Liturgie am Sonntag – 29. März

Hier der Vorschlag für die Feier eines Familiengottesdienstes

Wir feiern heute den 5. Fastensonntag, den Passionssonntag.
In vielen Kirchen werden die Kreuze verhüllt, auch wenn heute kein Gottesdienst gefeiert wird.

Sie könnten heute auch ihr Kreuz in der Wohnung zeichenhaft verhüllen und eine Kerze entzünden.

Beginnen wir diesen Gottesdienst bewußt mit dem Kreuz-Zeichen, damit durch das, was verhüllt und unsichtbar ist, das Wesentliche unseres Glaubens sichtbar und wirksam wird:

+ Im Namen des Vater + und des Sohnes + und des Heiligen Geistes – Amen


LIED
  GL 425 /EG 427

Solang es Menschen gibt auf Erden
Solang es Menschen gibt auf Erden,
solang die Erde Früchte trägt,
solang bist du uns allen Vater;
wir danken dir für das, was lebt.

Solang die Menschen Worte sprechen,
solang dein Wort zum Frieden ruft,
solang hast du uns nicht verlassen.
In Jesu Namen danken wir.

Du nährst die Vögel in den Bäumen,
du schmückst die Blumen auf dem Feld;
du machst ein Ende meinem Sorgen,
hast alle Tage schon bedacht.

Du bist das Licht, schenkst uns das Leben;
du holst die Welt aus ihrem Tod,
gibst deinen Sohn in unsre Hände.
Er ist das Brot, das uns vereint.

Darum muß jeder zu dir rufen,
den deine Liebe leben läßt:
Du, Vater, bist in unsrer Mitte,
machst deinem Wesen uns verwandt.

EINFÜHRUNG:
Kaum jemand kann sich derzeit dem Bann der Corona-Pandemie entziehen. Das Unsichtbare und Bedrohliche breitet sich in der ganzen Welt mit rasender Geschwindigkeit aus. Gebannt verfolgen wir täglich die Nachrichten und die vielen Sendungen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen.
Auf der anderen Seite spüren wir die kreative Vielfalt der solidarischen Verbundenheit und der Vernetzung im Gebet. Erfreulich ist, dass bei vielen Infizierten die Krankheit nicht lebensbedrohlich verläuft. Andere hingegen leben im Bewusstsein, dass sie zu den Risikopatienten gehören und dass eine Infektion für sie einen schweren und unter Umständen tödlichen Verlauf nehmen kann.

Um Leben und Tod geht es auch in vielen biblischen Texten. Der Glaube, dass Gott Leben schenkt und auch Tote zum Leben erwecken kann, ermöglicht uns einen anderen Blick auf die Not der Krankheit und des Sterbens. Das Vertrauen, dass unser Leben in Gottes Hand ist, ermöglicht uns, dass wir bei aller Bedrohung gelassen bleiben können.

Dieser alte Psalm hat schon vielen Generationen von Menschen Ruhe und Kraft gegeben hat.

AUS DEM PSALM 139: GL 657,2

HERR, du hast mich erforscht und kennst mich. *
Ob ich sitze oder stehe, du kennst es.
Du durchschaust meine Gedanken von fern. *
Ob ich gehe oder ruhe, du hast es gemessen.
Du bist vertraut mit all meinen Wegen. /
Ja, noch nicht ist das Wort auf meiner Zunge, *
siehe, HERR, da hast du es schon völlig erkannt.
Von hinten und von vorn hast du mich umschlossen, *
hast auf mich deine Hand gelegt.
Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, *
zu hoch, ich kann es nicht begreifen.
Du selbst hast mein Innerstes geschaffen, *
hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter.
Ich danke dir, dass ich so staunenswert *
und wunderbar gestaltet bin.
Ich weiß es genau: *
Wunderbar sind deine Werke.
Dir waren meine Glieder nicht verborgen, /
als ich gemacht wurde im Verborgenen, *
gewirkt in den Tiefen der Erde.
Als ich noch gestaltlos war, *
sahen mich bereits deine Augen.
In deinem Buch sind sie alle verzeichnet: *
die Tage, die schon geformt waren, /
als noch keiner von ihnen da war.
Wie kostbar sind mir deine Gedanken, Gott! *
Wie gewaltig ist ihre Summe!
Ehre sei dem Vater und dem Sohne *
und dem heiligen Geiste.
Wie im Anfang so auch jetzt und allezeit
und in Ewigkeit. Amen.

Evangelium vom Sonntag: Johannes 11, 1- 45
Schlagen Sie bitte den Text in ihrer Bibel auf, oder unter dem folgenden Link

https://www.erzabtei-beuron.de/schott/schott_anz/index.html?datum=2020-03-29

Gedanken zum Evangelium:

Lazarus ist erkrankt
Krankheit und Tod macht uns in diesen Tagen besonders ängstlich und unsicher. Wir alle fühlen uns ohnmächtig und hilflos. Können nur Abstand halten von einander und uns in unsere Wohnungen zurückziehen. Wenn wir das heutige Evangelium hören, können wir uns dann darauf zurückziehen, dass da ein „Wunder“ geschieht, irgendwann an irgendeinem Menschen? Das Wunder, dass ein Toter wieder lebt? Wohl kaum. Denn was ist schon dieses Leben, Lazarus ist ein Mensch und wird einige Jahre später trotzdem sterben. Jesus wirkt sein siebtes und letztes Zeichen. 

Auf dem Hintergrund unserer momentanen und vielleicht auch persönlichen Erfahrung von Krankheit und Tod bin ich über drei Pflastersteine am Elbufer gestolpert:

Hoffnung, die aus menschlicher Beziehung erwächst


Jesus liebt Lazarus, er liebt Maria und er liebt Marta, so heißt es im Text. Jesus weint, wird erregt und erschüttert.
Der Text ist voller Emotionen. In und mit diesen Emotionen gehen Menschen Beziehungen ein. Lazarus ist der „Freund Jesu“, Maria und Marta sind Schwestern, bei ihnen sind viele Menschen, um sie zu trösten, Jesus ist mit seinen JüngerInnen unterwegs. Lazarus kommt schließlich ins Leben zurück, weil er in diese Beziehungen eingebunden ist, weil diese Menschen ihn tragen und sich um ihn kümmern, weil alle mithelfen, dass er leben kann: „Löst ihm die Binden.“

 

 

Krankheit – Schlaf – Tod

Das Evangelium geht der Frage nach: Wer oder was ist der Tod? Ist er „Schlafes Bruder“?
Mehrmals wird das Bild des Schlafes für den Tod gebraucht. Für uns Menschen ist er rätselhaft; wir begreifen nicht, was es heißt, tot zu sein. Der Tod macht uns Angst. Oft geht ihm Krankheit voraus, die uns verunsichert, die uns unsere Endlichkeit vor Augen führt. Gerade in diesen Tagen treibt uns die Frage um: Können wir in einer „kranken“ Welt gesund bleiben? Können wir uns in unsere kleine Welt zurückziehen und ein isoliertes Inselleben führen?
Der Heilige Franziskus besingt den Tod als Bruder: „Gelobt seist du, mein Herr, durch unseren Bruder, den leiblichen Tod; ihm kann kein Mensch lebend entrinnen“.

 

 

Auferstehung – Leben in Beziehung und Liebe

Auferstehung, auch sie unverständlich wie der Tod. Marta gibt ihr geglaubtes Wissen wieder, dass es eine Auferstehung am Ende der Zeiten gibt. Jesus spricht von der Auferweckung des Lazarus ins Hier und Jetzt. Auferstehung, Auferweckung, nicht erst nach unserem irdischen Tod, sondern beginnend im Hier und Jetzt, dort wo Gott und Mensch in Beziehung stehen und in Liebe verbunden sind. Jesus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“. Mitten im Leben sind wir in diesen Tagen mit dem Tod umfangen. Und doch blüht neues Leben aus: in der Für-Sorge, im Mitleiden, in der Verbundenheit mit denen, die um der Menschlichkeit willen ihre Zeit und ihr Leben für andere einsetzen, in den vielen kreativen und großzügigen Hilfsangeboten. Leben in Beziehung und Liebe – wir erleben es in diesen Tagen.

 

LOBPREIS:

Guter Gott, wir kommen zu dir, um dir zu danken.
Du hast uns das Leben geschenkt und alles, was unser Leben reich macht:
Freundschaft, Beziehung und Menschen, die uns nahe sind.
In Jesus von Nazareth hast du uns neues, unvergängliches ewiges Leben geschenkt.
Er ließ uns deine Herrlichkeit sehen, denn durch ihn hast du den Tod überwunden.
Er hat uns seinen Geist eingehaucht und lebendig gemacht.
Dein Geist wohnt nun in uns und bestimmt unser Leben.
Er hat uns die Hoffnung gegeben, dass jeder, der an ihn glaubt, leben wird, auch wenn er stirbt,
und auf ewig nicht sterben wird. Für dieses neue Leben danken wir dir und preisen wir dich.

Amen.

FÜRBITTEN:

Jesus Christus, du bist gekommen, um den Menschen Licht, Heil und Trost zu schenken. 

Zu dir dürfen wir mit unseren Anliegen kommen und beten:

  • Für alle, die unter der Corona-Pandemie leiden, für die, die erkrankt sind, für alle, die im Krankenhaus liegen und für die, die unter Quarantäne stehen.
  • Für die Berufstätigen, die unsicher sind, wie es weitergeht und für alle, deren Existenz in Gefahr gerät.
  • Für die Vielen, die unermüdlich im Einsatz sind in Arztpraxen und Spitälern und sich um das Wohl der Kranken kümmern.
  • Für die Menschen in den Labors, die unter Hochdruck Tests auswerten und nach Medikamenten forschen.
  • Für alle, die unsere Grundversorgung gewährleisten. 
  • Für die Familien in dieser herausfordernden Situation.
  • Für alle Gläubigen und ihre Seelsorger und Seelsorgerinnen.
  • Für alle, die Sorgen und Ängste in sich tragen.
  • Für alle in Politik und Wirtschaft, die für unser Land und für Europa wichtige Entscheidung treffen.
  • Wir beten für alle, deren Leben gefährdet ist und für diejenigen, die versterben.

Jesus Christus, du schenkst uns dein Heil und deinen Beistand gerade auch in diesen schweren Zeiten. Dafür danken wir dir und preisen dich mit Gott, dem Vater und dem Heiligen Geist heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.

VATER UNSER…

SEGEN:

Gott, du schenkst mir Mut und Vertrauen.
Sei mir und allen Menschen, die mir am Herzen liegen,
nah und stärke mich mit deinem Heiligen Geist,
durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Text und Bilder: Thaddäus Posielek

Hier stehen die vergangenen Tagesliturgien: https://st-martin-dresden.de/wege-zu-gott/liturgie/tagesliturgie/