Liturgie am Dienstag – 28. April

Wo ich auch stehe
(Liederwald Nr. 407)
Wo ich auch stehe, du warst schon da.
Wenn ich auch fliehe, du bist mir nah.
Was ich auch denke, du weißt es schon.
Was ich auch fühle, du wirst verstehn.

Und ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst
und dass du mich bei Namen nennst und mir vergibst.
Herr, du richtest mich wieder auf und du hebst mich zu dir hinauf.
Ja, ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.

Du kennst mein Herz, die Sehnsucht in mir.
Als wahrer Gott und Mensch warst du hier.
In allem uns gleich und doch ohne Schuld.
Du bist barmherzig, voller Geduld.

Und ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst
und dass du mich bei Namen nennst und mir vergibst.
Herr, du richtest mich wieder auf und du hebst mich zu dir hinauf.
Ja, ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.

(T. u. M. Albert Frey nach Ps 139, 1-12)

Lesung aus der Apostelgeschichte 7, 51 – 8, 1a
(
https://www.erzabtei-beuron.de/schott/schott_anz/index.html?datum=2020-04-28)

…Als sie das hörten, waren sie aufs äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen. Stephanus aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß. So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er..

Gedanken zur Tageslesung
Der Text ist uns sehr bekannt. Jedes Jahr hören wir von der Steinigung des Stephanus am 2. Weihnachtsfeiertag.
Was mich an diesem Text beeindruckt ist, dass Stephanus in seinem Sterben Jesus nicht nur um die Aufnahme seines Geistes bittet, mehr noch: er bittet um Vergebung für seine Mörder.
Stephanus klagt die Ungerechtigkeit, die ihm widerfährt, nicht an. Er fleht nicht zu Gott, dass dieser ihn retten möge. Er fügt sich in sein Schicksal. Stephanus sagt, dass er den Himmel offen sieht und dass er Jesus neben Gott stehen sieht. Dieser Glaube, dieses große, unerschütterliche Vertrauen trägt ihn in dieser doch unerträglichen Situation seines Sterbens.
Stephanus hat Verbindung zum Himmel aufgenommen, ihm ist dadurch die Kraft gegeben zu vergeben. Stephanus befreit sich von seinen Mördern, indem er ihnen vergibt. Das lässt ihn seinen Blick auf das richten, was wirklich bedeutend ist: Stephanus ist von Gott uneingeschränkt geliebt und angenommen.
Wenn ich davon ausgehe, dass es so ist, kann es mir helfen, nicht nur mit meinen eigenen Vergehen barmherzig umzugehen, sondern auch z.B. in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit in der Gefängnisseelsorge mit den Gefangenen. Ich bin mir sicher, dass die Gefangenen Gottes geliebte Kinder sind, dass sie ihre Würde nicht durch ein Verbrechen verlieren und am Eingang des Gefängnisses abgeben, egal in welcher Weise sie sich schuldig gemacht haben. Gott steht immer mit offenen Armen bereit, um uns alle liebend zu umarmen. Er misst nicht mit Menschenmaß. „Er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Mt 5,45)
Auch in dunklen, schwierigen Zeiten dürfen wir uns immer wieder vor Augen halten und gewiss sein, dass sich Gott in keiner Situation unseres Lebens von uns abwendet. Es lohnt sich, auch in der unerträglichsten Situation die Verbindung zu Gott, zum Himmel, aufzunehmen. Gott wartet darauf, von uns gefunden zu werden. Er ist schon da, seine Liebe umfängt uns.

Ich glaube daran
Ich glaube an Gott.
Er ist größer und mächtiger als alles auf der Welt.
Er hat die Welt erschaffen, aber er ist auch unser Vater, der uns lieb hat.
Zu ihm können wir immer Vertrauen haben.
Ich glaube an Jesus Christus.
Er ist unser Bruder geworden.
Er hat alles mit den Menschen geteilt: Hunger, Müdigkeit, Enttäuschung.
Schließlich hat man ihn wie einen Verbrecher hingerichtet.
Aber Christus besiegte den Tod. Er lebt. Er stirbt nie mehr.
Er hat mit uns die Mühsal des irdischen Lebens geteilt.
Er will, dass wir mit ihm die Freude des neuen, ewigen Lebens teilen
und mit ihm beim Vater sind. Er will, dass wir ganz glücklich werden.
Ich glaube an den Heiligen Geist.
Er ist das Geschenk des Vaters und des Sohnes an uns.
Er ist der Geist Gottes, den die Apostel am Pfingstfest empfangen haben
und der sie mit Mut, Stärke und Begeisterung erfüllt hat.

Ja, ich glaube an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist!
(Verfasser unbekannt)

Gebet
Menschenliebender Gott, du bist ein schützender Fels für alle, die auf dich vertrauen.
Stärke in uns die Gewissheit, dass du uns bedingungslos liebst.
Erfülle unsere Sehnsucht nach dir mit deiner spürbaren Gegenwart, dass unser Glaube an Kraft gewinnt und wir füreinander zum Zeichen für deine Anwesenheit in dieser Welt werden. Amen.

Segen
Gott segne dich und stärke dein Herz, dass es die Freude genießen und das Leid tragen kann.
Gott segne dich und mache dich dankbar, dass du jeden Tag deines Lebens als Geschenk aus Gottes Hand empfängst.


Gott segne dich und lasse dich spüren: Er geht mit dir auf den Wegen des Lebens.

So segne dich und alle, die dir am Herzen liegen der liebende Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

(Text und Fotos: Patricia Sorek)