Liturgie am Mittwoch – 20. Mai

Ich beginne meinen Gottesdienst:

Im Namen des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.

Amen.

„Einem unbekannten Gott“ (Apg 17,23)

Dieser Satz steht in der Lesung des heutigen Tages.

Auch wenn dieser Satz von Paulus in einem anderen Zusammenhang gesagt wurde, möchte ich uns mit diesem Satz, anhand dieses Satzes einige Fragen stellen:

  • Ist mir Gott bekannt, kenne ich IHN wirklich?
  • Oder sind es nur meine Vorstellungen von IHM, wie ER sein soll(te)?
  • Hat er sich mir bekannt gemacht?
  • Oder kenne ich von IHM nur die Dinge, die ‚man‘ über IHN sagt?
  • Kann ich etwas über Gott aussagen?
  • Oder habe ich viel mehr Fragezeichen und Leerstellen?
  • Ist mir Gott bekannt?
  • Oder bleibt ER vielmehr der Unbekannte?
  • …?
  • Oder…?

 

„Mein Gott, du hast viele Gesichter,
doch ich kenne dich nicht.
Du bist gegenwärtig,
doch ich sehe dich nicht.
Du bist allmächtig,
doch ich spüre dich nicht.
Du bist die Tür,
doch ich öffne sie nicht.
Du bist der Hirte,
doch ich folge dir nicht.
Du bist der Weg,
doch ich gehe ihn nicht.
Du bist der Anfang,
doch ich mache ihn nicht.
Du bist die Wahrheit,
doch ich suche sie nicht.
Du bist die Liebe,
doch vertraue dir nicht.
Du bist das Leben,
doch ich bemerke es nicht.“

(Verfasser unbekannt)

 

Und dennoch sage und bete ich:

„Gott, du mein [mir unbekannter] Gott, dich suche ich,
meine Seele dürstet nach dir.

Darum halte ich Ausschau nach dir …“ (Ps 63,2f)

Ja Gott, du bist mir oft fremd, du bist oft weit weg.
Und doch hast du einen Namen, bist du da.
Danke, Gott, dass ich dich immer neu suchen
und entdecken darf.
Danke, dass du dich mir immer neu bekannt machen möchtest.
Danke, Gott!
Amen.

 

Und so segne mich der allmächtige und gütige Gott:
Der Vater
und der Sohn
und der Heilige Geist.

Amen.

 

PS:    „Einen Gott, den ‚es gibt‘“ – gibt es nicht.“

(Der Satz »Einen Gott, den ‚es gibt‘, gibt es nicht« findet sich in Dietrich Bonhoeffers Habilitationsschrift von 1929: Akt und Sein, Transzendentalphilosophie und Ontologie in der systematischen Theologie, München 1956, S.94 / = DBW 2, S.112.)

 

Ludger M. Kauder

Bild: Pfarrbriefservice