Impuls am Dienstag, 4. Januar 2022

Pendel

Eröffnung: Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat.

Lied GL 280, 1 + 3: Singt dem König Freudenpsalmen
Singt dem König Freudenpsalmen, Völker, ebnet seine Bahn:
Zion, streu ihm deine Palmen, sieh, dein König kommt heran!
Der aus Davids Stamm geboren, Gottessohn von Ewigkeit.
Und zum Heiland auserkoren: Er sei hochgebenedeit!

Sieh, Jerusalem, dein König, sieh, voll Sanftmut kommt er an;
Völker, seid ihm untertänig, er hat allen wohlgetan!
Den die Himmel hoch verehren, dem der Chor der Engel singt,
dessen Ruhm sollt ihr vermehren, da er euch den Frieden bringt!

Einführung:
Die Geburt Jesu als machtloses Kind ist Programm: Er ist der Fürst des Friedens, nicht der Gewalt. Und gleichzeitig hören wir, dass das Pendel auch zur anderen Seite ausschlagen kann wie bei König Herodes, der brutal versucht, seine Macht zu sichern. Nachdem wir die Kindheitskapitel hinter uns gelassen haben, lesen wir heute, wie der größte Prophet dieser Zeit, Johannes, und der noch weitgehend unbekannte Jesus aufeinandertreffen. Unter anderen Vorzeichen wäre das vielleicht ein Kräftemessen geworden: der aufstrebende Neuling Jesus gegen den alteingesessenen Champion der Kontemplation und Bußpredigt Johannes. Aber wo die Kraft des heiligen Geistes weht, wird Macht immer als Dienst wahrgenommen:

Evangelium nach Johannes, Kapitel 1, Verse 35 – 42:
Am Tag darauf stand Johannes wieder dort und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, sagte er zu ihnen: Was sucht ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister -, wo wohnst du? Er sagte zu ihnen: Kommt und seht! [..]

Liedruf GL 584, 9: Lob dir, Christus, König und Erlöser!

Deutung:
Johannes ist sich nicht zu schade, auf Jesus zu verweisen, auch wenn das seine Jüngerschar verringert. Er ist sich der Botschaft des Herrn sicher, dass Jesus der Messias ist, und so fällt es ihm nicht schwer, das auch seinen Jüngern zu sagen. Es ist nicht nur leeres Gerede, wenn er sich nicht für würdig hält, die Fußriemen Jesu zu lösen. Ihm geht es nicht um sich selbst, sondern um den Willen Gottes. So lässt er seine Jünger zu einem neuen Herrn weiterziehen. Wo die Kraft des heiligen Geistes weht, wird Macht immer als Dienst wahrgenommen!
Das hat eine Dimension, die auch direkt im weltlichen Leben spürbar wird: Beim Regierungswechsel in unserem Land wurde oft betont, wie wohltuend kooperativ die Amtsübergabe zwischen Kanzlerin und Kanzler, aber auch auf Ministerebene war. Der Unterschied zum letzten Machtwechsel in den USA wurde augenscheinlich.
Doch auch im kleinerem Rahmen gelten ähnliche Prinzipien: Wie viele Familien leiden daran, dass die Kinder andere Lebenskonzepte wählen und sich der althergebrachten Macht der Eltern entziehen? Wieviele Männer sehnen sich laut oder leise in die Zeiten zurück, in denen das Wort eines Mannes noch etwas galt und sich nicht im fairen Wettbewerb mit den Worten von Frauen bewähren musste? Und auch die katholische Kirche konserviert Machtstrukturen, ohne den Beweis der Legitimation erbringen zu können oder zu wollen.
„Herr, wo wohnst Du?“ fragen die Jünger. Sie sind auf der Suche nach einem Ort höherer und gerechterer Macht. Jesus nimmt sie mit sich, und er baut auf sie und diejenigen, die mit ihnen kommen. Suchen auch wir nach den Orten, an denen der Herr wohnt und die Kraft seines Geistes weht!

Segensbitte:
Herr, wir  Menschen werden leicht von Macht verführt und folgen ihr, um Ansehen und Einfluss zu gewinnen. Führe uns auf Deinen Weg des Dienens und der Liebe, damit die Kraft Deines Geistes uns stärkt und unsere Herzen nicht verhärten.
Dazu erbitten wir Deinen Segen im Namen des + Vaters und des + Sohnes und des + Heiligen Geistes.

Schlusslied: GL 448 2 + 4: Herr, gib uns Mut zum Hören
Herr, gib uns Mut zum Dienen, wo’s heute nötig ist.
Wir danken dir, dass du dann bei uns bist.

Herr, gib uns Mut zum Glauben an dich, den einen Herrn.
Wir danken dir, denn du bist uns nicht fern.

(Bild: Dorit Nitsche, Text: Christoph Nitsche)