Liturgie am Dienstag – 26. Mai

Klavier - auf einen Stein gemalt

Heiterer Sinn stärkt das Herz und macht beharrlich im guten Wandel;
deshalb sollte der Diener Gottes immer wohlgemut sein. (Philipp Neri)

 

Eröffnung: GL 326 1 + 6:

Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit,
denn unser Heil hat Gott bereit.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja.
G
elobt sei Christus, Marien Sohn.
Des freu sich alle Christenheit und lobe die Dreifaltigkeit
von nun an bis in Ewigkeit.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja.
G
elobt sei Christus, Marien Sohn.

Als wir vorgestern Abend online in der Pfarrei die Pfingstnovene beteten, stand besonders die 3. Strophe der Pfingstsequenz im Blick:

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not,

Ich habe mich sehr über diese warmherzigen Formulierungen und tröstlichen Zeilen gefreut. Oft lese ich im Gebet eher die Anforderungen der Nachfolge Jesu, ich höre den Ruf „Kehr um!“, ich scheitere an der Unbegreiflichkeit Gottes. Gewiss, der Gesang im Kirchenchor erfreut Herz und Sinn, aber auch da gibt es die Müdigkeit bei der abendlichen Probe oder die Terminschwierigkeiten bei Aufführungen.
Das Leben ist oft recht ernst, wer wollte das bestreiten?
Und diese Ernsthaftigkeit meines Glaubenslebens überdeckt manchmal die Freude darüber, dass ich gerettet und erlöst bin, und das geht vielleicht auch anderen Christen so. Friedrich Nietzsche hat das einmal zu folgender Fundamentalkritik veranlasst: „Die Christen müssten mir erlöster aussehen. Bessere Lieder müssten sie mir singen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.“

Dabei gibt es so schöne Sinnsprüche und Lieder, die das wiedergeben:

Mensch, lerne tanzen,
sonst wissen die Engel nichts mit dir anzufangen.
Augustinus Aurelius

GL 462: Tanzen, ja tanzen

Tanzen, ja tanzen wollen wir und springen, tanzen vor dem Herrn.
Tanzen, ja tanzen wollen wir und springen, denn uns, seine Kinder, hat er gern.
[…] Gott ließ die ganze Welt sich drehn, ihm Lob und Dank zu zeigen.
Und auch im Himmel, sollt ihr sehn, da tanzen die Engel Reigen.
(Text: Lothar Zenetti)

Als das Lied vor einiger Zeit in unserer Gemeinde gesungen wurde, gab es hinterher Stimmen, dass es doch ein ärgerliches Missverhältnis wäre, so ein Lied anzustimmen und eben nicht dabei zu tanzen. Ich persönlich denke ja, dass es bei Kirchenliedern oft eine gewisse Diskrepanz zwischen der menschlichen Lebenswirklichkeit und der ebenso menschlichen Hoffnung im Glauben auf ein gelingendes Leben gibt, aber ich kann den Einwand doch nachvollziehen.

Umso mehr, als mir genau diese Diskrepanz schon einmal fast körperliche Schmerzen bereitet hat:

Die benachbarte Herrnhuter Brüdergemeine hatte zu einem internationalen Treffen eingeladen und dabei zuerst unsere Versammlungsräume in St. Josef genutzt und dann gemeinsam mit uns am Sonnabend Abend Gottesdienst gefeiert. Aus Dankbarkeit hatten die Teilnehmer des Treffens uns am Schluss noch ein Ständchen gesungen, das so lebensbejahend und frohmachend war, dass sein Schwung uns alle erfasste. Und ich meine bei den Sängern den Impuls verspürt zu haben, diesem Schwung noch während des Liedes in einem getanzten Umzug durch unsere Josefskirche Raum zu geben. Sie haben aber wohl sekundenschnell diesen Gedanken wieder verworfen, um sich bei den Gastgebern nicht „daneben zu benehmen“. Und das fand ich sehr schade, denn die Pieschener Gottesdienstbesucher hätten daran sicher auch ihre Freude gehabt. Aber scheinbar strahlen wir für Außenstehende eben nicht wirklich Lebenslust aus, so wie wir zum Gottesdienst zusammenkommen und feiern. Und so haben uns Vorsicht und (unnötige) Rücksichtnahme ein echtes Stückchen Lebensfreude verwehrt.

Wie sehr brauchen wir also noch den Heiligen Geist, der uns Herz und Sinn erfreut und uns außerdem ermutigt, dieser Freude nachzugehen?!

Solche Überlegungen passen sicher zu jedem Tag des Kirchenjahres, aber besonders gut passen sie zu einem Heiligen des heutigen Tages: Philipp Neri.

Sei fröhlich. Es ist sehr notwendig, heiteren Sinnes zu sein. (Philipp Neri)

 Und so lautet seine Tageslesung aus Philipper 4, 4-9

4 Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!
5 Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe.
6 Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!
7 Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren.
8 Im Übrigen, Brüder und Schwestern: Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht!
9 Und was ihr gelernt und angenommen, gehört und an mir gesehen habt, das tut! Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.

Tun wir doch in unserem Leben mehr aus echter Freude heraus! Darauf liegt ganz sicher Gottes Segen. Und tun wir die Dinge, die uns schwerfallen, wenigstens mit etwas mehr Freude.
Dann klappt es vielleicht auch eines Tages mit dem Tanzen:

Schlusslied: GL 323: Du hast mein Klagen (nach Psalm 30)

Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt,
hast mich geheilt und mit Freude umgürtet.
Dir singt mein Herz und will nicht verstummen.
Dir will ich singen in Ewigkeit.

(Text: Christoph Nitsche, Foto: Dorit Nitsche)