Impuls am Sonntag, 26. Dezember

Weil Gott es so will

Einleitung: Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat!

Eröffnungslied GL 543, 1 + 4 + 5:
Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit,
nach seinem Worte handeln und leben allezeit;
die recht von Herzen suchen Gott und seiner Weisung folgen,
sind stets bei ihm in Gnad.

Lehr mich den Weg zum Leben, führ mich nach deinem Wort,
so will ich Zeugnis geben von dir, mein Heil und Hort.
Durch deinen Geist, Herr, stärke mich, dass ich dein Wort festhalte,
von Herzen fürchte dich.

Dein Wort, Herr, nicht vergehet, es bleibet ewiglich,
so weit der Himmel gehet, der stets beweget sich.
Dein Wahrheit bleibt zu aller Zeit gleichwie der Grund der Erde
durch deine Hand bereit′.

Einführung:
Dieser Impuls ist anders. Gesellschaftspolitischer ist er und wenig besinnlich. Aber schließlich gedenkt die Kirche heute des Diakons und Märtyrers Stephanus. In der Sonntagsmesse wird das aus kalendarischen Gründen vom Fest der Heiligen Familie überdeckt, aber hier sind wir frei, seiner etwas ausführlicher zu gedenken.

Lesung aus der Apostelgeschichte, Kapitel 6, Verse 8–10; und Kapitel 7,  Verse 54–60:
In jenen Tagen tat Stéphanus aber, voll Gnade und Kraft, Wunder und große Zeichen unter dem Volk. […] Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief:
Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten einmütig auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. […]

Auslegung:
Was ist das, ein Diakon? Stephanus hat damals Lebensmittel zu den Armen gebracht und mit Leidenschaft das Wort Gottes verkündet. Daraufhin wurde er gesteinigt. Gesteinigt wird man heute in Deutschland nicht mehr so leicht, trotzdem gibt es Menschen, die sich an Stellen engagieren, wo sie Gottes Willen auf das Schmerzlichste verletzt sehen. Schauen wir auf drei Beispiele:

Schwester Juliana Seelmann vom Kloster Oberzell:
Sie hat in diesem Jahr den Würzburger Friedenspreis bekommen und sie wurde von einem Gericht zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie geflüchteten Menschen in großer Not mit Kirchenasyl geholfen hat.

Jesuitenpater Jörg Alt:
Auch ihm sind – wie Stephanus – Lebensmittel wichtig. Er öffnet verschlossene Müllcontainer und verteilt gute Lebensmittel kostenlos weiter. Er ist nur von einer von vielen, die so handeln, aber er tut es auch, um diese Frage vor Gericht erörtern zu lassen und die Politik zu motivieren, bessere gesetzliche Lösungen zu finden. Die derzeitige Ausbeutung der Natur und der Hunger in der Welt vertragen sich einfach nicht mit der Verschwendung von Lebensmitteln, das wissen wir nicht erst seit der Enzyklika Laudato si von Papst Franziskus.

Sr. Philippa Rath OSB:
Macht die Weihe den Diakon? Können nur kirchlich Berufene diakonisch handeln? Ganz sicher nicht, und die starren Hürden, die die Kirche vor ihren Ämtern ohne eine Prüfung der Berufung errichtet hat, führen zu viel Leid und Verlust an diakonischem Engagement. Schwester Philippa Rath hat solche Erfahrungen in einem Buch zusammengetragen: „Weil Gott es so will“.

In meiner Ausbildung habe ich gelernt, dass die Professionalisierung der kirchlichen Hilfe (etwa in der Caritas) zwar fachlich zwingend notwendig war, aber auch die Gefahr besteht, dass die Hilfe dadurch aus dem Blickfeld der Gemeinden verschwindet. Dabei ist der diakonische Auftrag für Kirche und Gläubige genauso wichtig und elementar wie etwa der liturgische. Wir dürfen also dankbar sein für alle Vorbilder, die uns immer wieder vor Augen führen, wo wir in unseren Tagen tätige Nachfolge leisten können.

Schlusslied GL 548:
Für alle Heilgen in der Herrlichkeit, die dich bezeugten in der Erdenzeit,
sei dir, o Jesu, Lob in Ewigkeit. Halleluja, Halleluja!
Du warst ihr Fels, ihr Schutz und ihre Macht, warst ihnen Trost und Licht in dunkler Nacht,
und hast zur ewgen Freude sie gebracht. Halleluja, Halleluja!
So laß auch uns, die noch auf Erden gehn, fest wie die Heilgen unser Werk bestehn,
in deinem Kreuz den Kranz des Lebens sehn. Halleluja, Halleluja!
O Jesu mach uns alle ein in dir! Sie schon vollendet, angefochten wir;
doch alle dein, dich lobend dort und hier. Halleluja, Halleluja!
Dein Tag bricht an. Die Heilgen sind bereit, geben dem Volk der Zeugen
das Geleit, und singen der Dreieinigkeit. Halleluja, Halleluja!

(Diakon Christoph Nitsche)