Impuls am 22. Mai 2021 – Samstag der 7. Osterwoche

Spuren

Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde erschaffen hat.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Wir befinden uns kurz vor dem Pfingstfest; die Osterzeit geht, liturgisch gesehen, ihrem Ende entgegen. Warte ich wirklich auf den Heiligen Geist, erwarte ich IHN – sehnsüchtig, flehend? Als den Beistand und Tröster, aber auch als den „Geist der Wahrheit“ (Joh 14,17; 15,26; 16,13), den Jesus uns versprochen hat? Oder möchte ich nicht doch lieber in Ruhe gelassen werden – weil mein Alltag eh schon anstrengend genug ist oder weil ich mich darin bequem eingerichtet habe?
Aber irgendwo tief in mir brennt doch eine Sehnsucht, ein Suchen nach IHM:

von gott aus gesehen

ist unser suchen nach gott
vielleicht die weise wie er uns auf der spur bleibt
und unser hunger nach ihm das mittel
mit dem er unser leben nährt

ist unser irrendes pilgern
das zelt in dem gott zu gast ist
und unser warten auf ihn
sein geduldiges anklopfen

ist unsere sehnsucht nach gott
die flamme seiner gegenwart
und unser zweifel der raum
in dem gott an uns glaubt

(Andreas Knapp)


Wir hören oder lesen heute den letzten Abschnitt aus dem Johannes-Evangelium. Er ist wie ein Schlussakkord, nachdem der Evangelist davon berichtet hat, wie der auferstandene Jesus den erfolglos fischenden Jüngern am See von Tiberias erschien, ihnen zu einem unverhofft reichen Fischfang verhalf und er Petrus dreimal fragte: „Liebst du mich?“

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 21,20-25)

In jener Zeit sprach Jesus zu Simon Petrus: Folge mir!

20Petrus wandte sich um und sah, wie der Jünger, den Jesus liebte, diesem folgte. Es war der Jünger, der sich bei jenem Mahl an die Brust Jesu gelehnt und ihn gefragt hatte: Herr, wer ist es, der dich verraten wird?

21Als Petrus diesen Jünger sah, fragte er Jesus: Herr, was wird denn mit ihm?

22Jesus antwortete ihm: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Du aber folge mir nach!

Immer wieder verwirrt mich diese Reaktion Jesu. Ist es nicht ein Zeichen von Verbundenheit und gegenseitiger Verantwortung, sich um den anderen zu sorgen – das spiegelt sich für mich in der Frage wider: „Herr, was wird denn mit ihm?“ Aber Jesus wiegelt schroff ab: „…was geht das dich an?“
Vielleicht ist diese Reaktion aber auch ein Hinweis darauf, dass das Verhältnis jedes Menschen zu Gott eine geradezu intime Beziehung ist, in die sich niemand ungefragt einmischen darf. Die Nachfolge Jesu ist eine sehr persönliche Angelegenheit: „Du aber folge mir nach!“, fordert Jesus den Petrus erneut auf (v. 22).

23Da verbreitete sich unter den Brüdern die Meinung: Jener Jünger stirbt nicht. Doch Jesus hatte zu Petrus nicht gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an?

24Dieser Jünger ist es, der all das bezeugt und der es aufgeschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist.

25Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müsste.

Was habe allein ich schon alles erlebt auf meinem Weg mit Jesus, mit Gott! Wenn wir unsere Erfahrungen zusammentragen würden, ergäbe das einen dicken Wälzer – oder digital eine sehr große Datenmenge. Ja, wenn wir… Vielleicht kann uns der letzte Vers des Johannesevangeliums anregen und ermutigen, unsere Glaubenserfahrungen miteinander zu teilen und uns so gegenseitig im Glauben zu stärken – wenn wir hören und vielleicht neu wahrnehmen, „was Jesus getan hat“.

Erbitten wir auch dafür die Hilfe und Ermutigung des Heiligen Geistes.

Geistesgegenwart

Windhauch, Windhauch
alles wär Windhauch
ohne den Geist
der von innen belebt

Über den stillen Urwassern
wie mit Vogelschwingen
die Schöpfung erbrütend
ewig weibliche Gottesgespielin

Wie ein Weberschiffchen flinken Flugs
die Fäden hin und her verbindet
so knüpfst du heimlich das große Netz
zwischen allen Gotteshungrigen

Sprachengenie der Liebe
Wortschöpferin für das Unaussprechliche
feuertrunken von dir wird jede Zunge bewegt
und das WORT selbst eingefleischt

(Andreas Knapp)

Komm, Heilige Geistkraft,
erneuere unsere Herzen und Sinne,
erneuere unser Miteinander,
erneuere Deine Kirche,
erneuere das Angesicht der Erde.

Komm, Heilige Geistkraft,
stärke unseren Glauben,
entzünde unsere Liebe,
bewahre uns in der Hoffnung.

Komm, Heilige Geistkraft,
zeige uns Deine Wege,
hilf uns zum Frieden,
vertreibe allen Hass aus den Herzen.

Komm, Heilige Geistkraft,
Du, eins mit dem Vater und dem Sohn,
Du göttliches Urbild aller Liebe,
erfülle uns mit Deinem Segen.

 

Foto: Michael Bogedain, pfarrbriefservice.de
Text: Elisabeth Meuser