Liturgie am Dreifaltigkeitssonntag

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Jedes Kreuzzeichen ist ein kleines Taufgedächtnis.
Wir sind getauft auf den Namen des dreifaltigen Gottes.
Dieser Gott ist unter uns gegenwärtig – heute und in Ewigkeit.
Amen.

 

BITTE UM ERKENNTNIS GOTTES

Getreuer, heiliger Gott
und Vater,
verleihe mir Vernunft,
dich zu erkennen;
Gefühl, dich zu empfinden;
Geist, dich zu verstehen.
Gib mir Eifer,
dich zu suchen;
Weisheit, dich zu finden;
Begierde, dich zu lieben.
Schenke mir ein Herz,
das über dich nachsinnt,
und Taten, die dich großmachen.
Gib mir Augen, dich zu sehen;
Ohren, dich zu hören;
eine Zunge, dich zu verkündigen.
Gewähre mir Geduld,
auf dich zu warten,
deine heilige Gegenwart,
ein seliges Ende
und das ewige Leben.

Aus: Breite deinen Frieden in mir aus. Gebete der Religionen. Zusammengestellt und kommentiert von Walter Kühnelt. Verlag St. Gabriel, Mödling Wien 1989.

Evangelium Johannes 3,16-18

Gott hat seinen Sohn gesandt, damit die Welt durch ihn gerettet wird

16 Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht,
sondern ewiges Leben hat.
17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat.

 

BESINNUNG …

DAS WIR IN PERSON

Wohin gehören wir? Der Mensch ist eingespannt zwischen Geburt und Tod. Mit einem Fuß besetzt er seine irdische Heimat, mit dem anderen tastet er nach der ewigen Heimat. Das Gefühl der Heimatlosigkeit kommt gelegentlich hoch. Wir haben eine tiefe Sehnsucht danach, zu wissen, wohin wir eigentlich gehören. 

Eine kleine Geschichte kann es auf den Punkt bringen: Ein Junge, drei Jahre alt, kämpft sich tapfer an der Hand seines Vaters durch einen heftigen Gewitterregen. Patschnass kommen beide zu Hause an. Als Vater und Sohn – geduscht und getrocknet – mit dem Rest der Familie zum Abendbrot zusammensitzen, sagt der Junge in die Tischgemeinschaft völlig unvermittelt, aber voller Überzeugung: „Gell, ich gehör doch zu uns!“ Offenbar hatte er im Gewitter unausgesprochene Angst, die sich jetzt löst. Er weiß, wohin er gehört. 

Die Kirche verkündet Gott in einer dreifaltigen Gemeinschaft, aber irgendwie scheint es uns in der Praxis, der Heilige Geist gehöre gar nicht so recht dazu. Die vergessene göttliche Person wurde von Theologen der Geist Gottes genannt. Aus einem dreifachen, beziehungsreichen Leben wurde für die meisten Christen eine traute Zweisamkeit zwischen Vater und Sohn. Aber ohne den Geist Gottes spielt sich das Leben nicht ab. Er ist die lebendige Beziehung.

Drei wichtige Sätze

Stellen wir mit drei kurzen Sätzen klar, was der Glaube an die Dreifaltigkeit uns sagen will. Sie stammen in der Grundfassung von Hans Küng und verhelfen uns zu einem besseren Verständnis dessen, was wir Dreifaltigkeit nennen: 

An Gott, den Vater, glauben heißt: an den einen Gott, Schöpfer, Bewahrer und Vollender von Welt und Mensch zu glauben. Diesen Glauben an den einen Gott haben Judentum, Christentum und Islam gemeinsam.

An den Heiligen Geist glauben heißt: an Gottes wirksame Macht und Kraft in Mensch und Welt glauben. Auch dieser Glaube an Gottes Geist kann Juden, Christen und Muslimen gemeinsam sein.

An den Sohn Gottes glauben heißt: an des einen Gottes Offenbarung im Menschen Jesus von Nazaret glauben, der so Gottes Wort, Bild und Sohn ist.

Der dritte Satz ist sozusagen christliches Sondergut; deswegen steht er in der Mitte unserer Verkündigung. Von Jesus Christus müssen wir reden, wenn wir Christen sein wollen. Nun aber zurück zum Heiligen Geist.

Der Geist Gottes ist das Wir in Person. Er erweitert den engen Lebenskreis, er sprengt Mauern, er führt in die Weite, heißt es im Psalm 18; er macht uns zur Familie Gottes. Erleichtert dürfen wir feststellen: Wir gehören dazu. Nicht nur wir, jeder Mensch gehört dazu, der sich nicht selber ausschließt. Der lebendige Gott grenzt nicht aus, er umfasst.

Dieses „lebendige Leben“ muss in unseren Gottesdiensten erfahrbar sein. Ohne Kommandos im Vordergrund, ohne Regeln oder Bestimmungen, die das Leben töten. Es geht darum miteinander geschwisterlich zu feiern in dem Bewusstsein des „Wir“; nach der Art des Kindes: „Gell, ich gehör doch zu uns!“ Dann breitet sich Geist Gottes sichtbar, spürbar aus. Dann sprechen wir eine Sprache, die alle verstehen. Dann können wir uns offen dem anderen zuwenden und werden angenommen. Wir verlangen nach Segen, Schutz, Glück und Heil und werden genau das für die Menschen, die unter der gleichen Sehnsucht zu uns in die Gemeinde gekommen sind. Dreifach gesegnet, werden wir zum Segen.

Roland Breitenbach

 

KONSEQUENZEN

Es gibt
den Erste-Hilfe-Gott,
den Versicherungs-Gott,
den Weihrauch-Gott,
den Bestrafer-Gott,
den Ach-das-ist-nicht-so-schlimm-Gott,
den Mitmenschlichkeits-Gott,
den Höchstes-Wesen-Gott,
den Ordnungs-Gott,
den Belohner-Gott.
Warum lasse ich dich,
Gott,
eigentlich nicht so zu,
wie du wirklich bist?
Es hätte wohl Konsequenzen!

Für mich!

Aus: Bruno Griemens, Online to he@ven. Jugendgebete. Verlag Butzon & Bercker / Haus Altenberg, Kevelaer 2012 (2009).

 

SEGEN

Herr, unser Gott,
gib uns dienen Segen.
Sende uns die Kraft des Heiligen Geistes,
damit unser geistliches Leben blühe und wachse und die Glut deiner Liebe uns zu rechten Tun stärke.
Darum bitten wir, vereint im Heiligen Geist, durch Christus, unsern Herrn.

A Amen.

 

Thaddäus Posielek

Bilder
Bernhard Bauer | Pfarrbriefservice.de
Batik-Gemälde „Heilige Dreifaltigkeit“ des tamilischen Künstlers und katholischen Priesters Fr A. J. Thamburaj S.J.