Liturgie am Mittwoch – 29. April

Die Kirche feiert heute das Fest der heiligen Katharina von Siena. Sie lebte von 1347 bis 1380 und hatte einen großen spirituellen und kirchenpolitischen Einfluss in ihrer Zeit. Ihre geistlichen und theologischen Eingebungen veröffentlichte sie in zahlreichen Briefen. Eine besondere Rolle nimmt Katharina in der Kirchengeschichte ein, weil sie als Frau zur Ratgeberin von Päpsten wurde. Trotz ihrer Berühmtheit blieb sie zeitlebens dem Fasten und der Armenfürsorge verpflichtet. 1461 sprach Papst Pius II. sie heilig; Papst Paul VI. erhob sie 1970 zur Kirchenlehrerin, und Papst Johannes Paul II. erklärte sie 1999 zur Schutzheiligen Europas.

Beginnen wir unsere Gebetszeit am Fest der heiligen Katharina von Siena im Namen dessen, der unser aller Leben in Seinen Händen hält: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Ich lade Sie ein, mit mir zusammen über einige Verse des Psalms 103, der in der liturgischen Ordnung heute als Zwischengesang vorgesehen ist, nachzudenken:

Psalm 103,1-4.8 (GL Nr. 57):

Lobe den Herrn, meine Seele, *
und alles in mir seinen heiligen Namen!

Lobe den Herrn, meine Seele, *
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

Der dir all deine Schuld vergibt *
und all deine Gebrechen heilt,

der dein Leben vor dem Untergang rettet *
und dich mit Huld und Erbarmen krönt.

Der Herr ist barmherzig und gnädig, *
langmütig und reich an Güte.

 

„Lobe den Herrn, meine Seele“ – so beginnt dieser Psalm. Aber wie soll das gehen, den Herrn zu loben,

– wenn meine Seele weint?

– wenn ich verletzt bin?

– wenn ich Schmerzen habe?

– wenn meine Sorgen mich zu erdrücken drohen?

– wenn mein Herz voller Sehnsucht ist?

– wenn ich müde bin?

– wenn ich nicht mehr ein noch aus weiß?

– wenn es mir zu Hause zu eng wird, mich meine Mitmenschen nur noch nerven oder Einsamkeit in mir hochkriecht?

– wenn ich überlastet bin und meine Kraft am Ende ist?

– wenn es in mir dunkel ist und ich keinen Halt finde?

– …?

Dann den Herrn loben?? – Ja, gerade dann!
Ja, es ist eine Zumutung – und es braucht eben diesen Mut (der schon im Wort „Zu-Mut-ung“ steckt), den Blick von dem wegzulenken, was mich belastet und mir den Atem nimmt. Damit meine ich kein oberfächliches „Ist-ja-nicht-so-schlimm“, sondern den Versuch, all das wahrzunehmen, was es außer der Belastung und der Not in meinem Leben auch noch gibt. Was ist mir doch alles geschenkt! Auch wenn meine Stimmung mich vielleicht momentan nicht zum Danken einlädt – vielleicht gelingt es mir aber dennoch, mich an den Farben in der aufbrechenden Natur zu freuen, zu staunen über das Wunder, das sich in jeder Blüte verbirgt, über das Lächeln eines Kindes, dem ich begegne, über einen Vogel oder einen Schmetterling…

„Du darfst Gott erzählen, wie groß Deine Probleme sind.
Aber danach vergiss nicht, Deinen Problemen zu erzählen, wie groß Gott ist.“

Dieses afrikanische Sprichwort las ich kürzlich. Und ich vermute, es steckt eine tiefe Lebensweisheit dahinter: Angesichts der Größe der eigenen Schwierigkeiten und Belastungen dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott noch viel, viel größer ist. „Werft alle eure Sorge auf Ihn, denn Er kümmert sich um euch“, ermutigt uns der Verfasser des 1. Petrusbriefes (5,7).

Dazu passt auch die Ermutigung Jesu, die uns das heutige Evangelium (Mt 11,25-30) verkündet:

Dort heißt es in den Versen 28-30:

„Kommt alle zu mir,
die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt.
Ich werde euch Ruhe verschaffen.

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir;
denn ich bin gütig und von Herzen demütig;
so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.

Denn mein Joch drückt nicht
und meine Last ist leicht.“

Wenn ich diese Einladung Jesu annehme, dann werde ich mich vermutlich nicht sofort von allen Lasten und Belastungen befreit fühlen – aber ich darf lernen, dass ER es gut mit mir meint, dass ER mir und uns „Ruhe verschaffen“ will und wird. Und wenn dann meine Seele buchstäblich aufatmet, dann stimme ich gerne ein in das Lied „Ich lobe meinen Gott“ (GL 383):

„Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe.
Ich lobe meinen Gott, der mir die Fesseln löst, damit ich frei bin.
Ehre sei Gott auf der Erde in allen Straßen und Häusern,
die Menschen werden singen, bis das Lied zum Himmel steigt:
Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,
Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,
Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Frieden auf Erden.

Ich lobe meinen Gott, der mir den neuen Weg weist, damit ich handle.
Ich lobe meinen Gott, der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede.
Ehre sei Gott auf der Erde …

Ich lobe meinen Gott, der meinen Tränen trocknet, dass ich lache.
Ich lobe meinen Gott, der meine Angst vertreibt, damit ich atme.
Ehre sei Gott auf der Erde …“

(Text: Hans-Jürgen Netz, Melodie: Christoph Lehmann)

Ich möchte mir angewöhnen, meine Morgengebete möglichst immer mit einem Loblied, mit dem Psalm 103 oder einem ähnlichen Gedanken zu beginnen. Vielleicht hilft das, mich nicht schon gleich am Morgen von meinen Sorgen überrennen zu lassen – sondern sie IHM vertrauensvoll zu überlassen.

Tun wir dies jetzt gemeinsam mit dem folgenden Lied aus Taizé (nach Ps 16,1.10) – betend oder singend:

„Behüte mich, Gott,
ich vertraue Dir.
Du zeigst mir den Weg zum Leben.
Bei Dir ist Freude, Freude in Fülle.“

Zusammen mit Jesus dürfen wir Gott unseren Vater nennen, IHM unser gesamtes Leben – Freude und Schmerz, Zuversicht und Angst sowie alle Menschen, die wir in unserem Herzen tragen – anvertrauen:

Vater unser im Himmel …

Segen

Der Herr sei vor Dir,
um Dir den richtigen Weg zu zeigen.

Der Herr sei neben Dir,
um Dich in die Arme zu schließen
und Dich zu schützen vor Gefahren.

Der Herr sei hinter Dir,
um Dich zu bewahren
vor der Heimtücke des Bösen.

Der Herr sei unter Dir,
um Dich aufzufangen, wenn Du fällst.

Der Herr sei in Dir,
um Dich zu trösten, wenn Du traurig bist.

Der Herr sei um Dich herum,
um Dich zu verteidigen,
wenn andere über Dich herfallen.

Der Herr sei über Dir,
um Dich zu segnen –
ER, der liebende, nahe und doch ferne Gott:
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

Text: Elisabeth Meuser
Fotos: Elisabeth Meuser (2), Michael Bogedain (pfarrbriefservice.de)