seine Schulter gelegt. Man rief seinen Namen aus: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.

Auslegung:
Starke Worte nutzt der Prophet Jesaja hier, damit jedem klar wird, welcher Umsturz uns bevorsteht: Denn auch wenn das elektrische Licht heute die Finsternis leicht erhellen kann, gibt es immer noch die Dunkelheit im Herzen, den Stock des Antreibers und dröhnende Stiefel überall auf der Welt. Aber das Licht, das mit dem Kind in die die Welt kommt, wird all das beenden. Wenn der Fürst des Friedens bei uns ist, werden wir alle jubeln dürfen, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird.

Liedruf zum Beten, Mitsummen oder Mitsingen:
Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht; es hat Hoffnung und Zukunft gebracht;
es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten,
ist wie ein Stern in der Dunkelheit.

Evangelium nach Johannes Kapitel 1, Verse 1-5 und 9-10
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.
Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt
und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.

Auslegung:
Das Licht hat viel Einfluss darauf, wie sich unser Leben anfühlt. Manchmal kann ein einfacher Lichtschalterknips die Sorgen und Ängste der Nacht vertreiben, manchmal reichen alle Scheinwerfer, Leuchtreklamen und Handydisplays nicht aus, um sich weniger einsam zu fühlen. Und seit ich weiß, dass Sie im Gefängnis nur einmal im Jahr ganz kurz eine eigene Kerze haben dürfen, verstehe ich die Not hinter Gittern noch etwas besser.
Zu Weihnachten soll sich das alles ändern! Das Licht, das als Wort von Gott ausgeht und als sein eigener Sohn in die Welt kommt, hat die Macht, unseren Alltag zu erhellen, unser Herz zu erwärmen und alle Finsternis aus der Vergangenheit zu vertreiben.
Immer, wenn wir das Wort Gottes hören oder lesen, – im Gottesdienst, in diesem Brief, in einem Kalender, von Radio Horeb oder in der Bibel selbst – dann kann Gottes Licht zu uns kommen und unsere Welt heller und menschenfreundlicher werden lassen.
Darauf wollen wir hoffen!

Fürbitten:
Wir bitten für alle Menschen dieser Welt: Lass sie Dein Geschenk in der Krippe freudig annehmen. Sei ihnen nahe mit Deinem Licht!
Wir bitten für alle Einsamen: Sende ihnen einen menschlichen Engel. Sei ihnen nahe mit Deinem Licht!
Wir bitten für alle Familien: Stärke ihre Liebe und ihren Zusammenhalt. Sei ihnen nahe mit Deinem Licht!

Weihnachtssegen
Gott, segne uns mit dem Licht der Weihnacht!
Wenn wir im Dunkeln gehen und unser Fuß an einen Stein stößt, möge das Licht unseren Weg erleuchten!
Gott, segne uns mit dem Licht der Weihnacht!
Wenn wir im Finstern leben und die Orientierung verlieren, möge das Licht uns die Richtung weisen! Gott, segne uns mit dem Licht der Weihnacht!
Wenn wir in unseren Mitmenschen das innere Licht anerkennen und ehren, möge auch in uns das Licht der Hoffnung und des Glaubens leuchten!
Gott, segne uns mit dem Licht der Weihnacht!
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied an der Krippe:
Zu Bethlehem geboren ist uns ein Kindelein.
Das hab‘ ich auserkoren, sein eigen will ich sein.
Eia, eia, sein eigen will ich sein.

O Kindelein, von Herzen will ich dich lieben sehr.
In Freuden und in Schmerzen, je länger mehr und mehr.
Eia, eia, je länger mehr und mehr.

Herzlich grüßen wir, denn auch wenn wir uns nicht sehen, sind unsere Gedanken immer wieder bei Ihnen. Bis zum hoffentlich baldigen Wiedersehen wünschen wir Ihnen von Herzen eine gesegnete und lichtvolle Weihnachtszeit! Bleiben Sie behütet und gesund!
Viele Grüße von P. Sorek, U. Wicklein und C. Nitsche