Liturgie am Donnerstag – 21. Mai

Liturgischer Impuls zum Fest Christi Himmelfahrt – 21. Mai 2020

 

Wir feiern heute – 40 Tage nach Ostern und 10 Tage vor Pfingsten – das Hochfest Christi
Himmelfahrt: Nach seinem Wirken, seinem Leiden, Sterben und Auferstehen kehrt Jesus zum Vater zurück und verspricht, den Heiligen Geist zu senden.
Beginnen wir unsere Liturgie im Namen dieses dreifaltigen Gottes: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gebet:

Christus,
Du hast mich gefunden.
Du bringst mich nach Hause
zu meinem Gott.
Allen Zweifeln zum Trotz
will ich Dir vertrauen.
Du allein stillst
mein innerstes Sehnen.
Bewohnbar will ich Dir sein.
Befreie mich von allem,
was Dir den Raum nimmt.
Stärke, was mich tiefer
an Dich bindet.
Mein Gestern, mein Heute
und mein Morgen
lasse ich Dir,
meine Gedanken, meine Gefühle
und mein Wollen.
Du bist meine Heilung.
Du bist meine Freude.
Du bist mein Schutz.
Du bist meine Hoffnung.
Du bist die Tür
in ein Haus voller Licht.
In Ehrfurcht
neige ich mich vor Dir.

(Antje Sabine Naegeli)

 

Ich lade Sie ein, sich von den heutigen Lesungstexten (Apg 1,1-11; Eph 1,17-23) und dem Evangelium (Mt 28,16-20) ansprechen zu lassen.

Der Evangelist Lukas spricht nicht nur zu Beginn seines Evangeliums, sondern auch am Anfang seines zweiten „Buches“, der Apostelgeschichte, einen konkreten Menschen an: Theophilus (Apg 1,1). Für ihn hat Lukas das alles aufgeschrieben (vgl. Lk 1,3). Ins Deutsche übersetzt, bedeutet der Name „Theophilus“ Freund Gottes, Gottlieb oder – lateinisch – Amadeus. Als Freunde und Freundinnen Gottes sind aber dann auch wir gemeint: Ihnen und mir will Lukas die Botschaft von Jesus – von Seinem Leben und Leiden, von Seiner Auferstehung und Himmelfahrt sowie von der Sendung des Heiligen Geistes und dem Auftrag, die Frohe Botschaft zu bezeugen – verkünden und in der Apostelgeschichte erzählen, wie das Evangelium in die Welt hinausgetragen wurde und sich ausbreitete.

„Ihr werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft werden. … Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein… bis an die Grenzen der Erde.“ (Apg 1,5.8)

Dies sind – nach Lukas – die letzten Worte Jesu zu seinen Jüngerinnen und Jüngern. Aber er verlässt seine Freunde – uns – nicht, ohne den Heiligen Geist zu versprechen. Dieser wird ihnen die Kraft schenken, von ihrem Glauben an Jesus Zeugnis zu geben. „Ihr werdet meine Zeugen sein“, so die Zusage Jesu – es ist kein Imperativ („Ihr sollt“), sondern einfaches Futur. „Ihr werdet meine Zeugen sein“ – es scheint selbstverständlich zu sein. Wie könnten die Jüngerinnen und Jünger auch anders, als von ihrer Geschichte mit Jesus zu erzählen! Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund. – Doch erst einmal liegt noch ein Weg vor den Freunden Jesu…

„Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ (Apg 1,11)

Sicherlich sind hier nicht nur Männer gemeint, sondern alle Gläubigen!
In mancher Situation heutzutage bin ich versucht, eher umgekehrt zu sagen: ‚Schau doch einmal zum Himmel und nicht immer nur nach unten!‘ Vermutlich meint Lukas mit den Worten, die er den „zwei Männern in weißen Gewändern“ in den Mund legt, die Gefahr, die buchstäbliche Bodenhaftung zu verlieren. Wenn die Jüngerinnen und Jünger ständig zum Himmel empor schauen, sehen sie weder ihren Weg noch die Menschen, die ihnen begegnen und denen sie die Botschaft Jesu weitersagen können.

Aber noch etwas sagen diese beiden „Männer in weißen Gewändern“:
„Dieser Jesus … wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“ (Apg 1,11)

So unterschiedlich wie die Menschen ist ihre Weise, mit Abschied umzugehen: Manche machen sich am liebsten heimlich ‚aus dem Staub‘, andere möchten Abschiede möglichst schnell hinter sich bringen, wieder andere tun sich schwer loszulassen. Lukas lässt die Engel (diese „Männer in weißen Gewändern“) ausrichten, dass der Abschied von Jesus nicht für immer ist – ER wird wiederkommen, es wird ein Wiedersehen geben!

Noch weiter geht der Evangelist Matthäus, der im heutigen Abschnitt aus seinem Evangelium Jesus sagen lässt:
„Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20)
Welch ein Versprechen!! Es erinnert daran, wie Gott sich Mose am brennenden Dornbusch offenbarte: „Ich bin der Ich-bin-da!“ Und es erinnert an die Bedeutung des Namens „Jesus – Immanuel“: Gott mit uns (vgl. Mt 1,23). Jesus lässt uns nicht allein. In allen Lebenslagen – in Freude und Glück, in Trauer und Angst, in Herausforderungen und Nöten – dürfen wir auf Seine Gegenwart vertrauen. Dazu sendet ER uns Seinen Heiligen Geist:

„den Geist der Weisheit und Offenbarung…
Er erleuchte die Augen eures Herzens,
damit ihr versteht,
zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid,
welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt
und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist
durch das Wirken seiner Kraft und Stärke.“ (Eph 1,17-19)

Diese Formulierungen verschlagen mir den Atem! Mir versagen die Worte – daher lade ich Sie ein, die Verse aus dem Brief an die Gemeinde von Ephesus mehrmals langsam zu lesen und in sich einsinken zu lassen. Nehmen Sie sich ein wenig Zeit dazu…

 Lied: Atme in uns, Heiliger Geist (GL 346)

Atme in uns, Heiliger Geist,
brenne in uns, Heiliger Geist,
wirke in uns, Heiliger Geist,
Atem Gottes, komm!

Komm, du Geist, durchdringe uns,
komm, du Geist, kehr bei uns ein.
Komm, du Geist, belebe uns,
wir ersehnen dich.

Atme in uns …

Komm, du Geist der Heiligkeit,
komm, du Geist der Wahrheit.
Komm, du Geist der Liebe,
wir ersehnen dich.

Atme in uns …

Komm, du Geist, mach du uns eins,
komm, du Geist, erfülle uns.
Komm, du Geist, und schaff uns neu,
wir ersehnen dich.

Atme in uns …

(T.: Jean-Marc Morin; Ü.: Thomas Csanády, Roger Ibounigg; M.: Pierre und Viviane Mugnier)

 

„Christliche Koordinaten:
die Füße am Boden,
den Kopf in den Wolken,
das Herz bei den Menschen.“

(Bischof em. Franz Kamphaus)

Jesus ermutigt uns, Gott in Seinem Namen zu bitten. Alles, was uns bewegt, unsere Sorgen und Nöte, unsere Ängste und Fragen sowie alle Menschen, die unsere Fürbitte brauchen, bringen wir in einer Zeit der Stille vor Ihn. …

Beten wir mit den Worten Jesu:
Vater unser im Himmel …

Segen

Segne mich, Gott,
DU heilst meine Gebrechlichkeit.
Segne mich, Gott,
DU bist für mich stark, wenn ich schwach bin.
Segne mich, Gott,
DU führst mich aus der Enge hinaus in die Weite.
Segne mich, Gott,
DU bist bei mir, wenn ich ohn-mächtig bin.
Segne mich, Gott,
DU bist mein Halt in der Angst.
Segne mich, Gott,
DU bist meine Hoffnung.
Segne mich, Gott,
DU gehst alle meine Wege mit.
Segne mich, Gott,
DU Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen.

(Andrea Schirnjack)

 

Fotos + Text: Elisabeth Meuser