Tagesliturgie – Dienstag, 22.12.2020

Groß sein lässt meine Seele den Herrn, denn er ist mein Retter.
Groß sein lässt meine Seele den Herrn, denn er ist mein Heil.
(Text: Martin Schraufstetter im Liederwald 534)

Herr, öffne meine Lippen, damit ich wie und mit Maria dein Lob verkünde.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Es liegt in mir
mein Herz zu dir,
mein Gott, ich muss dich preisen.
Du hast auf deine Magd gesehn
nach deinem heil’gen Willen.

Es singt in mir
mein Herz zu dir,
mein Gott, ich muss dich preisen.
Die Stolzen fegst du weg vom Thron.
Den Armen schenkst du Lieb und Lohn,
die ihren Hunger stillen.

Es singt in mir
mein Herz zu dir,
mein Gott, ich muss dich preisen.
Dein Segen über Abraham
auf mich, das arme Mädchen, kam.
Nun wird er sich erfüllen.
(Silja Walter)

Im heutigen Tagesevangelium (Lk 1,46-56) hören wir die Fortsetzung vom gestrigen Text. Maria besucht Elisabeth. Elisabeth erkennt in Maria die Trägerin ihres Herrn und bekennt dies in ihrem Lobpreis.
Daraufhin spricht Maria das Magnifikat, ihren Lobpreis:

„Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.“

Jeden Tag beten Frauen und Männer in der Vesper diesen Lobpreis Mariens. Den Lobpreis einer jungen Frau, die Gott sich ausgesucht hat, damit sie seinen Sohn in unsere Welt gebiert. Gott hat ihr große Bedeutung gegeben.

Vielfach wurde der Lobpreis vertont.
Lassen wir das Magnifikat noch einmal gesungen auf uns wirken und in uns hineinsinken.

https://www.youtube.com/watch?v=zrXVSLqZfVc

Maria hat sicher eine ganze Weile gebraucht, um zu realisieren, wen sie in sich trägt, wer in ihr wächst. Es ist so großartig, so „abgefahren“, dass es unglaublich scheint. Maria hat sich Zeit gelassen, die Botschaft des Engels „sacken“ zu lassen, indem sie sich auf dem Weg zu Elisabeth machte. Bewegung ist gut zum Nachdenken, um Klarheit zu bekommen, um mit der neuen Situation klar zu kommen, auch um zu Erkenntnis zu erlangen, eine Idee zu bekommen, wie alles weiter gehen kann, um Vertrauen zu fassen und wachsen zu lassen. Bewegung ist auch gut, um sich zu besinnen, um zu meditieren, alles im Herzen zu „verkosten“.
Als Elisabeth Maria begrüßt und Gott für ihre Begegnung mit Maria und dem Herrn lobt, da sprudeln die Freude, der Dank und das Gott-Vertrauen förmlich aus Maria heraus und werden zu einem unübertroffenen Jubellied. Maria wird es ihr Leben lang in ihrem Herzen tragen und daraus leben. Noch weiß sie nicht, was sie alles erwarten wird, was sie Ungewöhnliches und auch Schweres durchleben muss. Dennoch setzt sie von Anfang an ganz auf Gott, vertraut sich ihm an, spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem der Engel ihr sagt: „Fürchte dich nicht Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.“ Maria besingt die Größe Gottes – ihres Retters –, seinen Einsatz für Arme und Unbeachtete. Sie besingt, dass Gott barmherzig und treu ist und die aufrichtet, die ihm vertrauen. Einen Gott, der seine Macht nicht missbraucht, sondern Leben schenkt und möglich macht für alle, egal ob sie ihm aufrichtig folgen wollen oder nicht. Sie besingt seine Güte, die ER Abraham und allen seinen Nachkommen für immer versprochen hat. Dankbarkeit, Ehrfurcht, Freude über den, dessen Sohn sie mit sich und in sich trägt, bringt sie in ihrem Lied zum Ausdruck.

Seither haben viele Menschen Marias Magnifikat als Anregung genommen, ihr eigenes Loblied auf Gott zu verfassen.

Mein Sein lobsinge dir.
Unermüdlich schenkst du Leben und Liebe, atmest in mir–
warum nur tust du das, mein Gott?
Für mich?! Obwohl ich immer wieder in die Falle tappe.
Es ist so tröstlich und unsagbar großartig,
dass ich mich auf dich so sehr verlassen kann.
Du bist der Gott meines Herzens–
mein Herzensgott bist du,
wohnst in mir und in meinem Leben,
und nur so kann ich lebendig sein und bleiben.
Dich zu loben und zu preisen, dich anzubeten,
ist mein Herzenswunsch, der mir aus der Seele springt.
Besonders wenn ich dich erfahre in meinen Dunkelheiten –
dann bist du da, dann bist du mein Retter und Heilbringer.
Meine Seele, mein ganzes Sein will dich hochleben lassen
und dir Freudenlieder singen.
Dankbar will ich dich feiern!

Es lohnt sich, das Magnifikat bzw. ein Loblied meiner Seele auf Gott im Herzen zu haben!

 

Fürbitten:
Marias Seele war überwältigt von dem, was mit ihr geschieht.
Sie besingt und preist Gott für seine Größe. Bitten wir ihn, unseren Gott, dass sein heilvolles Wirken auch in diesen Tagen vor Weihnachten in unserer Welt sichtbar wird:

Für alle, die an Armut leiden, keinen Schlafplatz haben oder bettelnd auf der Straße sitzen.
Heilkraft Gottes wirke!
Für alle, die gefangen sind, und für alle, die in ihrer Gefangenschaft vergessen werden.
Heilkraft Gottes wirke!
Für alle, die verlassen sind. Für alle, die einsam sind. Für alle, die allein sind.
Heilkraft Gottes wirke!
Für alle, die krank sind. Für alle, die an Schmerzen und Angst leiden.
Heilkraft Gottes wirke!
Für alle, die sich enttäuscht von dir, Gott, abgewendet haben.
Heilkraft Gottes wirke!
Für alle, die trauern. Für alle, die Weihnachten ohne ihre geliebten Menschen feiern müssen.
Heilkraft Gottes wirke!
Für alle, die in der Kranken- und Altenpflege im Einsatz sind.
Heilkraft Gottes wirke!
Treuer Gott, umarme sie alle mit deiner Liebe, schenke ihnen Hoffnung in aussichtsloser Lage, verwandle ihre Angst in Vertrauen und lass sie die Wirkung deiner Heilkraft spüren.
Darum bitten wir dich, den drei-einen Gott, mit dem Heiligen Geist und Jesus Christus unseren Retter. Amen.

Segen:

Ich, dein Gott, rufe dich zu mir.
Ich will dich segnen.
Öffne dein Herz und deine Hände.
Damit ich dich berühren kann.
Ich, dein Gott, will dir nahe sein:

deinen Gedanken, deinem Wesen, deinem Innersten –

in Höhen und Tiefen deines Lebens.
Vertraue dich mir an.
Jetzt am Morgen, am Tage, in der Nacht.

Ich bin bei dir. Ich helfe dir.
Als Gesegnete gehst du durch diese Welt:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
(Frauenliturgie 9/2020 St. Martin Dresden)

(Text und Foto: Patrica Sorek)