Liturgie am Donnerstag – 14. Mai

Herr vor dein Angesicht will ich treten und dein Haus betreten. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Bedenke Mensch, dein Leib ist die Wohnung des Heiligen Geistes. (nach 1.Kor. 6,19)

Lied am Anfang: Die Seligpreisungen – https://www.youtube.com/watch?v=4Mp3U3wAIyY

Aus dem Tagesevangelium nach Joh 15, 9-11
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch in euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!
Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.

Worte des Lebens. Lob sei Dir Christrus.

 

Kennen Sie vielleicht die Franziskus Weisheitssprüche? Es sind uns 28 von diesen Sprüchen überliefert worden, und finden sich in den Ermahnungen/Quellen über den Heiligen aus Assisi.
In dieser Tagesliturgie lade ich Sie ein, nur eine von den Weisheiten zu betrachen, nämlich die Nr. 27. Sie stehet in der Vorhalle beim rausgehen aus der „spirituellen Kathedrale“, so wie Franziskus sie kannte, und wohl in seinem Inneren Leib bestrebt war zu leben…

(Das Bild etwas unscharf: Siehe Skizze – Zwischen den Pfeilen steht: Weg, Leben und Wahrheit. Untere Säule Nr. 27 blauer Punkt: Gestärkt: Gaben des Geistes bewahren – Tugende besiegen Laster )

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die „Admonitiones“ – Ermahnungen Nr. 27.  sie lautet:
[Von der Tugend, die das Laster verjagt]

Wo Liebe(caritas) ist und Weisheit(sapientia),
da ist nicht Furcht noch Unwissenheit.
Wo Geduld(patientia) ist und Demut(humilitas),
da ist nicht Zorn noch Verwirrung.
Wo Armut(paupertas) ist mit Fröhlichkeit(laetitia),
da ist nicht Habsucht noch Geiz.
Wo Ruhe(quies) ist und Betrachtung(meditatio),
da ist nicht Aufregung noch Umherirren.

Wo die Furcht des Herrn das Haus bewacht,
da kann der Feind nirgends eindringen. (Vers später eingefügt)

Wo Erbarmen(misericordia) ist und Besonnenheit(discretio),
da ist nicht Überfluss noch Verhärtung.

 

Sie sehen 10 Tugenden(in rot)=Geistesgaben. Diese Zahl 10 steht für das Vollkommene für die Ganzheit, wie z.B. 10 Finger an den beiden Händen oder 10 Gebote Gottes. Es ist kein Zufall, warum in dieser franziskanischen Ermahnung/Weisheitspruch die Zahl 10 steht.
Den 10 Tugenden gegenüber stehen die Laster(in blau) auch wieder 10 –
Bereits an der einen Ermahnung/Weisheitsspruch Nr. 27. des Heiligen, wird das gesamte geistliche Haus spürbar(siehe wieder die Skizze) Die Laster stehen für den alten Menschen/Adam und die Tugenden für den neuen Menschen/Christus. Dabei sind diese Tugenden/Kräfte in dieser Ermahnung alle samt weiblich! Für Franziskus hat Gott/Christus nämlich weibliche und männliche Schöpferkräfte. Die „Säule“ 27 steht kurz vor dem Ausgang. Warum?
Im Alltarraum mit Baldachin geschieht die Stärkung in Wort und Brot=Christusgegenwart(siehe Skizze = Altarraum/Punkte in rot). Von da geht der neue Mensch den Weg wieder in den Alltag, daher ist die Säule 27. in der Vorhalle angesiedelt auch als Erinnerung, kurz bevor der Mensch/Gläubiger das Haus wieder verlässt und in den konkret gelebten Alltag zurückkehrt.

Vielleicht habe ich Sie heute ein weinig angeregt, diese franziskanischen Weisheitssprüche ausführlicher zu betrachten?

 

Stille und Gebet:

Danke dir Herr, dass du mir einen Leib geschenkt hast in dem der Atem und Geist von dir wohnt. Rüste mich mit den Gaben deines Heiligen Geistes aus, dass ich im Leben Dich zu Welt bringe und deine Gaben sorgfältig verwalte. Sende deinen Geist, er möge mein Inneres stets erneuern und immer Inniger zu Dir führen. Denn Du bist der WEG-VIA/LEBEN-VITA /et VERITAS-WAHRHEIT. Darum bitte ich dich im Heiligen Geist, der mit dir und dem Vater verherrlicht wird in Zeit und Ewigkeit. Amen

 

Zurück zum Evangelium von Heute: Jesus spricht zu seinen Jüngern: „Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird“. Joh 15, 11
In der franziskanischen Spiritualität, wird uns in den sog. Fiorettis eine Geschichte erzählt, die von der „wahren und vollkommenen Freude“ schreibt. Diese Geschichte zum Schluss dieser heutigen Tagesliturgie füge ich gerne bei. Diese Geschichte entspringt der bereits gelebten Tugenden von Franziskus:

Die Vollkommene Freude nach Franziskus
Aus den Fioretti, einer bekannten Lebensbeschreibung über Franz von Assisi

Derselbe [Br. Leonardus] berichtete ebendort, daß der selige Franziskus eines Tages bei Santa Maria Bruder Leo rief und sagte: “Bruder Leo, schreibe!”
Er antwortete: “Sieh, ich bin bereit!”“Schreibe”, sagte er, “was die wahre Freude ist.
Es kommt ein Bote und sagt, daß alle Magister von Paris zum Orden gekommen sind. Schreibe: das ist nicht die wahre Freude.
Ebenso, alle Prälaten jenseits der Alpen, die Erzbischöfe und Bischöfe; ebenso der König von Frankreich und der König von England.
Schreibe: Das ist nicht die wahre Freude. Ebenso, daß meine Brüder zu den Ungläubigen gegangen sind und sie alle zum Glauben bekehrt haben; ebenso, daß ich von Gott solch große Gnade erhalten habe, daß ich Kranke heile und viele Wunder wirke. Ich sage dir, daß in all dem nicht die wahre Freude ist.
Was aber ist die wahre Freude?
Ich kehre von Perugia zurück, und in tiefer Nacht komme ich hierher, und es ist Winterszeit, schmutzig und so kalt, daß die kalten Wassertropfen am Saum des Habits gefrieren und immer an die Schienbeine schlagen, und das Blut aus diesen Wunden fließt.
Und völlig in Schmutz und Kälte und Eis komme ich zur Pforte, und nachdem ich lange geklopft und gerufen habe, kommt der Bruder und fragt: ‘Wer ist da?’
Ich antworte: ‘Bruder Franziskus.’ Und er sagt: ‘Geh fort!
Es ist nicht die schickliche Zeit auszugehen. Du kommst nicht herein.’ Und auf weiteres Drängen antwortet er: ‘Geh weg! Du bist der nämliche einfältige und ungebildete Mensch. Du kommst auf keinen Fall zu uns. Wir sind so viele und von solcher Art, daß wir dich nicht brauchen.’
Und ich stehe wiederum an der Pforte und sage: ‘Um der Liebe Gottes willen, nehmt mich auf in dieser Nacht.’
Und jener antwortet: ‘Das werde ich nicht tun.
Geh zur Niederlassung der Kreuzträger und bitte dort.’
Ich sage dir: Wenn ich Geduld habe und nicht erregt werde, daß darin die wahre Freude ist und die wahre Tugend und das Heil der Seele.

Oration des Tages:
Heiliger Gott, deine Gnade macht die Sünder gerecht und führt sie aus dem Elend ins Glück. Erhalte das Werk deines Erbarmes, damit alle, die durch den Glauben gerechtfertigt sind, im Guten ausharren bis ans Ende. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Der Herr segne uns. Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen

Franz-Josef Herzog

Skizze selbst gemacht, jedoch entnommen einer Skizzenvorlage von den neusten Forschungsarbeiten von Br. Niklaus Kuster OFMcap (Schweiz) über die franziskanischen Weisheitssprüche.
Titelbild vom Kreuz privat