JVA-Gottesdienst-Brief am 1. Fastensonntag

Kerze JVA

Gottesdienst-Brief am 1. Fastensonntag, 21. Februar 2021

Liebe Mitfeiernde unserer Gottesdienste!

Am vergangenen Mittwoch, am Aschermittwoch, hat die Fastenzeit begonnen. Fastenzeit nennen wir die 40 Tage der Vorbereitung auf Ostern, dem Fest der Auferstehung von Jesus Christus. In diesen 40 Tagen haben wir die Möglichkeit, uns neu auf die Botschaft Jesu Christi hin auszurichten und auf sein Wort zu hören, um unser Leben zu verändern, um umzukehren und zu den Menschen zu werden, die wir vor Jesus Christus sein sollen: Menschen mit einem weitem Herzen; uns selber, Gott und den Menschen zugewandt. Doch wie kann das gelingen?
Üblicherweise wird in der Fastenzeit, wie es der Name schon sagt, gefastet, verzichtet: auf Süßigkeiten, auf Computerspiele und andere Genüsse des Lebens, die uns Menschen zur lieben Gewohnheit geworden sind.
Für Sie im Gefängnis ist es alltäglich, dass Sie auf viele Dinge verzichten müssen, am allermeisten auf Ihre Freiheit, und das nicht freiwillig. Sie befinden sich praktisch immer in einer Art Fastenzeit. Wir hier draußen, im Lockdown, erleben auch gerade so eine Art Fastenzeit.
Deshalb lassen Sie uns Spuren finden, denen wir in diesem Jahr, in diesen besonderen Lebenslagen – in denen wir ohnehin auf vieles verzichten müssen – folgen können.
Wie wäre es mit der Idee einer meiner Freundinnen: sich nicht vorzunehmen, noch mehr zu entbehren, sondern die momentane Situation mit allen Einschränkungen und Verzichten anzunehmen, „Ja“ zu sagen zu den Lebensumständen, in denen ich mich befinde, und daraus das Bestmögliche zu machen oder dies zumindest zu versuchen. (Sie könnten sich z.B. früh beim Aufwachen sagen: „Guter Gott, du bist da und ich bin da. Lass uns gemeinsam durch den Tag gehen.“)
Eine weitere Spur finden wir im Wort Gottes, aufgeschrieben in der Bibel. Auch Jesus muss sich besinnen, um seinen Weg zu den Menschen gehen zu können. Bevor er ihnen die frohe Botschaft Gottes bringen kann, durchlebt er 40 herausfordernde Tage in der Wüste:

Evangelium Markus 1, 12–15
In jener Zeit trieb der Geist Jesus in die Wüste.
Jesus blieb vierzig Tage in der Wüste und wurde vom Satan in Versuchung geführt.
Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm.
Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa;
er verkündete das Evangelium Gottes und sprach:
Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.
Kehrt um und glaubt an das Evangelium!

Lassen wir uns im Gebet auf Gott ein, nehmen wir uns Zeit, mit ihm zu sprechen und in der Stille auf ihn zu hören.

Wir sind auch heute wieder mit Ihnen beim gemeinsamen Feiern des Gottesdienstes verbunden. Der Gottesdienst-Brief ist unsere Brücke und wird auf der Internetseite unserer Pfarrei „St. Martin“ zu lesen sein. Beten wir miteinander und füreinander.
Beginnen wir im Namen dessen, der uns herausruft aus unseren Gewohnheiten, der uns still werden lässt, um unser Leben zu bedenken, und der sich uns immer wieder liebevoll zuwendet: im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Herr, erbarme dich
wende dich mir zu, o mein Gott
schau mich an
streck deine Arme nach mir aus,
reich mir deine Hand
damit ich mich
dir zuwende

dich anschauen
meine Arme ausstrecken
dir die Hand reichen kann
erbarme dich, Gott
sei bei mir
wenn ich einsam bin
verlass mich nicht
wenn ich das Leben verfehlt habe
schau mich an
wenn du mich anschaust
kann ich mich anschauen
(Andrea Schwarz)

Fürbitten:
Lebendiger Gott, sei allen nahe, die in den Mühen des Alltags keine Ruhe zur Besinnung finden.
Lebendiger Gott, nimm alle an die Hand, die einen Ausweg aus ihren Nöten suchen.
Lebendiger Gott, stehe denen bei, die mutlos oder kraftlos geworden sind.
Wir bitten Dich, erhöre uns!

Guter Gott, wir bitten dich, komm und segne uns:
Sei uns Licht im Dunkel.

Sei der leise Ton in all dem Lärm.
Sei die Stimme, die uns erinnert.
Sei die Hand, die uns sanft berührt.
Sei der Geist, der uns atmen lässt.

Sei unser Gott.
Ich bin bereit, deinen Weg zu gehen, dem Leben entgegen, besonders jetzt auch in der Fastenzeit.
So segne uns und alle, die wir in unseren Herzen tragen, der gute Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Die Kerze auf dem Foto hat Margrit aus unserer Pfarrei St. Martin für unsere Gottesdienste in der JVA gestaltet.  Einige von Ihnen erinnern sich sicherlich an die (zwischenzeitlich heruntergebrannte) Kerze, an der Sie Ihr Teelicht für Ihre Fürbitte angezündet haben. Sobald wir wieder zu Ihnen in die JVA Gottesdienste feiern kommen dürfen, bringen wir sie mit. Sie ist ein Zeichen für die Brücke, die wir von draußen zu Ihnen nach drin schlagen.

Gruß: Auch wenn wir uns nicht sehen, sind unsere Gedanken immer wieder bei Ihnen. Wir freuen uns schon jetzt darauf, wenn wir wieder ins Gefängnis kommen und gemeinsam Gottesdienst feiern können. Bis dahin wünschen wir von Herzen eine gesegnete Zeit. Bleiben Sie behütet und gesund!

Viele Grüße von P. Sorek, U. Wicklein und C. Nitsche

(Upload: Christoph Nitsche)