Liturgischer Impuls zum Gründonnerstag, 9. April 2020

Auch wenn wir uns heute nicht zur Eucharistiefeier versammeln dürfen, begeht die Kirche HEUTE den Tag, an dem Jesus uns diese Eucharistie schenkte: Im geteilten Brot und Wein ist ER gegenwärtig – bis heute. Das hat ER uns zugesagt.

Jenseits der Kontaktsperre sind wir heute in besonderer Weise verbunden mit allen Christen auf der ganzen Welt.

Legen wir diese Gebetszeit in die Hände des dreifaltigen Gottes und beginnen sie „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“.
Amen.

„Still werden will ich
vor Dir, mein Gott,
Dir alles lassen,
was mich unruhig macht:
den Mangel an Vertrauen,
die Gedanken, die mich verfolgen,
die Fesseln der Sorgen,
meine inneren Kämpfe und Widerstände.

Du bist der Friede
mitten im Sturm.
Aus Dir wächst mir zu,
was ich brauche.
Deine Nähe suche ich
und sonst nichts.

Dein Geist ströme ein
in meine Herzschale.
Deine Schöpferkraft
fülle mich aus
bis in den innersten Raum.
Dein Wille geschehe
an mir, in mir und durch mich.“

(Antje Sabine Naegeli)

Lassen Sie uns in dieser Gebetszeit immer wieder in das Lied „Ubi caritas“ aus Taizé einstimmen (GL 445):

„Ubi caritas et amor, Deus ibi est.“ (Wo Güte und Liebe herrschen, da ist Gott.)

Die Liturgie des heutigen Tages verknüpft dieses Letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern mit der Fußwaschung, wie sie der Evangelist Johannes beschreibt (Joh 13,1-15). Es ist eine unvorstellbare Geste: Der Rabbi, der Meister wäscht seinen Jüngern, den Lehrlingen, die Füße – er tut den niedrigsten Sklavendienst. Freiwillig. Und sein Handeln soll unser Vorbild sein: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“ (13,15)
Was bedeutet das für uns, die wir unseren Mitmenschen oftmals doch lieber den Kopf als die Füße waschen?

Aus Liebe wäscht Jesus seinen Jüngern die Füße – und setzt damit Maßstäbe. Seine Liebe ist so groß, dass er sogar sein Leben für die Menschen hingab – bis zum Tod am Kreuz. „Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung.“ (13,1)

„Ubi caritas“ (GL 445)

 „ganz unten
bei den Füßen
fängt die Liebe an

die Füße sind so wichtig
zum aufstehen
zum auferstehen“

(Andreas Knapp)

Anderen die Füße zu waschen ist aber nur die eine Hälfte – die andere wird von Petrus verkörpert: „Du, Herr, willst mir die Füße waschen? … Niemals sollst du mir die Füße waschen!“ (13,6.8) So entrüstet sich der Apostel. – Ja, es ist oft leichter, etwas zu geben, als etwas anzunehmen. Kranke und alte Menschen, die kurzzeitig oder zunehmend auf Hilfe angewiesen sind, können „ein Lied davon singen“! Wieviel Demut braucht es, sich die Füße waschen zu lassen!

Liebe ist kein einseitiges Geschehen, sondern lebt vom Geben und Empfangen. Ignatius von Loyola beschreibt Liebe als „Mitteilung von beiden Seiten her“: Jede(r) gibt, und jede(r) empfängt – je nach den eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten.

Und dennoch lässt sich Liebe nicht erklären, nicht begreifen – sie ist jenseits alles Begreiflichen.

Auch wenn wir uns heute nicht zum gemeinsamen Gottesdienst in der Kirche versammeln können – einander Liebe bezeigen können wir allemal. Leben wir auf diese Weise den Gründonnerstag, der uns an die Liebe erinnert, mit der Jesus Christus uns liebt, und nehmen teil an Jesu Liebe.

„Ubi caritas“ (GL 445)

Gebet:

Gott, Du weißt um uns –
Du kennst unsere Schwäche und alles, was uns bedrängt.
Sei Du bei uns an diesen Tagen,
wenn uns das Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu besonders nahe ist.
Stehe uns bei,
dass wir von Deiner Liebe glaubwürdig Zeugnis geben,
indem wir diese Liebe an unsere Mitmenschen weitergeben.

Wir bitten Dich, sei vor allem,
– bei jenen, die unter den derzeitigen Einschränkungen leiden,
– bei den kranken und den alten Menschen, die nicht besucht werden dürfen,
– bei denjenigen, die oft bis zur Erschöpfung daran mitarbeiten, dass das Gesundheitswesen und das öffentliche Leben nicht zusammenbrechen,
– bei denjenigen, die in diesen Tagen sterben.

Du, Gott hat uns Deine Gegenwart versprochen. So beten wir mit den Worten, die Dein Sohn Jesus uns gegeben hat:

Vater unser im Himmel…

Gottes Segen sei bei uns in diesen Tagen,
in denen wir Seiner großen Liebe in besonderer Weise
und mit großer Dankbarkeit gedenken.
ER behüte und begleite uns
und lasse uns Seine Gegenwart erfahren.
ER schenke uns Seinen Frieden.

Amen.

 

Text: Elisabeth Meuser
Foto: Peter Weidemann, pfarrbriefservice.de

 Für die Gestaltung der Ölbergstunde am Gründonnerstagabend gibt es einen gesonderten Vorschlag.