Liturgie am Mittwoch – 27. Mai

Beginnen wir im Namen
des allmächtigen Vaters,
des liebenden Sohnes und
des Heiligen Geistes, der uns immer beisteht.
Amen.

Die heutigen Lesungstexte sind keine einfache Kost. Nehmen Sie sich Zeit, die Texte zu verdauen. Sie entstanden im Angesicht des Abschiedes; einerseits ein Teil der Abschiedsrede von Paulus an die Gemeinde in Ephesus und andererseits das Gebet Jesu an seinen Vater, bevor er von seinen Jüngern ging.

Abschiede sind oft nicht einfach. Wenn wir geliebte Menschen verlassen, sind wir traurig und doch können wir sie loslassen im Vertrauen darauf, dass Gott sie weiterhin behütet. Vielleicht geben wir wie Paulus noch einige Ratschläge mit oder beten gemeinsam zum Abschied.

Ich habe einige Passagen aus beiden Texten herausgesucht, die wir unter dem Aspekt Abschied etwas intensiver betrachten können.

 

Die erste Lesung berichtet unter anderem von Paulus (Apg 20,20-38):

28 Gebt acht auf euch und auf die ganze Herde, …
29 Ich weiß: Nach meinem Weggang werden reißende Wölfe bei euch eindringen und die Herde nicht schonen. …
31 Seid also wachsam, …
32 Und jetzt vertraue ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das die Kraft hat, aufzubauen und das Erbe in der Gemeinschaft der Geheiligten zu verleihen. …
35 In allem habe ich euch gezeigt, dass man sich auf diese Weise abmühen und sich der Schwachen annehmen soll, in Erinnerung an die Worte Jesu, des Herrn, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen.

Paulus ahnt, dass für seine Gemeinde keine einfache Zeit bevorsteht. Einerseits ermahnt er sie, wachsam zu bleiben, aber andererseits ist das Entscheidende, dass er sie vor diesem Hintergrund Gott anvertraut. Alleine wird die Gemeinde nicht bestehen, aber durch die Gnade Gottes wird sie geheiligt werden.

Wie ist das mit unseren Gemeinden? Seit einigen Jahren befinden wir uns in einer Zeit des Umbruches. Viele Gemeindemitglieder sind verunsichert. Wir müssen uns von Gewohntem verabschieden. Das fällt niemandem leicht. Aber resignieren wir und trauern dem Alten nach? Oder vertrauen wir auf die Gnade Gottes, die „die Kraft hat, aufzubauen und das Erbe in der Gemeinschaft der Geheiligten zu verleihen“?

Zuletzt gibt Paulus seiner Gemeinde noch einen Rat, nicht einfach die Hände in den Schoß zu legen und nur zu nehmen, sondern auch zu geben, sich selbst einzubringen, sich abzumühen, sich der Schwachen anzunehmen. Oft erfahre ich in unseren Gemeinden eine Erwartungshaltung, was alles sein sollte, wir lassen uns versorgen, bedienen. Doch im Lesungstext heißt es: „Geben ist seliger als Nehmen.“

Überlegen Sie sich, was Ihnen in Ihrer Gemeinde wichtig ist, erhalten zu werden, oder was Neues entstehen sollte. Wo würden Sie sich selbst gerne einbringen? Was könnten Sie für einen Dienst anbieten? Und dann sollte es nicht nur um unsere Gemeinden gehen. Darüber hinaus haben wir den Auftrag „Seid ein Segen und bereitet den Weg des Herrn!“ Schauen wir uns in unserem Umfeld um, für wen wir Segen sein können, wo wir den Weg des Herrn bereiten können.

 

Betrachten wir noch einige Passagen aus dem Gebet Jesu im heutigen Evangelium nach Johannes (Joh17, 6a, 11b-19):

6a Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.
11b Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. …
13 Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. …
15 Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. …
18 Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.

Ist es nicht tröstlich, wie Jesus im Angesicht des bevorstehenden Abschiedes die Menschen seinem Vater anvertraut? Er möge sie vor dem Bösen bewahren, und sie mögen „Freude in Fülle in sich haben“.

Wir sollen eins sein, wie Jesus mit dem Vater eins ist. Das ist ein hochgestecktes Ziel. Das geht nur mit Gottes Hilfe, doch bemühen wir uns auch selbst darum?

Und zuletzt wieder unser Sendungsauftrag in die Welt: Das ist das Vermächtnis Jesu an uns. Bald ist Pfingsten, der Heilige Geist wird uns dazu beistehen.

 

Dietrich Bonhoeffer fand im Angesicht seines nahen Todes so tröstliche Abschiedsworte, die uns in schweren Stunden immer wieder Hoffnung geben können (Gotteslob 804):

   Von guten Mächten treu und still umgeben,
   behütet und getröstet wunderbar,
   so will ich diese Tage mit Euch leben
   und mit Euch gehen in ein neues Jahr.
   Von guten Mächten wunderbar geborgen,
   erwarten wir getrost, was kommen mag,
   Gott ist mit uns am Abend und am Morgen,
   und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

 

Fürbitten:

  • Beten wir für alle Menschen, denen ein Abschied von geliebten Menschen bevorsteht, dass sie ihre Lieben Gott anvertrauen können. – Herr erbarme Dich!
  • Beten wir für die Sterbenden, dass sie in der Hoffnung auf ein Leben in der ewigen Herrlichkeit getragen sind und für ihre Angehörigen, dass diese durch die Aussicht auf ein Wiedersehen im Jenseits getröstet werden. – Herr erbarme Dich!
  • Beten wir für unsere Gemeindemitglieder, die von Gewohntem Abschied nehmen müssen, dass Sie loslassen können im Vertrauen darauf, dass Gott uns den Weg in die Zukunft weist. – Herr erbarme Dich!
  • Beten wir für uns um die Gewissheit, dass jeder Abschied auch Neues entstehen lässt. – Herr erbarme Dich!
  • Beten wir für uns um Zuversicht und den Beistand des Heiligen Geistes in schweren Zeiten. – Herr Erbarme Dich!

All unsere Bitten legen wir in das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat:
Vater unser im Himmel …

 

Altirischer Reisesegen (Liederwald 451)

Mögen sich die Wege vor Deinen Füßen ebnen,
mögest Du den Wind im Rücken haben,
und bis wir uns wiedersehn und bis wir uns wiedersehn,
möge Gott seine schützende Hand über Dir halten.

Möge warm die Sinne auch Dein Gesicht bescheinen,
Regen sanft auf Deine Felder fallen,
und bis wir uns wiedersehn und bis wir uns wiedersehn,
möge Gott seine schützende Hand über Dir halten.

Mögen gute Freunde Deine Wege auch begleiten,
mög‘ die Kälte Dir den Mut nicht nehmen,
und bis wir uns wiedersehn und bis wir uns wiedersehn,
möge Gott seine schützende Hand über Dir halten.

 

Und so segne uns der allmächtige Gott,
der Vater
der Sohn
und der Heilige Geist.
Amen.

(Text und Foto: Martin Geibel)