Liturgie am Freitag – 29. Mai

Beginnen wir unsere heutige Liturgie in Erwartung des Pfingstfestes im Namen des dreifaltig-einen
Gottes: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gebet:

Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen aller Menschen. Entzünde in uns allen das Feuer Deiner Liebe, damit das Antlitz der Erde erneuert werde. Öffne uns für Dein Wirken und durchwirke unser Denken, Reden und Tun mit Deiner Liebe. Darum bitten wir durch Christus, der unser Bruder geworden ist und mit Dir und dem Vater, der alles erschaffen hat, lebt und liebt jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Das Zögern überwinden

Christus, Du bist mir nahe
und fremd zugleich.
Du sprichst mich an.
Ich höre Dich sagen:
„Komm!“
und ich erschrecke.
Ich habe Dir oft
meine Bitten gebracht
und bin wieder gegangen.
Du lädst mich ein zu bleiben.
Ich weiß, wenn ich mich
ganz auf Dich einlasse,
ist Wandlung unausweichlich.
Das macht mir Angst.
Ich schrecke zurück.
Und doch zieht es mich zu Dir.
Bei Dir finde ich,
was meine innerste Sehnsucht sucht.
Das ist Dein Versprechen.
Du bittest um mein Vertrauen.
Hilf mir, mein Zögern zu überwinden,
und lass mich heute
einen beherzten Schritt tun
Dir entgegen.

(Antje Sabine Naegeli)

 

Das heutige Evangelium (Joh 21,1.15-19) führt uns an den See von Tiberias und erzählt, wie der Auferstandene sich „den Jüngern noch einmal … offenbarte“. Sieben Jünger waren nach Jesu Tod und Auferstehung in ihren Alltag zurückgekehrt: Als Fischer hatten sie ihr Glück wieder versucht – „aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer.“ (Joh 21,3f) Die Jünger erkannten IHN erst, als sie sich auf SEIN Wort einließen, das Netz „auf der rechten Seite des Bootes“ auszuwerfen und sie daraufhin mit einem reichen Fang ans Ufer zurückkehrten. Nach dem anschließenden gemeinsamen Mahl folgt – so der Text des heutigen Evangeliums – ein Wortwechsel zwischen Jesus und Petrus:

1     In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias,
und er offenbarte sich in folgender Weise.

15   Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus:
Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?
Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.
Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!

16   Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?
Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.
Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

17   Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?
Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Liebst du mich?
Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe.
Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

18   Amen, amen, ich sage dir: Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet
und gingst, wohin du wolltest.
Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken
und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.

19   Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen werde.
Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

„Liebst Du mich?“ Was für eine intime Frage! Sie löst in mir verschiedene Reaktionen aus:

  • Was bewegt jemanden dazu, diese Frage zu stellen? Und in welcher Situation?
    In der Beziehung zwischen Jesus und Petrus hat diese Frage den Hintergrund des Verrats: Petrus hatte nach der Gefangennahme Jesu geleugnet, IHN zu kennen, zu IHM zu gehören, SEIN Jünger zu sein. Und dennoch lässt Jesus diesen Petrus nicht fallen, sondern geht ihm nach, sucht das Gespräch mit ihm. Nach allem, was geschehen ist, könnte Jesus ihm Vorwürfe machen – aber stattdessen stellt ER seinem Jünger die Gewissensfrage: „Liebst Du mich?“ Dabei lässt schon die Anrede aufhorchen: „Simon, Sohn des Johannes“ – das klingt sehr förmlich und zeigt an, dass danach etwas Wichtiges kommt und dass Petrus mit seiner ganzen Persönlichkeit und Geschichte, eben unverwechselbar, gemeint ist.
  • Jesus geht noch weiter: „Liebst Du mich mehr als diese?“ Je nachdem, welches Wort in dieser Frage betont wird, ist die Bedeutung unterschiedlich. Ich vermute, dass Jesus von Petrus wissen will, ob ER für Petrus an erster Stelle steht – ob Petrus sich an IHM ausrichtet und nicht daran, ob die anderen ihn akzeptieren oder gar toll finden.
  • Die Frage Jesu fordert mich dann heraus, wenn ich spüre, dass Jesus nicht nur den Petrus, sondern auch mich fragt: „Liebst Du mich?“ Ja, so fragt ER jede und jeden von uns ganz persönlich: „Liebst Du mich?“ – und: „Liebst Du mich mehr als alles andere?“
    Ich lade Sie ein, dieser Frage in Ihrem Inneren nachzugehen. Welche Antworten finden Sie da? Wenn möglich, kommen Sie mit Jesus ins Gespräch – „wie ein Freund mit seinem Freund“ (Ignatius von Loyola).
  • Gertrud von LeFort schreibt in einer Novelle: „Es gibt nur eine Liebe – Gott nimmt jede an, als sei sie ihm selbst dargeboten.“ – Eine wirklich göttliche Sichtweise! ER ist die Liebe, und wer liebt, hat Anteil an IHM und lebt in IHM…
  • Und – nicht zu vergessen: „Lieben“ ist ein Tu-Wort.

Die Frage nach der Liebe

dreimal fragst du mich
das schmerzt
warum fragst du immer wieder
du weißt es doch

oder willst du es einfach hören
immer wieder hören
fragst du damit ich es nie vergesse
und immer neu sagen lerne

ja dann frage mich
frag immer wieder
frag immer neu
ach höre nie auf zu fragen

(Andreas Knapp)

In diesen Tagen vor Pfingsten bitten wir in besonderer Weise um den Heiligen Geist:

Entfache Dein Feuer, Geist des auferstandenen Christus, Geist des Mitleids, Geist des Lobpreises, Deine Liebe zu jedem Menschen wird nie vergehen.
Geist des lebendigen Gottes, wenn Zweifel und Zögern, Dich einzulassen,
alles zu verschlingen scheinen, dann bist Du da, dann bist Du zugegen.
Du entfachst das Feuer, das inwendig unter unserer Asche glimmt.
Du nährst dieses Feuer mit unseren Anfechtungen, mit unseren Dornen,
mit allem, was uns an uns selbst und bei anderen wehtut,
so dass durch Dich sogar die Steine unseres Herzens verglühen,
Du Licht in unserer Finsternis, Du Morgenglanz unserer Dunkelheit.

(Frère Roger Schutz)

 

Segen

So segne und begleite uns und alle Menschen durch diese Zeit der unbegreifliche,
liebende Gott:
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

 

 

Text: Elisabeth Meuser

Fotos: Peter Weidemann (pfarrbriefservice.de),
Katharina Wagner (pfarrbriefservice.de),
Elisabeth Meuser