Liturgie am Freitag – 24. April

Eröffnung:

Herr, öffne meine Lippen –
damit mein Mund Dein Lob verkünde.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit.
Amen. Halleluja.

Lied (GL 470):

Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht
und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt ER schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht
in der Liebe, die alles umfängt,
in der Liebe, die alles umfängt.

Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt
und die Not, die wir lindern, zur Freude wird,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut…

Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält
und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut…

Wenn der Trost, den wir geben, uns weiter trägt
und der Schmerz, den wir teilen, zur Hoffnung wird,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut…

Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist
und der Tod, den wir sterben, vom Leben singt,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut…

(Text: Claus-Peter März, Melodie: Kurt Grahl)

Gebet:

Gott, Du bist Ursprung und Ziel alles Guten.
Alles, was wir sind und haben, kommt von Dir.
Lehre uns, die Welt im Licht Deiner Weisheit zu sehen,
sie zu bewahren und zu gestalten, wie es in Deinem Sinn ist.
Begleite uns durch diesen Tag, stärke uns
und hilf uns, Dich zu loben und zu preisen –
heute und alle Tage unseres Lebens. Amen

Evangelium:

Das heutige Evangelium (Joh 6,1-15 ) fordert mich heraus. Es erzählt keine nachösterliche Begegnung mit dem Auferstandenen – was also will es mir jetzt und heute, gegen Ende der 2. Osterwoche, sagen? Ich schaue mir einige Verse ein wenig näher an:

  • „Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus:
    Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?“ (Joh 6,5)

Die Tatsache, dass so viele Menschen ihm nachlaufen, macht Jesus nicht eitel und selbstgefällig. Er ist nicht irgendwie „abgehoben“, er denkt nicht nur an seine Lehre und ans Heilen, sondern auch an die konkreten, alltäglichen leiblichen Bedürfnisse der Menschen, die zu ihm kommen: Sie brauchen etwas zu essen. Er will nicht, dass sie zusammenbrechen. Das beruhigt mich ein wenig… Und es erinnert mich an Jesu Zusage: „Euer Vater im Himmel weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.“ (Mt 6,8) – Vertraue ich Ihm wirklich?

  • „Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm:
    Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische;
    doch was ist das für so viele?“ (Joh 6,8-9)

„Ein kleiner Junge“, ein Kind – war er der Einzige, der etwas zu essen bei sich hatte, und dann gleich 5 Brote und 2 Fische? Die Antwort auf diese Frage ist nicht überliefert…
Aber unabhängig davon fällt mir auf: Nicht die Jünger haben das Brot und den Fisch mitgebracht, sondern ein Kind – und es stellt seinen ganzen Vorrat zur Verfügung. Für mich heißt das: Ich muss nicht alles selber können, darf aber die Augen offenhalten, wer unter den Anwesenden die nötigen Bedingungen erfüllen könnte… und sei es auch nur anfanghaft. Und dieser „kleine Junge“ kann mir zugleich Vorbild sein, das, was ich habe, zu geben, es zur Verfügung zu stellen – ohne die (zweifelnde) Frage der ‚Erwachsenen‘: „Was ist das für so viele?“

 

  • „Es waren etwa fünftausend Männer.
    Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen.
    Als die Menge satt geworden war, sagte er zu seinen Jüngern:
    Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verdirbt!
    Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Brocken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.“ (Joh 6,10-13)

Vielleicht sind wir diese Erzählungen von der Brotvermehrung schon zu sehr gewöhnt, um das Außergewöhnliche wahrzunehmen: 5 Brote und 2 Fische reichten aus, um wesentlich mehr als 5.000 Menschen zu sättigen! Und dann sind sogar noch 12 Körbe mit Brotstücken übrig – es geht in diesen Versen um Fülle schlechthin. Es klingt nach einem schönen Märchen, zu schön, um wahr zu sein! Aber will uns der Evangelist Johannes nicht gerade mit dieser Episode beispielsweise sagen: „Habt Vertrauen, dass auch das Wenige, das Ihr habt, ausreicht, wenn Ihr es Jesus zur Verfügung stellt? Und sucht nicht nur unter Euch, sondern nehmt auch wahr, welche Gaben die Menschen um Euch herum haben. Ihr müsst nicht alles selber machen! Ladet sie ein mitzutun, sich einzubringen – und so dazu beizutragen, dass alle ‚satt‘ werden. Und Ihr werdet sehen, dass mit meiner Hilfe alles Notwendige im Überfluss vorhanden sein wird.“

Nachfolge

Ich zähle meine Talente und weiß,
dass sie reichen, weil ER sie verdoppelt.

Ich lese meine Träume und weiß,
dass sie tragen, weil ER sie erfüllt.

Ich wäge meine Liebe und weiß,
dass sie lodert, weil ER sie entfacht.

Ich messe meine Schritte und weiß,
dass sie stimmen, weil ER mich ruft.

(Gerhard Eberts)

 

 Fürbitten:

Gott, Du bist unser Vater. Jesus hat uns ermutigt, Dich um alles zu bitten, was uns auf dem Herzen liegt.

  • Hilf den Entscheidungsträgern in Politik, Gesellschaft und Kirche, weise Entscheidungen zum Wohl der Menschen zu treffen.
  • Stärke alle, die kranke, alte und sterbende Menschen medizinisch behandeln oder seelsorglich begleiten, und lass sie Deine Nähe spüren.
  • Stehe denjenigen bei, die sich alleingelassen fühlen, überfordert sind oder Gewalttaten ausgesetzt sind.
  • Sende Deinen Heiligen Geist in unsere Herzen und in unsere Gedanken, damit wir uns für den Frieden, der von Dir kommt, einsetzen.

All unsere Bitten, die ausgesprochenen und die unausgesprochenen, können wir in das Gebet hineinlegen, das Jesus selber uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel…

Segen:

Gott,
du Quelle des Lebens,
du Atem unserer Sehnsucht,
du Urgrund allen Seins.
Segne uns
mit dem Licht deiner Gegenwart,
das unsere Fragen durchglüht
und unseren Ängsten standhält.
Segne uns,
damit wir ein Segen sind
und mit zärtlichen Händen
und einem hörenden Herzen,
mit offenen Augen
und mutigen Schritten
dem Frieden den Weg bereiten.
Segne uns,
dass wir einander segnen und stärken
und hoffen lehren
wider alle Hoffnung,
weil du unserem Hoffen Flügel schenkst.
Amen.
So sei es. So ist es.
Amen.

(Katja Süß)

 

Text: Elisabeth Meuser
Fotos: Martin Kochalski