Liturgie am Freitag – 3. April

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 4,35-38
Am Abend dieses Tages sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Kommt, wir wollen ans andere Ufer übersetzten!“ Sie schickten die Menschen weg und ruderten mit dem Boot, in dem Jesu noch saß, auf den See hinaus. Einige andere Boote folgten ihnen. Da brach ein gewaltiger Sturm los. Hohe Wellen schlugen ins Boot, es lief voll Wasser und drohte zu sinken. Jesus aber schlief hinter im Boot auf einem Kissen. Da rüttelten ihn die Jünger wach und schrien voll Angst: „Herr, wir gehen unter! Und du schläfst!“ …

– Stille –

Am 27.03.2020 hat Papst Franziskus auf einem leeren Petersplatz eine Andacht bezüglich der Pandemie gehalten.https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2020-03/corona-franziskus-gebet-urbi-et-orbi-petersplatz.html

In seiner Ansprache bezog sich Franziskus auf das obenstehende Evangelium nach Markus. Die Auslegung des Evangeliums hat mich berühret und getroffen. Er sagte u.a.;

„Wir haben vor deinen Mahnrufen nicht angehalten, wir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört. Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden. Jetzt, auf dem stürmischen Meer, bitten wir dich: „Wach auf, Herr!“

Die Klimaaktivisten, Wissenschaftler und Forscher und gar die Friday for Future Bewegung „schreien“ seit Jahren, dass der “Klimawandelsturm“ im vollen Gange ist…wird die Gegenwärtige Krise unsere Perspektive auf den Blauen Planeten, unser Home, verändern? Die Krise zwingt uns von 120% – Maximal Tempo zum Abbremsen…Beten wir als Geschöpfe und mit der gesamten Schöpfung die folgende Litanei und das Vater Unser.

Litanei

Sinnenhaftes Lob der Schöpfung
und Klage über menschliche Zerstörung

Die Schönheit deiner Schöpfung sehe ich Gott:
im frischen Grün des Frühlings
in den bunten Farben der Blumen
im strahlenden Blau des Himmels
Die Zerstörung unserer Schöpfung sehe ich Gott:
am Absterben der Wälder
an der Ausbreitung der Wüsten
am Aussterben der Tier- und Pflanzenarten

Die Schönheit deiner Schöpfung höre ich Gott:
im ersten Schrei eines neugeborenen Kindes
im morgendlichen Lied der Vögel
im Summen der Bienen
Die Zerstörung deiner Schöpfung höre ich Gott:
durch den Lärm der Maschinen und des Verkehrs
durch das Verstummen der Vögel und Insekten
durch den permanenten Geräuschpegel unserer modernen Welt.

Die Schönheit deiner Schöpfung rieche ich Gott:
Im betörenden Duft der Rose
Im modernden Geruch des Waldbodens
Im aufsteigenden Dunst des Morgens
Die Zerstörung deiner Schöpfung rieche ich Gott:
durch die Verpestung der Luft mit Abgasen
durch den Faulschlamm umkippender Gewässer
durch die zahlreichen künstlichen naturimitierenden Gerüche

Die Schönheit deiner Schöpfung schmecke ich Gott:
im Geschmack des frisch gebackenen Brotes
im Geschmack des herben Weines
im Geschmack des klaren Wassers
Die Zerstörung deiner Schöpfung schmecke ich Gott:
im sauren Regen, der vom Himmel fällt
in der Chemie unserer Nahrungsmittel
in den Geschmacklosigkeiten unseres Konsums

Die Schönheit deiner Schöpfung fühle ich Gott:
im Hauch des sanften Atems
im Wehen des leichten Windes
im Wüten des starken Sturmes
Die Zerstörung deiner Schöpfung fühle ich Gott:
durch die Zerstörung der Ozonschicht
durch die Zunahme der Allergien
durch die Zubetonierung unserer Landschaft

Vater unser

Gott, Schöpfer der Welt und aller Dinge,
Liebhaber des Lebens und Freund der Menschen,
dein Atem belebt und beseelt alles, was ist.
Dein Name werde geheiligt durch alles, was lebt.
Dein Reich verwirkliche sich in allem, was geschieht.
Dein Wille werde spürbar in unserem Handeln.
Tägliches Brot schenke allen Menschen von unserer Mutter Erde.
Vergib uns unsere Schuld,
deine Schöpfung auszubeuten,
in dem Maße, in dem wir bereit sind,
umzukehren und unseren Lebensstil zu verändern.
Und führe uns in der Versuchung,
uns selbst als Schöpfer aufzuspielen,
sondern lass uns unsere Geschöpflichkeit annehmen.
Denn dein ist die Zukunft, alle Energie und Vollkommenheit,
heute, und bis sich unser Leben vollendet in dir.

Gebet eines Wissenschaftlers

Gott, du hast uns aufgetragen die Erde zu behüten und deine Schöpfung zu vollenden. Hilf mir, Herr, mein Schaffen im Dienst der Wissenschaft und des technischen Fortschritts mit christlichem Geist zu durchdringen, damit es dem Wohl der Menschheit diene. Gib mir ein waches Bewusstsein von meiner Verantwortung für den Dienst am Menschen für seinen Schutz und für bessere Lebensbedingungen, damit allen Menschen ein Leben in Würde und Freiheit möglich wird. Darum bitte ich Dich, durch Christus unsren Bruder und Herr, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit Dir lebt und wirkt in Zeit und Ewigkeit. Amen

+++Zum Segen +++

Lied: nach dem Sonnengesang des „fröhlichen Bettlers“ Franziskus von Assisi

(Bild und Text FJ Herzog: private Aufnahme – aus der Autobahnkirche in Himmelkron an der A9 – Litanei und das Vater Unser  von Bruder Stefan Federbusch OFM)

Franz-Josef Herzog