Liturgie am Freitag, 15. Mai

Liturgischer Impuls am Freitag, 15. Mai 2020 – 5. Osterwoche

Beginnen wir unsere Liturgie im Namen des Gottes, der Liebe ist: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Ich suche Dich
Meine Worte
wissen Dich nicht
zu sagen.
Meine Gedanken
können Dich nicht
fassen.
Und doch sucht Dich
mein Sehnen ohne Ende.
Lass es still werden
in mir
bis auf den Grund
meiner Seele,
dass ich Dir begegne.

(Antje Sabine Naegeli)

Beten oder singen wir mit dem Psalm 57 (die Verse 8-11 sieht die Liturgie des heutigen Tages als Zwischengesang vor – vgl. auch GL 649,5-6):

Mein Herz ist bereit, o Gott, /
mein Herz ist bereit,*
ich will dir singen und spielen.

Wach auf, meine Seele! /
Wacht auf, Harfe und Saitenspiel!*
Ich will das Morgenrot wecken.

Ich will dich vor den Völkern preisen, Herr,
dir vor den Nationen lobsingen.

Denn deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,*
deine Treue, so weit die Wolken ziehen.

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (15,12-17):

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
12 Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe.
13 Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.
14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.
15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut.
Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.

O Gott, das ist alles viel, viel zu groß für mich – so bin ich versucht zu denken. Ja, es ist ein hoher Anspruch: Liebe, Freundschaft… sind schon unter Menschen nicht einfach, schon gar nicht selbstverständlich. Und was meint Jesus bzw. was will uns der Evangelist Johannes sagen, wenn er Jesus diese Worte in den Mund legt?

Freundschaft im zwischenmenschlichen Bereich – das bedeutet: wir können uns aufeinander verlassen, „ticken“ ähnlich, „die Chemie stimmt“, wir sind einander wichtig, nehmen Anteil am Leben des Freundes und der Freundin. Aber Freundschaft mit Jesus – mit Gott?? Wie soll das gehen?

„Ihr Freunde Gottes allzugleich“ – dieses Lied (GL 542) kommt mir spontan in den Sinn. Gesungen wird es vornehmlich an Heiligenfesten. Doch dem heutigen Evangelium nach zu urteilen sind wir alle – die heutigen Jüngerinnen und Jünger Jesu – Freunde Jesu und damit Freunde Gottes. Was für eine Zusage! Seinen Freunden (und Freundinnen!) hat Jesus „alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe“ (Joh 15,15). Das bedeutet, dass Jesus uns ganz in die Tiefe seiner Beziehung zu Gott eingeführt hat und immer neu und weiter einführt – er macht kein exklusives Geheimnis daraus. Im Gegenteil: es ist ihm gerade wichtig, diese Nähe zu Gott, Seinem und unserem Vater, mit uns zu teilen – „damit auch ihr dort seid, wo ich bin“ (Joh 14,3), so haben wir es am vergangenen Sonntag im Evangelium gehört oder gelesen.

Freund/Freundin Jesu und so Ihm nahe sein zu dürfen – gibt es etwas Schöneres?

Ich lade Sie ein, ein paar Atemzüge lang bei diesem Gedanken zu verweilen – ja, die Freundschaft Jesu geradezu einzuatmen…

Ignatius von Loyola empfiehlt in seinem Exerzitienbuch, mit Jesus zu sprechen „wie ein Freund mit einem Freund“. Wahre Freundschaft beruht auf Gegenseitigkeit, wie auch Liebe vom gegenseitigen Geben und Empfangen lebt. Wo oder wie habe ich schon die Freundschaft Jesu erfahren – und wie lebe ich meine Freundschaft zu Jesus? …

16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.

Es klingt für meine Ohren einerseits ein wenig altbacken: „erwählen / erwählt sein“, andererseits kann es aber auch mit Freude erfüllen, auserwählt zu sein. Es ist auf jeden Fall etwas, das ich mir nicht ausgesucht habe, zu dem ich aber von ganzem Herzen JA sagen darf und will.

Diese Erwählung ist mit einem Auftrag verbunden: Ich soll und darf mich aufmachen und(bleibende) Frucht bringen. Ein schwieriger Satz! Und eine vielfältige Herausforderung – denn „aufmachen“  kann vielerlei meinen, und in diesem Zusammenhang können diese Wortbedeutungen alle zusammen gemeint sein: Sich aufmachen bedeutet, sich auf den Weg zu begeben, aufzubrechen, loszugehen; sich aufmachen heißt aber auch, sich zu öffnen. Vor meinem inneren Auge taucht das Bild einer Pflanze auf, die den Teer aufbricht und sich so durch die Teerdecke hindurch den Weg zum Licht bahnt. Oder ich denke an eine Knospe, die nur dann zur Frucht werden kann, wenn sie sich öffnet. Es sind Prozesse des Reifens, die uns immer wieder herausfordern, uns auf Neues und Unbekanntes, auf Fremde und Fremdes  einzulassen. Und das fällt nicht immer leicht, ja es kann zuweilen schwer sein und wehtun. Da ist es gut, um die Nähe eines guten Freundes, um die Nähe Jesu zu wissen.

Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.
17 Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt.

Lied: „Herr, du bist mein Leben“ (GL 456)

Herr, Du bist mein Leben, Herr, Du bist mein Weg.
Du bist meine Wahrheit, die mich leben lässt.
Du rufst mich beim Namen, sprichst zu mir Dein Wort.
Und ich gehe Deinen Weg, Du, Herr, gibst mir den Sinn.
Mit Dir hab‘ ich keine Angst, gibst Du mir die Hand.
Und so bitt‘ ich, bleib doch bei mir.

Jesus, unser Bruder, Du bist unser Herr.
Ewig wie der Vater, doch auch Mensch wie wir.
Dein Weg führte durch den Tod in ein neues Leben.
Mit dem Vater und den Deinen bleibst Du nun vereint.
Einmal kommst Du wieder, das sagt uns Dein Wort,
um uns allen Dein Reich zu geben.

Du bist meine Freiheit, Du bist meine Kraft.
Du schenkst mir den Frieden, Du schenkst mir den Mut.
Nichts in diesem Leben trennt mich mehr von Dir,
weil ich weiß, dass Deine Hand mich immer führen wird.
Du nimmst alle Schuld von mir und verwirfst mich nie,
lässt mich immer ganz neu beginnen.

Vater unsres Lebens, wir vertrauen Dir.
Jesus, unser Retter, an Dich glauben wir,
und Du, Geist der Liebe, atme Du in uns.
Schenke Du die Einheit, die wir suchen auf der Welt.
Und auf Deinen Wegen führe uns ans Ziel.
Mache uns zu Boten Deiner Liebe.

(T. + M.: Pierangelo Sequeri, Ü.: Christoph Biskupek)

Fürbittendes Gebet:

Im Vertrauen auf Gottes Liebe bitten wir

– für alle, die Angst um ihre Lieben und um ihr eigenes Leben haben,
– für alle, die in existentielle Nöte geraten sind und nicht wissen, wie sie weiterleben können,
– für alle, die sich bis zur Erschöpfung für andere einsetzen,
– für alle, in denen es dunkel ist und die sich nach Licht sehnen,
– für alle, die an Leib oder Seele erkrankt sind,
– …
– für alle, die im Sterben liegen, und für die Verstorbenen.

Legen wir alles, was unser Herz bewegt, in das Gebet hinein, das Jesus selber uns gelehrt hat:
Vater unser im Himmel…

Segen aus Afrika:

Der Herr segne Dich.
Er erfülle Deine Füße mit Tanz
und Deine Arme mit Kraft.
Er erfülle Dein Herz mit Zärtlichkeit
und Deine Augen mit Lachen.
Er erfülle Deine Ohren mit Musik
und Deine Nase mit Wohlgerüchen.
Er erfülle Deinen Mund mit Jubel
und Dein Herz mit Freude.
Er schenke Dir immer neu
die Gnade der Wüste:
Stille, frische Wasser
und neue Hoffnung.
Er gebe uns allen immer neu die Kraft,
der Hoffnung ein Gesicht zu geben.

Und so segne uns und alle Menschen, ja die gesamte Schöpfung der unbegreifliche, liebende Gott: der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Fotos + Text: Elisabeth Meuser