Liturgie am Mittwoch – 3. Juni

Beginnen wir die heutige Tagesliturgie
im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wer kennt sie nicht, die Seligpreisungen. Sie werden uns im heutigen Tagesevangelium wieder vor Augen geführt.

Ich lade Sie dazu ein, diese zunächst im Lied zu hören und mitzusingen.

Lied: Selig seid Ihr (Gotteslob 458)
https://www.youtube.com/watch?v=x_-MfMDojyY

Die Seligpreisungen werden in einer Übersetzung von Albert Kammermayer (2006) in etwas anderen Worten wie gewohnt wiedergegeben:

Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 5,3-12)

 3 „Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind,
denn sie werden mit Gott leben in seiner neuen Welt. 

4 Glücklich sind, die unter dieser heillosen Welt leiden,
denn Gott wird alles Leid von ihnen nehmen.

 5 Glücklich sind, die auf Gewalt verzichten,
denn ihnen wird Gottes neue Welt gehören.

 6 Glücklich sind, die sich nach der neuen Welt Gottes sehnen,
denn Gott wird ihre Sehnsucht stillen.

 7 Glücklich sind, die sich der Menschen in Not erbarmen,
denn Gott wird auch mit ihnen barmherzig sein.

 8 Glücklich sind, die das Herz eines Kindes haben,
denn sie werden Gott sehen. 

9 Glücklich sind, die Frieden stiften,
denn Gott wird sie seine Kinder nennen.

 10 Glücklich sind, die verfolgt werden, weil sie Gottes Willen tun,
denn sie werden mit Gott leben in seiner neuen Welt.

 11 Glücklich dürft ihr euch nennen, wenn ihr beschimpft,
verfolgt und verleumdet werdet, weil ihr mir nachfolgt –
genauso hat man vor euch schon die Propheten verfolgt. 

12 Ja, freut euch und jubelt, denn in Gottes neuer Welt
werdet ihr dafür reich belohnt werden!“ 

 

Je nach Übersetzung beginnen die Verse mit:

      • Selig sind …
      • Glücklich sind …
      • Glückselig sind …
      • Glücklich zu preisen sind …
      • Wie glücklich zu preisen sind …
      • Freuen dürfen sich …

Ich finde „glückselig“ sehr passend. Sicher waren Sie alle schon einmal glückselig. Es ist tröstlich, dass so vieles, was wir um Gottes und der Menschen willen erleiden, wo wir uns aktiv einsetzen, dass das nicht umsonst ist. Im Gegenteil, wir werden dadurch „glückselig“. Dieses Wort beschreibt ein tiefes, intensives, vollkommenes Gefühl, dass alles gut und wohl ist. So irgendwie könnte es auch im Himmel sein. Und Jesus verspricht uns dies ja im heutigen Evangelium.

Es gibt von  G.M. Ehlert eine Meditation zur den Seligpreisungen, die ich hier in Auszügen wiedergeben möchte:

Gottes Maßstab ist „ver-rückt“:

nicht: „Kleider machen Leute!“
sondern: „Kleiner machen, Leute!“ –
und: „Kleine macht ER zu Leuten.“

Die Maßstäbe unserer Welt

Wir beglückwünschen Menschen, die etwas Besonderes erreicht haben:
– Herzlichen Glückwunsch zu einem besonderen Geburtstag…
– Herzlichen Glückwunsch zu einer bestandenen Prüfung…
– Herzlichen Glückwunsch zu einem besonderen Gewinn…

Jesus beglückwünscht Menschen, die bereit sind, Besonderes von Gott zu empfangen:
– Herzlichen Glückwunsch allen, die leere – aber empfangsbereite – Hände und Herzen haben (Arme im Geiste, Sanftmütige, Verfolgte…) und
– Herzlichen Glückwunsch allen, die jetzt schon sich für den Aufbau des Reiches Gottes einsetzen (Barmherzige, Friedensstifter, Standhafte in Verfolgung…)

[…]

Gott ist ver-rückt, denn er hat Sie und mich erwählt:

– nicht wegen unserer Vollkommenheit, sondern mit unserer Unvollkommenheit;

– nicht wegen unserer Erfolge, sondern mitten in unserem Scheitern…

– nicht weil wir etwas Besonderes wären, sondern weil wir – ohne etwas Besonderes zu sein, so von Gott geliebt sind…

– nicht wegen unserer Kenntnisse, sondern mit all unserem Nichtwissen und unseren Irrtümern, die wir vertreten…

– nicht wegen unserer Sicherheiten, die wir zu bieten haben, sondern mitten in unserer Verunsicherung und Hilfsbedürftigkeit…

Gott ist ver-rückt, denn er erwählt nicht nur die, die auf der Glücksseite des Lebens sind, sondern vor allem die, die auf der Schattenseite leben müssen…

Das, was der Apostel Paulus damals seiner kleinen christlichen Gemeinde in der großen Hafenstadt Korinth sagte [1 Kor 1,26-31], lässt sich heute vielleicht auch so ausdrücken:

Der Maßstab: „Kleider machen Leute!“, der das Denken unserer Welt beherrscht,
gilt vor Gott nicht.

Den Weisen, Mächtigen und Einflussreichen, die sich auf den Weltwirtschaftsgipfeln und Weltsicherheitskonferenzen treffen, könnte eher gesagt werden:

Kleiner machen, Leute!

Und den Verzagten sollte gesagt werden:

Kleine macht ER zu Leuten!

„Wer sich also rühmen will, der rühme sich des Herrn“

wie Maria, die in ihrem Magnifikat singt:

Meine Seele preist die Größe des Herrn.
Und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut…

Gottes Maßstäbe sind ver-rückt, denn „die Kleinen, die kommen bei Gott groß ‘raus!“

(Quelle: https://gmehlert.wordpress.com/2017/01/22/glueckwunsch-jesu-4-a/)

 

Fürbitten:

– Wir wollen beten für alle Menschen, denen es nach irdischen Maßstäben nicht gut geht:

  • Für alle Menschen, die tagtäglich ums pure Überleben kämpfen müssen. – Herr erbarme Dich!
  • Für alle kranken und seelisch verletzten Menschen. – Herr erbarme Dich!
  • Für alle Ausgegrenzten, Unterdrückten, Verfolgten, Vertriebenen. – Herr erbarme Dich!

– Wir wollen auch beten für die Menschen, welche sich für andere einsetzen und dabei selbst in Gefahr geraten. – Herr erbarme Dich.
– Wir wollen beten für alle suchenden Menschen, dass sie Gott finden und dabei „glückselig“ werden. – Herr erbarme Dich.

Fassen wir alle Anliegen in dem Gebet zusammen, dass Jesus selbst uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel ….

 

Und so segne uns der „glückselig“-machende Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Text und Grafik: Martin Geibel