Liturgie am Montag, 18. Mai

Stern

Wo man singet, laß dich ruhig nieder,
Ohne Furcht, was man im Lande glaubt;
Wo man singet, wird kein Mensch beraubt;
Bösewichter haben keine Lieder.

(Johann Gottfried Seume)

Aus Psalm 98:

Jauchzet dem HERRN, alle Lande, freut euch, jubelt und singt!
Spielt dem HERRN auf der Leier, auf der Leier zu lautem Gesang!
Mit Trompeten und lautem Widderhorn jauchzt vor dem HERRN, dem König!
Es brause das Meer und seine Fülle, der Erdkreis und seine Bewohner.
In die Hände klatschen sollen die Ströme, die Berge sollen jubeln im Chor
vor dem HERRN, denn er kommt, um die Erde zu richten.

 

Ich war am Sonntag an der Seite von Frau Sorek in der JVA, um mit den Gefangenen Gottesdienst zu feiern. Wir bekommen viele positive Rückmeldungen von den Gefangenen, aber in den persönlichen Gesprächen, die wir vor und nach dem Gottesdienst führen, offenbaren einige doch ein sehr eingeschränktes Glaubenswissen, worauf ich mich gefragt habe, was meine Predigt dann für eine Resonanz finden kann?

Aber zum Glück wird nicht nur gepredigt, sondern auch gesungen. Das ist aus vielerlei Gründen gut. Es gibt nämlich sogar einen kleinen Chor von besonders aktiven Häftlingen, die sich dazu extra zum Üben treffen. Dadurch gibt es im Gottesdienst ein echtes „Miteinander“ und keine Trennung in „die da oben“, die den Gottesdienst zelebrieren, und die mehr oder weniger untätige Gemeinde im Saal. Ganz im Gegenteil, der Chor lebt auch den guten Umgang in der Gemeinschaft vor und bebildert so den Sendungsauftrag Jesu ganz lebensnah.

Und die Lieder sind in Melodie und Text echte Hoffnungsbringer. Und daher hoffe ich, dass diejenigen, die mit dem Predigttext und anderen Gebeten wenig anfangen können, statt dessen durch die Musik Freude und Hoffnung schöpfen können und so der Sonntag etwas zu einem Fest werden kann.

Und deshalb gibt es heute (da auch sonst niemandem ein passenderer Impuls eingefallen ist) auch keinen großen Bibeltext oder eine Auslegung, sondern einfach eine kleine Liste von subjektiven Lieblingsliedern aus dem Gotteslob (und ganz unten einen Verweis, warum das aktuell wichtig und relevant ist). Bitte holen Sie Ihr Gotteslob herbei und singen Sie mit:

GL 209 Du teilst es aus mit Deinen Händen
Bei diesem Lied stimmt einfach alles: Der Text in von dem wunderbaren Lothar Zenetti, die Melodie von Kurt Grahl, der schon mal unser Chorleiter in Pieschen war, das Thema Eucharistie ist so wichtig (Quelle und Höhepunkt) und auch der Ökumene wird gedacht (im letzten Vers).

GL 451 Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen
Das war das Schlusslied auf unserer Hochzeit. Ich weiß, dass es hier um die Trennung zwischen Gott und den Menschen geht und nicht um Scheidung, aber da die menschliche Liebe ein Abglanz der göttlichen ist, passt es doch.

GL 467 Erfreue dich, Himmel
Noch ein Lied, das wir uns zur Hochzeit ausgesucht haben und das uns nun immer wieder an diesen schönen Tag erinnert.
Und daran, wie Pfarrer Richter sagte: Die Strophe 3 (Gelaich und Gewürme) lassen wir weg, sonst fragen sich die Gäste, wer von ihnen damit gemeint ist.

GL 820 Pilger sind wir Menschen
Unsere Autonummer ist xx – GL 820, weil wir allzumal Pilger sind. Tolle Melodie (britische Hymne Land of Hope and Glory). Und ich durfte es schon einmal im großen Chor mit Patchwork und einem Orchester auf dem Katholikentag in Leipzig singen.

GL 465 Das Jahr steht auf der Höhe
Ein sehr schönes Lied, das man leider nur sehr selten singen kann (eben zur Jahresmitte). Wundervoll beschwingte Melodie für so einen ernsten Text. Man beachte die Liednummer (Anzahl der Tage im Jahr + 100), so findet man es zuverlässig.
„Begegne unsren Ängsten mit deiner Liebe Macht.“ – Muss man mehr sagen?

GL 858 Ohr, das den Ruf vernahm
Es geht nicht ohne Marienlieder. Der Text ist von unserem ehemaligen Dompfarrer Ullmann. Ich kannte lange den (eigentlichen ?) Text GL 378 „Brot, das die Hoffnung nährt“ dazu nicht. Es macht direkt beim Singen froh!

GL 666, 4 Salve Regina
Wir hatten öfters im Urlaub Gelegenheit, am Sonntagabend zu einer gesungenen Komplet (halb Konzert, halb Gottesdienst) zu gehen. Ein wundervoller Wochenausklang! Dort wurde das am Ende immer gesungen.
Und die Wahl der GL-Nummer ist ja auch schön (gruselig)…

GL 461 Mir nach, spricht Christus, unser Held
Kein Kinderlied, aber durch seine bildhafte Sprache das Lieblingslied meiner Kinder- und Jugendzeit. In meinem neuen GL liegt daher ein Zettel mit der neuerdings fehlenden Strophe:
Fällt’s euch zu schwer? Ich geh voran, ich steh euch an der Seite,
ich kämpfe selbst, ich brech die Bahn, bin alles in dem Streite.
Ein böser Knecht, der still kann stehn, sieht er voran den Feldherrn gehn.

GL 89 Herr, bleibe bei uns
Wir kommen zum Ende … Dieser Kanon klingt immer etwas traurig, aber das muss wegen des inhaltlichen Bezugs zu den Emmausjüngern eigentlich nicht sein. Kann man auch gut vor sich hin singen/summen, wenn man in Not ist.

GL 505 Wir sind nur Gast auf Erden
Und sind wir einmal müde,
dann stell ein Licht uns aus,
o Gott, in deiner Güte;
dann finden wir nach Haus.

Damit ist nun aber wirklich alles gesagt …

P.S.: Warum ist das aktuell wichtig und relevant? Schauen Sie bitte hier!
P.P.S.: Es gibt kein legales Handy-Gotteslob, aber immerhin die App Liedfinder GL, die alle Titel und Nummern kennt.
P.P.P.S.: Auch sehr schön ist die Gotteslob-Konkordanz „Liedauswahl nach Themen leichtgemacht“ als Buch oder eBook.

(Christoph Nitsche)