JVA-Gottesdienst-Brief am Bistumsjubiläum

Jünger im Sturm

(Foto: Falco/Pfarrbriefservice)

(Derzeit dürfen keine Ehrenamtlichen zum Gottesdienst in die JVA, es dürfen auch nur in sehr kleinen Gruppen überhaupt Gottesdienste gefeiert werden. Daher bekommen die Gefangenen für jeden Sonntag einen Gottesdienst-Brief von den hauptamtlichen oder ehrenamtlichen Seelsorgenden.)

Gottesdienst-Brief am 20. Juni 2021

Liebe Mitfeiernde unserer Gottesdienste!
Unser Bistum Dresden-Meißen, auf dessen Gebiet die JVA Dresden sich befindet, feiert heute seinen 100. Geburtstag nach seiner Wiedererrichtung.
Heute, am Sonntag um 10.00 Uhr, ist in allen Gemeinden unseres Bistums Gottesdienst. Aus der Kathedrale wird der Wortgottesdienst in alle Gemeinden übertragen. In ihm enthalten sind auch IHRE Fürbitten, die sie in den vergangenen Monaten, vor und in der Coronazeit, im Gottesdienst hier in der JVA schrieben. Den Verantwortlichen ist es wichtig, dass Sie mit Ihren Fürbitten zu Wort kommen.
Wenn Sie über einen Fernseher verfügen, können Sie im MDR diesen Gottesdienst mitfeiern.
So ist wieder eine Brücke errichtet zu Ihnen ins Gefängnis hin und durch Ihre Fürbitte zu uns aus dem Gefängnis heraus.
Feiern wir, verbunden durch Gottes guten Geist, füreinander und miteinander den Gottesdienst und beginnen: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Kyrie-Gebet:
Wir kommen zu dir, wenn wir uns selbst in Schwierigkeiten gebracht haben, und beten:
Du bist unser Retter in der Not, vertrauend wenden wir uns dir zu: Herr, erbarme dich.
Du bist unser Beschützer in aller Gefahr, hoffend wenden wir uns dir zu: Christus, erbarme dich.
Du bist unser Heiland in allem Schmerz, zuversichtlich wenden wir uns dir zu: Herr, erbarme dich

Dankbar loben und preisen wir dich für deine unermüdliche Zuwendung. Gieße deine Liebe jeden Tag neu über uns aus, damit wir uns mutig für ein Leben mit dir entscheiden. Amen

Singen, summen oder beten Sie das Lied,
welches wir immer mal wieder im Gottesdienst sangen:

Wie ein Lachen, wie ein Vogelflug steigt ein Lied zum Himmel auf.
Und staune, mir wird leicht; Gottes Flügel tragen weit.

Evangelium nach Markus Kapitel 4, 35–41:
An jenem Tag, als es Abend geworden war, sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren.
Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; und andere Boote begleiteten ihn.
Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief.
Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?
Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still!
Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein.
Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?
Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?

Auslegung:
Ein spektakuläres Bild wird uns heute im Evangelium gemalt: Der See Genezareth ist zwar viel kleiner als der Balaton oder der Gardasee, aber es entsteht ein beträchtlicher Sturm. Und den Jüngern, unter denen ja einige erfahrene Fischer sind, wird angst und bange: Sie fürchten um ihr Leben und rufen Jesus um Hilfe. Und wirklich, Jesus bringt den Sturm zur Ruhe, doch zugleich hat er Fragen an seine Jünger: „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?“.

Offenbar ist er der Meinung, dass die Situation zwar bedrohlich aussah, aber doch von den Jüngern zu bewältigen gewesen wäre. Ob er dabei ein gemeinsames Gebet oder das ganz praktische Herausschaufeln des Wassers im Sinn hatte, lässt Jesus offen. Aber es ist klar: Für Angst bestand aus seiner Sicht kein Anlass, die Probleme waren lösbar.

Das ist eine Sicht, die sich vielleicht auf unser Leben übertragen lässt: Manchmal erscheinen mir die äußeren Umstände als so bedrohlich, dass ich mich damit komplett überfordert fühle. Aber wenn ich versuche, Kraft aus dem Glauben zu schöpfen und mit anderen zusammen­zuarbeiten, vielleicht legt sich auch ein schlimmer Sturm wieder?

Möglicherweise kann auch unser Bistum, das schon einmal 600 Jahre bestand, dann in den Stürmen der Reformation unterging und heute vor 100 Jahren erneut gegründet wurde, aus dieser Sichtweise lernen? Nicht immer entstammen die Gefahren, von denen wir uns heute bedroht sehen, nur einer bösen Umwelt. Vieles davon kann durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der Menschen guten Willens beruhigt und überwunden werden.
Den Mut zu dieser Zusammenarbeit im Glauben wünsche ich uns allen!

Predigtlied:
Erhör, o Gott, mein Flehen, hab auf mein Beten acht.
Du sahst von fern mich stehen, ich rief aus dunkler Nacht.
Auf eines Felsens Höhe erheb mich gnädiglich.
Auf dich ich hoffend sehe: Du lenkst und leitest mich.

Du bist gleich einem Turme, den nie der Feind bezwang.
Ich weiche keinem Sturme, bei dir ist mir nicht bang.
In deinem Zelt bewahren willst du mich immerdar.
Mich hütet vor Gefahren Dein schirmend Flügelpaar.

Fürbitten:
Für alle, die von den Stürmen der Welt durchgeschüttelt werden: Schenke ihnen Halt und Ruhe.
Für alle, die versuchen, ihren Ängsten zu widerstehen: Schenke ihnen Ausdauer und Kraft.
Für alle, die an Deiner Liebe zweifeln: Schenke ihnen Glauben und Vertrauen.
Wir bitten Dich, erhöre uns!

Gebet und Segen:
Gott segne uns mit der Geduld, die warten und tragen kann.
Segne uns mit der Ausdauer, die nicht müde wird und fest bleibt.
Segne uns mit der Festigkeit, die uns am Zurückweichen hindert.
Segne uns mit der Hoffnung, die uns auf Dich ausrichtet.
Amen.

Ein Gruß zum Abschluss:
Herzlich grüßen wir, denn auch wenn wir uns nicht sehen, sind unsere Gedanken immer wieder bei Ihnen. Bis zum hoffentlich baldigen Wiedersehen wünschen wir Ihnen von Herzen eine gesegnete Zeit.  Bleiben Sie behütet und gesund!

Viele Grüße von P. Sorek, U. Wicklein und C. Nitsche