Gottesdienst-Brief vom 18. April 2021

Derzeit dürfen in der JVA Dresden die Gottesdienste nicht im gewohnten Rahmen stattfinden, es dürfen sich nur Gefangene eines Flures treffen. Deswegen verteilen die Seelsorgenden jeden Sonntag einen „Gottesdienst-Brief“. Einmal im Monat wird er von Ehrenamtlichen aus St. Martin erarbeitet:

Kerze JVA

Gottesdienst-Brief am 18. April 2021

Liebe Mitfeiernde unserer Gottesdienste!
Seit zwei Wochen feiern wir nun schon das Osterfest, die Auferstehung Jesu. Bis Pfingsten singen wir das befreiende HALLELUJA. Auch heute wollen wir uns einander nahe sein und gemeinsam Gottesdienst feiern: drinnen und draußen, verbunden durch Jesus Christus selbst, der uns immer wieder in seine Liebe hineinnehmen will. Seine Gegenwart möge uns ermutigen und bestärken die Herausforderungen unseres Lebens zu bestehen. Beten wir miteinander und füreinander, und beginnen: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Grüßen wir Jesus Christus in unserer Mitte:
Jesus Christus, du Antlitz Gottes, der du siehst, was uns beschämt, erbarme dich unser.
Jesus Christus, du Weisheit Gottes, die umfasst, was uns zerreißt, erbarme dich unser.
Jesus Christus, Heiland Gottes, der du löst, was uns bedrängt, gib uns deinen Frieden. Amen!

Liedruf:
Komm, o Tröster, Heilger Geist,
Licht, das uns den Tag verheißt.
Quell, der uns mit Gaben speist,
komm, und lindre unsre Last,
komm, gib in der Mühsal Rast,
komm, sei bei uns Armen Gast.

Evangelium nach Lukas, Kapitel 24, Vers 35 – 47:
Die beiden Jünger, die von Emmaus zurückgekehrt waren, erzählten den Elf und die mit ihnen versammelt waren, was sie unterwegs erlebt und wie sie Jesus erkannt hatten, als er das Brot brach.
Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen.
Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.
Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Als sie es aber vor Freude immer noch nicht glauben konnten und sich verwunderten, sagte er zu ihnen:
Habt ihr etwas zu essen hier?
Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen.
Dann sagte er zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesprochen habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht.
Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften.
Er sagte zu ihnen: So steht es geschrieben: Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen und in seinem Namen wird man allen Völkern Umkehr verkünden, damit ihre Sünden vergeben werden.

Jubelruf nach dem Evangelium: Halleluja, Halleluja, Halleluja!

Auslegung:
Wir hören heute von den Jüngern, die nach dem Tod Jesu am Kreuz und den Berichten von seiner Auferstehung sehr unsicher waren und sich eingeschlossen hatten.
Trotzdem findet Jesus einen Weg zu ihnen, und obwohl sie erst Zweifel haben, sind sie voller Freude über diesen Besuch. Jesus spricht und isst sogar etwas Brot und Fisch mit ihnen.
Ich vermute, dass wird hier im Gefängnis einer Ihrer dringendsten Wünsche sein: Besuch haben, sich einmal richtig unterhalten können, gemeinsam essen und trinken. Und glauben Sie mir, gerade in diesen Pandemiezeiten ist es auch sonst in der Stadt ein sehr häufiger Wunsch, sich endlich wieder unbeschwert treffen zu können.
Vielleicht stellen Sie sich manchmal ganz plastisch vor, wie schön das wäre, wieder so eine gute Gesellschaft genießen zu können. Einen Freund zu haben, mit dem man über alles reden kann, und der zu jeder Zeit heimlich bei uns auftauchen kann wie ein Geist – das wäre toll!
Jesus macht den Jüngern heute klar, dass er kein Gespenst ist. Sie dürfen ihn anfassen, er segnet sie, er isst mit ihnen. Er ist so real! Die Jünger sind dadurch voller Freude.
Das war damals. Aber Jesus will für jeden von uns dieser Freund sein! Er ist immer bereit, mit uns zu reden. Das Brot, das er mit uns brechen will, hat er uns schon am Gründonnerstag gegeben. Er will uns zeigen, was in seinem Plan und in der Schrift für uns vorgesehen ist.
Das mag uns etwas gespenstisch vorkommen – und doch ist es die Realität.
Christus segnet uns, er ist für uns da: Was für ein wundervolles Geschenk!

Fürbitten:
Wir bitten für alle, die sich nach einem Gast sehnen. Christus höre uns!
Wir bitten für alle, sich einladen lassen und zu Besuch kommen. Christus höre uns!
Wir bitten für alle, die Angst davor haben, jemanden zu sich herein zu bitten. Christus höre uns!

Gebet und Segen:
Lebendiger Gott, wieder bin ich aufgewacht und aufgestanden.
Lass mich wach sein für jede Regung des Lebens, für jedes Gefühl und jeden Schrei;
wach für jeden Menschen, und für jeden Wink, den er mir gibt;
wach für Dich und alle Zeichen Deiner Liebe.
Lass mich aufrecht stehen an diesem Tag, als Dein Sohn, stolz ein Mensch zu sein.
Lass mich teilhaben an Jesus von Nazaret, den du auferweckt hast, für ein Leben, das keinen Tod mehr kennt.
Lass mich teilhaben an ihm, der auferstanden ist zu Freiheit und Würde in einer neuen Welt.
Dazu segne mich der lebendige und gute Gott, der liebende Vater, der auferstandene Sohn und die Heilige Geistkraft, heute, morgen und an allen Tagen meines Lebens. Amen. (Anton Rotzetter)

Gruß: Auch wenn wir uns nicht sehen, sind unsere Gedanken immer wieder bei Ihnen. Wir freuen uns schon jetzt darauf, wenn wir wieder ins Gefängnis kommen und gemeinsam Gottesdienst feiern können. Bis dahin wünschen wir von Herzen eine gesegnete Zeit. Bleiben Sie behütet und gesund!

Viele Grüße von P. Sorek, U. Wicklein und C. Nitsche