Liturgie 1. Jan. 2021 Hochfest der Gottesmutter Maria

Gruß an Maria

(Ravenna, Basilika von S. Apollinare Nuovo, Jungfrau Maria, thront mit Kind)

maria
mutter des wortes
du hast das wort
das am anfang war
das ursprüngliche wort
bewahrt
aufgehoben
über die zeit gerettet
durch alle inflationen des wortes
hindurchgerettet
du maria
mutter des wortes
du hast uns gelehrt
das wort lebendig zu erhalten
lebendig weiterzusagen
du hast uns gelehrt
das wort mit unserem herzblut zu nähren

(Wilhelm Willms)

Wir feiern am ersten Tag des neuen Jahres das Hochfest der Gottesmutter Maria. Wir feiern Maria, die Frau, die Gottes Sohn in die Welt geboren hat. Wir feiern die Frau, die sich getraut hat, vorbehaltlos “JA“ zu sagen zu Gottes Plan! Damit beginnt etwas Neues! Die  Kirche stellt das neue Jahr 2021 unter ihren Schutz.

Wir beginnen im Namen dessen, der Mensch geworden ist durch Maria, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Heute, acht Tage nach Weihnachten, hören wir im Evangelium, dass der menschgewordene Gott seinen Namen bekommt. Er wird so genannt, wie es der Engel Maria angetragen hat: „JESUS“. „JESUS“ heißt übersetzt „RETTER“. Wie schön und befreiend! Sein Name ist Programm. Sein Name ist uns Hoffnung und Licht. Sein Name bedeutet, dass wir Gerettete sind, dass uns immer wieder Heil zugesprochen wird, dass Gott mit uns ist. Jede Situation in meinem Leben, jede gute und jede schlechte, wird von der Gegenwart des liebenden Gottes getragen. Und so kann ich den Namen des menschgewordenen Gottes: JESUS, in mein Herz schreiben, dass ich ihn nicht vergesse.*

In deinem Namen eingeborgen
gehen wir ins neue Jahr
nach Haus.
Und immerfort
in allem, was wir sind und tun und sorgen,
bei Tag und Nacht,
am Abend und am Morgen,
singt sich dein Name nun
als Dank und Lobgesang
in uns
an deinen Vater aus.
(Silja Walter)

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 2,16-21)

In jener Zeit eilten die Hirten nach Betlehem und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.
Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war.
Und alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde. Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.
Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war.
Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, bevor das Kind im Mutterleib empfangen war.

In diesem Weihnachtstext gibt uns der Evangelist Lukas drei wichtige Hinweise fürs neue Jahr mit: 

  1. Sich etwas sagen lassen
    Die Hirten kommen zur Krippe und erzählen Maria und Josef, was sie über das Kind gehört haben. Es ist das, was die Engel ihnen über das Kind berichtet hatten: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Diese große Freude soll dem ganzen Volk zuteilwerden.“ Und Maria und Josef hören ihnen, den Hirten, zu. Die Hirten waren zu dieser Zeit sehr geringgeschätzt und wenig angesehen. Hirten waren nicht gebildet. Sie lebten einfach, draußen. Sie besaßen nichts weiter. Sie hüteten die Schafe. Und ihnen schenken Maria und Josef Gehör. Nehmen wir uns das zum Vorbild, uns von den Menschen, denen wir im Alltag begegnen, etwas sagen zu lassen, sie sich uns mitteilen zu lassen, Hoffnungen und Sorgen mit ihnen zu teilen, gemeinsam dem Leben auf der Spur zu sein. Sind wir dazu bereit, so bleiben wir auch für Gott durch unsere Mitmenschen erreichbar. (Und umgekehrt auch.)
  2.  Staunen können
    Die Worte der Hirten brachten die Zuhörenden zum Staunen.
    Staunen ist eine tolle Fähigkeit, die unser Leben reich macht.
    Dem Staunen geht voraus, dass wir unsere Umwelt und uns selber wahrnehmen, dass wir aufmerksam sind, dass wir vielen kleinen und großen Dingen, Lebewesen, Lebensabläufen…, unscheinbaren und hell erleuchteten Begebenheiten des Lebens Beachtung und Bedeutung geben und sie wertschätzen.
    Wenn wir staunen können, lauern auf uns Überraschungen, Entdeckungen, an denen wir uns erfreuen und die wir bewundern.
    Gerade jetzt, wenn wir im neuen Jahr weiter mit den Entbehrungen durch die Coronapandemie leben müssen, können wir neu lernen zu staunen über das alles, was wir haben, was dennoch möglich ist. Vielleicht staunen wir auch über die Kreativität, die wir entwickeln in dieser Zeit.
    In dieser Weihnachtszeit staune ich über das Wunder der Menschwerdung Jesu mitten in dieser Welt.
  3. Im Herzen bewahren
    Wie einen kostbaren Schatz, so stelle ich mir das vor, trug Maria die gesprochenen Worte bei sich. Vermutlich hat sie sich viele Gedanken darüber gemacht, hat überlegt, welche und welch große Bedeutung sie haben. Möglicherweise hat sie sie wieder und wieder betrachtet, vielleicht erörtert und hinterfragt, durchdacht und sie ganz sicher mit dem Herzen wahr- und aufgenommen.
    Diese marianische Grundhaltung kann uns ein Vorbild sein, Gott in unserem Herzen wohnen zu lassen und über diesen Gott nachzudenken. Über dieser Gott, der uns ein DU sein möchte. Wir können IHN zur „Herzensangelegenheit“ machen, wie es Franz von Sales sagt, können mit IHM in Beziehung treten und uns auf IHN einlassen, uns von IHM leiten und uns von ihm lieben lassen. Indem wir über SEINE Worte nachdenken, sie in uns bewegen, können sie zum Handeln in SEINEM, Gottes, Sinn anregen. Gottes Wort kann uns beeinflussen und prägen, dass wir als seine Boten unterwegs sind, gesendet, wie es unser Auftrag als Christ*innen ist.

 

Fürbitten fürs neue Jahr:
Schiffsladung.
Für die Trostlosen ein Herz
Für die Heimatlosen ein Federbett
Für die Sprachlosen ein Lied
Für die Lustlosen einen Apfelbaum
Für die Schlaflosen einen Traum
Für die Freudlosen ein Trampolin
Für die Herzlosen ein Eisbärkind
Für alle einen Engel mit Feueratem und Samthandschuhen.
(Susanne Niemeyer)

Neujahrssegen:

Gesegnet sei dein zurückliegendes Jahr
mit all dem, was du darin gelebt,
geliebt und durchlitten hast.

Gesegnet sei dein neues Jahr,
gesegnet, die Wege, die du beschreitest,
die Menschen, denen du begegnest,
die Arbeit, die du tust,
die freie Zeit, an der du dich erfreust.

Gesegnet seien deine Angst und dein Mut,
deine Hoffnung und deine Enttäuschung,
deine Sehnsucht und Erfüllung.
Gesegnet seien die Menschen,
die dir Geborgenheit schenken.

Gesegnet seien dein Alltag und deine Höhenflüge,
deine Einsamkeiten und deine Freundschaften,
gesegnet jeder Moment, in dem du liebend
über dich hinauswächst und lebst.

Gesegnet seien alle deine Tage und jede Stunde.
Gesegnet sei jeder Atemzug, der dich belebt.
Gesegnet seien alle deine guten Taten,
auch die du im Stillen tust.

Gesegnet seiest du mit allem, was dich ausmacht.
Gesegnet seiest du durch die Gegenwart Gottes,
der dich liebend hält und trägt.
Gesegnet seien alle Menschen,
die auch dir den Segen spenden.
Und die, für die Du Segen bist.

Der HERR segne dich und behüte dich.
Der HERR lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.
Der HERR wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden.

So segne dich der menschgewordene Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Und meine Seele singt

1. Du siehst uns an wie keiner
du siehst uns, wie wir sind,
du fängst mit uns ganz neu an:
Wir leben auf.

Refr.: Und meine Seele singt dir, Gott, meinem Retter,
singt dir, Gott, was auch geschieht.
Und meine Seele singt dir, Gott, dem Leben, ein Lied.

2. Gott, du erbarmst dich aller,
wo keiner Erbarmen kennt.
Du schenkst uns neues Leben:
Wir atmen auf.

Refr.: Und meine Seele singt dir, Gott, meinem Retter…

3. Du machst der Macht ein Ende,
Hochmut kommt vor dem Fall.
Du stärkst die Kleingemachten:
Sie stehen auf.

Refr.: Und meine Seele singt dir, Gott, meinem Retter…

(Text: Thomas Laubach im Liederwald Nr. 146)

 

*Unterstützen kann mich dabei das meditative Beten des Jesusgebetes (oder auch Herzensgebet) aus der mönchischen Tradition der Ostkirche: „Jesus Christus, erbarme dich meiner“. Im meditativen Wiederholen des Anrufens des Namens Jesus im Rhythmus meines Atems, im Spüren meines Herzschlages- als Mitte meines Körpers, als Mitte meiner Seele- dringen die wenigen Worte, dringt der Name JESUS in mein Bewusstsein und schließlich in mein Unterbewusstsein. Ich gebe IHM, JESUS, Raum in mir, in meinem Leben, in meinem Tun, Fühlen und Denken.
Es kommt dem entgegen, was Paulus in seinem 1. Brief an die Gemeinde in Thessalonich schreibt: „Betet ohne Unterlass!“ (Thess 5,17) Denn „ein wichtiges Ziel ist es, das Jesusgebet nicht nur zu festen Gebetszeiten zu üben, sondern es beständig zu pflegen, als Begleitung zu allen Aktivitäten. Der theologische Hintergrund des Jesusgebetes lässt sich so umschreiben: Wir können jederzeit eine personale Beziehung zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, pflegen; Jesus gilt als eine freundschaftlich vertraute Person, die uns beständig begleitet, im Sinne Seiner Aussage „Ich bin allezeit bei euch, bis ans Ende der Welt“.“
(http://www.psychologische-praxis.rielaender.de/Literatur/Jesusgebet.pdf)
→ Vielleicht ist das Einüben des Jesusgebetes, des Herzensgebetes, eine gute Begleitung fürs neuen Jahr…

(Text: Patricia Sorek, Foto: Helena Sorek)