Liturgie am Donnerstag 16. April

Zu Beginn unserer heutigen Liturgie lade ich Sie ein, das Lied „Bleibe bei uns“ (GL 325) zu singen oder zu beten:

Bleibe bei uns, du Wandrer durch die Zeit!
Schon sinkt die Welt in Nacht und Dunkelheit.
Geh nicht vorüber, kehre bei uns ein.
Sei unser Gast und teile Brot und Wein.

Weit war der Weg, wir flohen weg vom Kreuz.
Doch du, Verlorner, führtest uns bereits.
Brennt nicht in uns ein Feuer, wenn du sprichst?
Zeige dich, wenn du nun das Brot uns brichst.

Weihe uns ganz in dein Geheimnis ein.
Lass uns dich sehn im letzten Abendschein.
Herr, deine Herrlichkeit erkennen wir.
Lebend und sterbend bleiben wir in dir.

Am Ostermontag hörten wir im Evangelium, wie zwei Jünger auf ihrem Weg nach Emmaus Jesus getroffen haben, ohne ihn zunächst zu erkennen. Erst im Nachhinein sind sie sich sicher: „Brannte uns nicht das Herz, als ER unterwegs mit uns redete?“ (Lk 24,13-35) – Das heutige Evangelium (Lk 24,35-48) schließt direkt daran an:

Die beiden Jünger, die von Emmaus zurückgekehrt waren, erzählten den Elf und die mit ihnen versammelt waren, was sie unterwegs erlebt und wie sie Jesus erkannt hatten, als er das Brot brach.

„Wovon das Herz überfließt, davon redet der Mund“, heißt es (Mt 12,34). Und geht es mir nicht ähnlich? Wenn ich etwas erlebt habe, das mich zutiefst bewegt oder glücklich macht, dann muss ich es den Menschen, die mir nahestehen, einfach erzählen, ihnen Anteil an meiner Freude geben.

Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

Und beim Erzählen geschieht es dann, dass das Erlebte wieder gegenwärtig wird, neue Gegenwart. Als die Emmaus-Jünger den anderen von ihrer Begegnung mit Jesus berichten, ist ER wieder mit dabei. Wann habe ich zuletzt anderen Menschen von einer Begegnung mit Gott, mit Jesus erzählt?

Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen.
Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen?

Wie oft schon habe ich Gottes Gegenwart erfahren dürfen?! Und warum kommen dennoch immer wieder Zweifel in meinem Herzen auf? Es tröstet mich ein wenig, dass es den Jüngern damals nicht viel anders ging. Und dennoch bohrt die Frage Jesu in mir: „Warum lässt Du in Deinem Herzen Zweifel aufkommen?“

Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst.
Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.
Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße.

Jesus nimmt die Bestürzung und die Zweifel seiner Freunde ernst. Aber er zeigt ihnen, dass er „Hand und Fuß“ hat, konkret und real anwesend ist. An den Wundmalen seiner Hände und Füße können sie ihn erkennen. Ja, das Leben ist keineswegs spurlos an Jesus vorübergegangen – all diese Spuren gehören zu ihm und machen ihn auch nach seiner Auferstehung identifizierbar. Auch all meine Wunden und Narben gehören unverwechselbar zu mir – ich muss sie nicht mit realem oder spirituellem Make-up überdecken.

Als sie es aber vor Freude immer noch nicht glauben konnten und sich verwunderten, sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier?
Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen.

Wie ernst Jesus doch seine Jünger, ihre Verwirrung, Zweifel und Fragen nimmt! Ich darf vertrauen, dass ER auch meine Fragen, Sorgen und Zweifel ernstnimmt…

Dann sagte er zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesprochen habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht.
Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften.
Er sagte zu ihnen: So steht es geschrieben:
Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen,
und in seinem Namen wird man allen Völkern Umkehr verkünden, damit ihre Sünden vergeben werden.
Angefangen in Jerusalem, seid ihr Zeugen dafür.

Mir geht es oft ähnlich wie den Jüngern: Ich bin vergesslich, und wenn’s drauf ankommt, ist mein Vertrauen oft klein. Aber: Jesus öffnet denen, die mit IHM gegangen sind, „ihren Sinn für das Verständnis der Schriften“ – darauf dürfen auch wir vertrauen. Denn schließlich beruft ER uns zu Seinen Zeugen. Das ist eine große Aufgabe – aber ER rüstet uns ja dafür aus. Das dürfen wir glauben und darauf vertrauen. Nicht, um uns häuslich niederzulassen, sondern um immer wieder aufzubrechen und Seine Botschaft zu verkünden.

 

Still werden

Still werden will ich
vor Dir, mein Gott,
Dir alles lassen,
was mich unruhig macht:

den Mangel an Vertrauen,
die Gedanken, die mich verfolgen,
die Fesseln der Sorgen,
meine inneren Kämpfe und Widerstände.

Du bist der Friede
mitten im Sturm.
Aus Dir wächst mir zu,
was ich brauche.
Deine Nähe suche ich
und sonst nichts.

Dein Geist ströme ein
in meine Herzschale.
Deine Schöpferkraft
fülle mich aus
bis in den innersten Raum.
Dein Wille geschehe
an mir, in mir und durch mich.

(Antje Sabine Naegeli)

 

So segne uns und alle Menschen, die in unseren Herzen einen Platz haben, aber auch jene, die einsam sind und an die niemand denkt, der uns unendlich liebende, unbegreifliche, unendlich ferne und doch gegenwärtige Gott + der Vater + der Sohn + der Heilige Geist. Amen.

 

Text: Elisabeth Meuser
Fotos: Andreas Cerny, Elisabeth Meuser