Liturgie am Freitag – 27. März

Zur Einstimmung:
Heute wäre in Berlin der Katholische Pflegekongress eröffnet worden. An zwei Tagen wollten Pflegende aus allen Bereichen des Gesundheitswesens über christliche Quellen und Inspirationen ihres beruflichen Engagements nachdenken. Sie wollten miteinander in Austausch kommen, Gemeinschaft Gleichgesinnter erleben. Heute wäre … – wie so Vieles in diesen Tagen und Wochen musste auch dieser Kongress aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden.
Nehmen wir gerade mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen heute einmal besonders die Frauen und Männer in den Blick, die sich in der Pflege engagieren. Sei es beruflich oder als Angehörige im familiären Umfeld.
Ein Morgenlied aus dem Gotteslob (singbar auch am Abend) stimmt uns ein auf den barmherzigen Gott, der uns an Leib und Seele Gutes tut, uns „pfleglich“ umsorgt:

Lied: Lobet den Herren alle, die ihn ehren (GL 81, 1-4)

Gebet:
Gott, du bist ein Freund des Lebens. Du richtest auf, was wie ein Schilfrohr geknickt ist, was Stärkung und Zuspruch benötigt. Auch wir leben aus deiner Schöpferkraft, aus deinem liebenden Blick und deiner treuen Sorge. Gründe unser Herz in dem Vertrauen, dass du uns an Leib und Seele nahe bist. Lass uns spüren können, wie wir mit allem, was lebt, verbunden sind – in deiner Liebe, in deiner Barmherzigkeit. Amen.

Schriftbetrachtung:
Im Tagesevangelium (Johannes 7, Verse 1 und 2, 10 und 25 bis 30) heißt es zu Beginn:
„In jener Zeit zog Jesus in Galiläa umher… Als seine Brüder zum Laubhüttenfest nach Jerusalem hinaufgegangen waren, zog auch er hinauf, jedoch nicht öffentlich, sondern heimlich. …“
Der Pflegekongress in Berlin sollte unter dem Leitwort „Barmherzigkeit“ stehen. Barmherzigkeit, die als spirituelle Haltung zugleich eine professionelle ist und gerade in den oft schwierigen Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens eine kostbare Energiequelle ist.
In Jesus begegnet uns die Barmherzigkeit Gottes in seinen aufrichtenden Worten und Taten. Die Evangelien zeigen uns aber auch Situationen, in denen sich Jesus zurücknimmt, nur verborgen auftritt. Weil man ihm vorwirft, er würde nur behaupten, diese Barmherzigkeit Gottes in Person zu sein. Und doch ist diese leidenschaftliche Liebe Gottes in ihm voll und ganz da. Und sie trägt am Ende durch, auch im Leid und Tod.
Zum Bild: In meiner Geburtsstadt Essen steht dieser alte Förderturm einer stillgelegten Kohlenzeche. Er ist für mich ein Sinnbild für die Herzenstiefe Jesu, aus der die echten Lebenskräfte kommen. Jesus fördert die wahre Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu Tage, die unseren Blicken oft genug verborgen liegt. Sie kann im Alltag unter Sorgen, Mühen und Erschöpfung wie unter Geröll verschüttet sein. Und manchmal muss ich tiefer bohren, um diesem „Brennstoff“ meines Lebens auf die Spur zu kommen.

 

Fürbittgebet:
Jesus Christus, du rufst Menschen in deine Nachfolge. Heute beten wir besonders für Frauen und Männer in Pflegeberufen. In diesen Krisentagen sind sie ganz besonders gefordert, müssen in ihrem Einsatz oft genug an ihre Grenzen gehen. Segne und stärke sie in ihrem Tun, schütze sie vor aller Gefahr. (Hier vielleicht ein Kyrieruf aus Taizé, z.B. GL 154)
Jesus Christus, in unzähligen Familien werden alte und kranke Familienmitglieder gepflegt. Die Betreuung kostet den Angehörigen viel Kraft und Selbstverzicht, auch wenn sie es mit Liebe und Ausdauer tun. Erhalte ihnen die Kraft und auch ein gutes Stück Freude am eigenen Alltag. (s.o.)
Jesus Christus, deine Barmherzigkeit ist das große Wohlwollen Gottes, das über allem steht. Sieh auf unsere Angst und Verzagtheit in diesen unruhigen Tagen und Wochen. Lass uns mit dir den Weg zum Osterfest gehen. Nimm du uns an der Hand und segne uns. (s.o.)
Jesus Christus, wir bergen unsere Verstorbenen in dir, in der unendlichen Vatergüte Gottes. Sei den Leidenden und Sterbenskranken nahe, hier und in den Ländern, die mit viel weniger Mitteln diese Krise zu bewältigen haben. (s.o.)

Vaterunser und Segensbitte

Lied: Ins Wasser fällt ein Stein GL 812

Gedanke zum Weitergehen, für den Tag
Die Themen des besagten Pflegekongresses hatten sich an den „7 neuen Werken der Barmherzigkeit“ orientiert, wie sie vom Erfurter Altbischof Wanke im Elisabethjahr 2006 vorgestellt wurden:
1. Du gehörst dazu
2. Ich höre dir zu
3. Ich rede gut über dich
4. Ich gehe ein Stück mit dir
5. Ich teile mit dir
6. Ich besuche dich
7. Ich bete für dich
Ich kann einen Moment darüber nachdenken, welches dieser aktuellen „Werke“ ich heute verwirklichen möchte.

Matthias Mader