Liturgie am Donnerstag – 30. April

Himmel

Einstimmung: Gotteslob 437: Meine engen Grenzen

Meine ganze Ohnmacht,
was mich beugt und lähmt, bringe ich vor dich.
Wandle sie in Stärke; Herr erbarme dich.

„Wer ist hier eigentlich wofür zuständig?“ – eine Frage, die man sich in den unterschiedlichsten Situationen stellen kann. Ich stelle mir in den letzten Jahren diese Frage oft unter dem Aspekt, für welche Dinge in meinem Leben Gott zuständig ist und für welche ich. Wer wirkt oder bewirkt hier was? Das ist nicht leicht zu entscheiden, finde ich.

Die Schriftlesungen des heutigen Tages halten verschiedene Anhaltspunkte bereit, aber Klarheit? Schauen wir auf die Schrift:

Lesung aus der Apostelgeschichte, Kapitel 8, 26-40:

[…] Ein Engel des Herrn sagte zu Philippus: Steh auf und geh nach Süden
[…] Und der Geist sagte zu Philippus: Geh und folge diesem Wagen!

Hier gibt Gott durch einen Engel oder als Heiliger Geist ganz direkte Anweisung. Philippus muss ihnen „nur“ Folge leisten. Der mächtige Kämmerer, den er so trifft, war gekommen, um in Jerusalem anzubeten, aber es hat ihm nicht viel genützt, denn er versteht nicht, wovon der Prophet Jesaja berichtet. Sein Handeln war also bisher vergebens.
Doch er lädt Philippus auf dessen Nachfrage hin in seinen Wagen ein, er wagt Vertrauen und menschliche Beziehung – und er wird nicht enttäuscht: In kurzer Zeit erschließt Philippus ihm so viel vom Glauben, dass sich der Kämmerer taufen lässt und mitnichten erschrocken, sondern voll Freude weiterzieht, als Philippus durch den Geist entrückt wird, also verschwindet. Hat da Philippus zu dem Kämmerer gesprochen oder der Heilige Geist durch Phillipus? Kann man das trennen?

Und im Evangelium nach Johannes, Kapitel 6, 44 – 51 lesen wir:

[…] Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; (in der alten Einheitsübersetzung: ihn zu mir führt)
[…] Wer glaubt, hat das ewige Leben.

Zieht (oder führt) Gott alle Menschen gleichermaßen? Kann ich glauben, ohne dass Gott mich zieht?
Wofür bin ich verantwortlich und wofür ist Gott verantwortlich?

Singen oder meditieren wir dazu das Lied GL 272: Zeige uns, Herr, deine Allmacht und Güte

Hilf unserm Glauben, wenn mutlos wir werden;
Lichtblick und Freude erblühen aus dir.
[…]
Hör unser Bitten; die Angst in uns wende;
Feuer des Heiligen Geistes uns sende.

Schauen Sie dazu auch noch einmal auf das Titelbild des Tages: Erkennen Sie schon die Feuer des Heiligen Geistes? So sehr wir uns also mühen, anderen gegenüber unseren Glauben zu bezeugen und ebenso ihr Zeugnis zu hören, so sehr bleiben wir auch auf das Wirken des Heiligen Geistes angewiesen.

Vertiefen wir uns also zum Abschluss in seine Litanei (GL 344)

Komm herab, o Heil’ger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.
(Schauen wir dazu noch einmal auf das Titelbild.)

Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.
(Ich sehe eine doppelte Bedeutung: Der Geist tröstet die Armen, die wir vergessen. Aber wenn er in uns wirkt, können wir selbst dieser Trost sein.)

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not,
in der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.

Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.
(Krankheit und Dürre – zwei Geißeln unserer Zeit. Wie weit tragen wir selber Mitschuld an ihrer Verbreitung und Verstärkung?)

Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.

Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit. Amen.

Zum Glück eilen wir auf das Fest der Ankunft des Heiligen Geistes zu. Wir hoffen, dass wir Tag für Tag etwas mehr Vertrauen haben und Vorahnung auf der Freuden Ewigkeit.
Darum bitten wir im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Christoph Nitsche