Gottesdienst-Brief am 9. Januar

JVA-Mauer mit Kreuz

(Derzeit sind alle geplanten Gottesdienste in der JVA untersagt, nur am 24.12. durften einmalig 2 Gottesdienste stattfinden. Diesen Brief haben wir den Gefangenen geschrieben:)

Gottesdienst-Brief am 9. Januar 2022

Liebe Mitfeiernde unserer Gottesdienste!
Immer noch müssen wir auf den gemeinsamen Gottesdienst in der JVA verzichten und vom Weihnachtsgottesdienst mit der wunderbaren Musik zehren. Inzwischen sind wir alle im neuen Jahr angekommen. Wir wünschen Ihnen, dass es ein segensreiches und heilbringendes Jahr für Sie alle wird, dass Sie gesund und zuversichtlich bleiben! Die heutigen Texte aus der Bibel wollen uns ermutigen und uns sagen, dass Gott sich jedem Menschen zuwendet.
Beten wir miteinander und füreinander, und beginnen:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Grüßen wir Jesus Christus in unsere Mitte:
Jesus Christus, du bist in unseren Ängsten und Sorgen der,
der uns in seinen Armen birgt. Erbarme dich unser.
Jesus Christus, du bist in unserem Schmerz der,
der uns Heilung schenkt. Erbarme dich unser.
Jesus Christus, du bist trotz unserer Schuld der,
der uns immer liebt und immer neu aufrichtet. Erbarme dich unser.

Unermüdlich gehst du mit uns auch durch dieses neue Jahr. Schenke uns den Mut und die Kraft, uns an dir auszurichten. Du verlässt uns nicht. Dafür danken wir dir. Amen.

Lesung aus dem Buch Jesaja, Kapitel 42, Verse 1 –  7
So spricht Gott, der Herr: Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Nationen das Recht.
Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen.
Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. Er verglimmt nicht und wird nicht geknickt, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf seine Weisung warten die Inseln.
Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich schaffe und mache dich zum Bund mit dem Volk, zum Licht der Nationen, um blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und die im Dunkel sitzen, aus der Haft.

Auslegung:
Der Prophet berichtet über das Verhältnis zwischen Gottvater und dem damals noch unbekannten Gottessohn, Jesus Christus, den Gott als Herrscher einsetzt. Zuerst wird dabei deutlich, wie nahe der Sohn dem Vater steht und wie eng ihre Beziehung zueinander ist. Nicht immer sind bei uns Menschen die Beziehungen in der Familie genauso fest und eng. Aber Gott ist das Vorbild für alle Liebe, sein Sohn ist ihm wichtig.
Aber der Prophet berichtet auch davon, wie die Herrschaft des Gottessohnes aussieht. Das war in der damaligen Zeit sicher eine ungewohnte Vorstellung: Nicht der Reichtum, die Macht und Gewalt des Herrschers werden geschildert, sondern seine Rücksicht­nahme und Zuwendung zu seinem Volk, wenn er die Verletzten, die Geknickten schont und die befreit, die im Dunkel des Gefängnisses oder der Blindheit sitzen.
Wir spüren: Dieser Herrscher will sein Volk nicht ausbeuten, sondern stärken. Und warum? Weil er es liebt, jeden Einzelnen aus seinem Volk. Und so überträgt sich die Liebe des Gottvaters für seinen Sohn auch auf uns: Von Anbeginn der Zeit sah Gott, dass die Schöpfung sehr gut war, und das bezog er ganz sicher auch auf jeden einzelnen Menschen, der auf dieser Welt geboren werden sollte. Jesus kommt in die Welt, damit wir in dieser Welt nie wieder alleine sind. Er hat an uns Gefallen gefunden.

Das folgende Lied über eine sehr persönliche Begegnung an der Krippe erzählt davon:

Lied zum Lesen, Mitsingen oder Mitsummen:
Ich steh an deiner Krippe hier, o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und lass dir’s wohlgefallen.

Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren
und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren.

Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden.

Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
des Glaubens in mir zugericht‘, wie schön sind deine Strahlen!

Segensgebet:
Guter Gott, ich erhebe meine Hände aus Dankbarkeit, dass Du mich zu Deinem Sohn erhoben hast.
Ich sende durch meine Hände hindurch Deinen Segen in die Welt.
Lass Deine Liebe durch meine leeren Hände strömen zu den Menschen, die mir am liebsten sind.
Hülle sie ein mit Deiner zärtlichen Gegenwart.
Ich sende durch meine Hände hindurch Deinen Heiligen und heilenden Geist.
Segne auch mich mit Deinem guten Segen, heute und alle Tages dieses Jahres. Amen.
(Anselm Grün)

Herzlich grüßen wir, denn auch wenn wir uns nicht sehen, sind unsere Gedanken immer wieder bei Ihnen. Bis zum hoffentlich baldigen Wiedersehen wünschen wir Ihnen von Herzen eine gute Zeit. Bleiben Sie behütet!
Viele Grüße von P. Sorek, U. Wicklein und C. Nitsche