Liturgie am Samstag – 9. Mai

Ich habe heute Morgen zwei Geschenke Gottes geöffnet: Es waren meine Augen.

Danke Gott, dass du mich Tag für Tag weckst.
Danke, Gott, dass du jeden Morgen neu meine Augen, meine Ohren, meinen Mund und mein Herz auf Empfang stellst.
Danke, Gott, dass du mich täglich in einen neuen Tag gehen lässt.

Morgengebet

 Gott, ich preise dich.
Du bist der Morgen.
Du bist das Licht,
du der Anfang und das Ende der Zeit.

Dir danke ich für die Ruhe
in der Nacht,
und die Herkunft des neuen Tages.

Mein Leib, meine Seele,
mein Glück sind bei dir.

Schenke mir dein Lächeln ins Herz,
deine Güte in meine Hände.

Lege deines Himmels Blau
mir ins Gesicht,
und lass deine Engel mit mir und all meinen Lieben gehen.

Es komme, was mag.

Amen.
(Verfasser unbekannt)

Heute denken wir an Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf, der vor genau 260 Jahren starb. Ihm verdanken wir die „Herrnhuter Losungen“. Seine Ideen und Gedanken sind aktueller denn je, obwohl Zinzendorf im 18. Jahrhundert lebte. Er gehört zu den bekanntesten und originellsten Persönlichkeiten des Pietismus.
Im Jahre 1722 gründeten Glaubensflüchtlinge aus Mähren die Siedlung Herrnhut, die auf dem Gebiet lag, in dem Zinzendorf herrschte. Viele überzeugte Christen verschiedener Konfessionen aus Böhmen und Mähren, aber auch aus Deutschland zog es dorthin. Unter Zinzendorfs Leitung entstand dort die „Herrnhuter Brüdergemeine“. Er wollte, was zur damaligen Zeit revolutionär war, Standes- und Konfessionsgrenzen überwinden. In der Gemeinde setzte er sich für die Gleichstellung der Frauen ein und gab vielen Laien Ämter.
In der Brüdergemeine errichtete Zinzendorf eine liturgische Ordnung. Diese begann täglich mit einer Morgenandacht und endete mit einer Singstunde. Sonntags wurde ein Gemeindegottesdienst gefeiert. Neue liturgische Formen wie Liebesmahle, Fußwaschung, Stundengebete rund um den Tag oder Nachtwachen wurden praktiziert. In diesem Zusammenhang entstanden 1728 auch die Herrnhuter Losungen.
Das gemeinsames Singen und Beten zum Lobpreis Gottes lag Zinzendorf sehr am Herzen.
Er wollte zur Versöhnung aller Konfessionen beitragen. Gerade in der Vielfältigkeit der Konfessionen sah er eine der tiefsten Absichten Gottes. Die Unterschiede sollten deshalb erhalten bleiben, aber das Zusammenwirken auf der Grundlage der Heiligen Schrift Brudercharakter bekommen. Dem evangelisch-reformierten Theologen Karl Barth (1886-1968) zufolge war Zinzendorf der erste, ganz von der Sache aus denkende und redende Ökumeniker.

Zinzendorf war der Sendungsaspekt des christlichen Glaubens wichtig. Seine Erfahrung aus Herrnhut, die erlebte Gemeinschaft  im Heiligen Geist, trug er in alle Welt. Auf allen Kontinenten brachte er Menschen mit Jesus Christus in Berührung.

Die leidenschaftliche Beziehung zu Jesus Christus sah Zinzendorf als Zentrum seines Lebens und seiner Gemeinde: Christsein verwirklicht sich nur in der persönlichen Beziehung zu Jesus. Im evangelischen Gesangbuch (EG 391) finden wir Lieder von Zinzendorf.
Mit den Worten dieses Liedes können wir beten:

Jesu, geh voran

 1. Jesu, geh voran
auf der Lebensbahn!
Und wir wollen nicht verweilen,
dir getreulich nachzueilen;
führ uns an der Hand
bis ins Vaterland.

2. Soll’s uns hart ergehn,
lass uns feste stehn
und auch in den schwersten Tagen
niemals über Lasten klagen;
denn durch Trübsal hier
geht der Weg zu dir.

3. Rühret eigner Schmerz
irgend unser Herz,
kümmert uns ein fremdes Leiden,
o so gib Geduld zu beiden;
richte unsern Sinn
auf das Ende hin.

4. Ordne unsern Gang,
Jesu, lebenslang.
Führst du uns durch rauhe Wege,
gib uns auch die nöt’ge Pflege;
tu uns nach dem Lauf
deine Türe auf.

Auch der weltbekannte Herrnhuter Stern entstand in einer Internatsschule der Brüdergemeine. Der 25-zackige Weihnachtsbote weist auf Jesus Christus, den hellen Morgenstern.

 

 

 

 

 

(Quellen: Te Deum Mai 2020)
https://www.heiligenlexikon.de/BiographienN/Nikolaus_Graf_von_Zinzendorf.html
https://www.eh-tabor.de/de/nikolaus-ludwig-von-zinzendorf-1700-1760
https://www.ebu.de/mission/missionsgeschichte/
https://www.youtube.com/watch?v=DXEfDzAF2d8)

Für den heutigen Tag lesen wir in der Herrnhuter Tageslosung:
Der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände.“
(5.Mose / Dtn 2,7)

Lassen wir uns auf diese Zusage ein, dass sie sich tief in unseren Herzen verankert: Wir sind gesegnet in allem, was wir tun, auf allen Wegen, auf denen wir gehen.

Segensgebet

Herr, ich komme zu dir,
dass deine Berührung mich segne,

ehe ich meinen Tag beginne.

Lass deine Augen
eine Weile ruhen auf meinen Augen.
Lass mich das Wissen
um deine Freundschaft
mitnehmen in meinen Alltag.

Fülle meine Seele mit deiner Musik,
mit deinem Frieden, mit deiner Freude.

Begleite mich
durch den Lärm des Tages
und lass den Sonnenschein
deiner Liebe über mir erstrahlen.
Herr, lass im Tal meiner Mühen
Früchte reifen in Fülle.

(Rabindranath Tagore)

Und so segne du, großherziger Gott, uns, und alle, die wir in unseren Herzen tragen, alle, denen wir heute auf unterschiedliche Art begegnen, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

(Foto und Text: Patricia Sorek)