Liturgie am Donnerstag, 7. Mai

Beginnen wir unseren Gottesdienst im Namen des dreifaltigen Gottes, der unser Leben in Seinen Händen hält, der uns herausfordert und liebt, der uns unendlich fern und zugleich unendlich nah ist: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Für ein paar Minuten
alles liegen und stehen lassen
und zur Ruhe kommen –
nichts anderes als nur da sein.

Im Hier und Jetzt
die Stille suchen und einkehren bei sich,

nach innen lauschen –
nichts anderes als gegenwärtig sein.

In dieser Stunde
zur Besinnung kommen
und das Herz erheben –
nichts anderes als nur empfänglich sein.

Zeit haben
für den immer anwesenden Gott,
für das Verweilen bei ihm,
für das Bleiben in ihm –
nichts anderes als sein,
wo und wie ich bin.

(Paul Weismantel)

 

Gebet:

So bin ich also jetzt einfach da vor Dir, Gott. Öffne Du meine Sinne, dass ich Dich wahrnehme: mit meinen Ohren, mit meinen Augen, mit meinem ganzen Sein – dass ich Dich wahrnehme in Deinem Wort, in meinen Gedanken, in den Menschen, die mir begegnen, in der Schöpfung… und offen bin für Deine Wunder. Lass mich erkennen, wie Du mich begleitest durch alle Tage und Nächte. Ich danke Dir für Deine Gegenwart in allem. Amen.

 

Lesung (Apg 13,13-25):

Dieser Abschnitt erzählt, wie Paulus mit seinen Begleitern nach Antiochia in Pisidien kam und sie dort am Sabbat in die Synagoge gingen. In Vers 15 heißt es: „Nach der Lesung aus dem Gesetz und den Propheten schickten die Synagogenvorsteher zu ihnen und ließen ihnen sagen: Brüder, wenn ihr ein Wort des Trostes für das Volk habt, so redet.“

Paulus erinnert daraufhin die Anwesenden (Ihr Israeliten und ihr Gottesfürchtigen, hört!“ – Vers 16) an ihre Erwählung als Volk Gottes und wie dieser sie durch ihre ganze Geschichte hindurch begleitet, ja geführt hat. Und dann hat „Gott dem Volk Israel, der Verheißung gemäß, Jesus als Retter geschickt“ (Vers 23).

Das ist das „Wort des Trostes“: Gott hat „Jesus als Retter geschickt“! Kann dieser Satz nicht auch mir und uns Trost sein?
Was heißt für mich, dass Jesus mich gerettet hat, ja vielleicht immer neu rettet – aus meinen Ängsten und Zweifeln, Nöten und Unsicherheiten?
Diese Rettung geschieht oft nicht so, wie ich sie mir vorstelle: dass die „Gefahr“ auf einmal weg ist und alles schön und eitel Sonnenschein. Nein, so ist das Leben nicht, und so ist Gott nicht! Aber warum sollte Rettung nur das und nur so sein, was und wie ich es mir vorstelle? Die größeren Zusammenhänge überblicke ich sowieso nicht… – das muss und kann ich getrost dem HERRN überlassen. Erfahrungsgemäß nimmt ER mir die Last meistens nicht ab, doch gibt er mir immer neu die Kraft, sie zu tragen.

Wenn mir das bewusst wird, kann ich mit ganzem Herzen in die Verse des Antwortpsalms (Ps 89, 2-3.20a.4-5.27.29) einstimmen:

Von den Taten deiner Huld, Herr, will ich ewig singen, *
bis zum fernsten Geschlecht laut deine Treue verkünden.

Denn ich bekenne: Deine Huld besteht für immer und ewig; *
deine Treue steht fest im Himmel.

Einst hast du in einer Vision zu deinen Frommen gesprochen: /
„Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten *
und David, meinem Knecht, geschworen:

Deinem Haus gebe ich auf ewig Bestand *
und von Geschlecht zu Geschlecht richte ich deinen Thron auf.

Er wird zu mir rufen: Mein Vater bist du, *
mein Gott, der Fels meines Heiles.

Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, *
mein Bund mit ihm bleibt allzeit bestehen.“

Hier und Jetzt

Kann sein, dass es wirklich wahr wird,
das Geheimnis der Liebe, tief in dir,
unvermutet und überraschend,
hier und jetzt.

Kann sein, dass du es wahrnimmst
und weißt, dass du gemeint bist
im Geheimnis der Menschwerdung unseres Gottes,
hier und jetzt.

Kann sein, dass es dich ergreift
oder auch erschüttert,
wie viel unbegreiflich Schönes und Schreckliches geschieht,
hier und jetzt.

Kann sein, dass es dich berührt, hier und jetzt,
das Wort der Wahrheit,
das eine neue Welt in dir erschafft und heilende Kräfte,
hier und jetzt.

Kann sein, dass es dich anstrengt
und du müde wirst von der Mühe des Wartens,
doch die Zusage Gottes gilt, jeden Tag neu,
hier und jetzt.

(Paul Weismantel)

 

Pilgersegen von der Insel Iona / Schottland:

Der Gott,
der Morgen- und Abendstern geschaffen hat,

zeige uns seinen Weg.
Der Gott der stürmischen See
und des Brotes, das nährt,
lehre uns seine Wahrheit.

Der Gott,
der leisen Stimme
und des Windes, der weht, wo er will,
fülle uns mit Leben.

Der Gott
der Elemente
und aller äußeren und inneren Reisen,
lenke unsere Schritte
auf den Weg,
den wir heute gehen.

 

Und so segne uns und alle Menschen, die zu uns gehören, der liebende, unbegreifliche und gegenwärtige Gott – der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Text: Elisabeth Meuser
Fotos: Peter Weidemann (pfarrbriefservice.de – Rettungsring), Elisabeth Meuser