Impuls zu Fronleichnam 2020

Fronleichnam – der blinde Fleck, etwas was die Kirche vermisst (hat)

In einem Standpunkt des Pastoralreferenten Peter Otten auf katholisch.de (Link) zu Fronleichnam, schreibt er zur Geschichte des Festes:

„Im Jahr 1209 blickte die Lüttcher Nonne Juliana träumend in den Himmel. Und sah den Mond. Der aber war an einer Stelle verdunkelt, weiß die Legende. Juliana deutete den dunklen Fleck als einen blinden Fleck, als etwas, das sie in der Kirche vermisste. Etwas, das die Kirche zu wenig im Blick hatte: die Bedeutung der Eucharistie.

Ihr Deuten auf den blinden Fleck hat zu einem Fest geführt, in dem die Eucharistie gefeiert wird. Es sollte zwar noch knapp vierzig Jahre dauern. Der Bischof von Lüttich feierte 1246 zum ersten Mal das Fest, das 1264 ein weltkirchliches wurde: Fronleichnam.

Das, was vermisst wird, zum Fest machen. Sich den blinden Fleck anschauen und ihn ins Zentrum stellen. Spüren, dass etwas fehlt. Sehnsucht nach etwas Neuem, das in ein Fest mündet. Eigentlich ein unglaublich kluger Scoop. Zutiefst jesuanisch – und aktuell noch dazu. Denn auch im Jahr 2020 gibt es viele, viele Menschen, die wie Juliana von Lüttich prophetisch in den Himmel der Kirche blicken und blinde Flecken entdecken.“

So sollten wir uns fragen:
Welche blinden Flecken sehen wir

  • in unserer Kirche?
  • in unserer Pfarrei?
  • in unserer Gemeinde?

Wie können wir das, was wir vermissen, zum Fest werden lassen?

Peter Otten endet in seinem Artikel:
„Doch welch wunderbare Kirche wäre das, in der all diejenigen, die in ihr etwas vermissen, nicht die Störenfriede, sondern die Heiligen sind? Nicht in 600 Jahren, sondern sofort? Santo subito? Man wird doch noch träumen dürfen.“

Ja ich träume von solch einer Kirche !

 

Zum Abschluss ein Gebet zum heutigen Tag von Dorothee Becker, einer Schweizer Theologin und Seelsorgerin (linden_blatt auf Twitter)

Du
Rabbuni
für das Leben
das jetzige
das ewige
so notwendig
wie das tägliche Brot

Du teilst Dich
mit uns
Du bist da
in Brot und Wein
für unser Leben
zu unserer Freude
stiftest Gemeinschaft
mit Dir
miteinander

Ein Geheimnis
nicht zu fassen
schwer zu glauben

Und doch:
Du bist da

 

(Textzusammenstellung: Alexander Narr; Bild: Pixabay)