Liturgie an Weihnachten – 24.12.2020

Macht die Tore auf, öffnet eure Herzen,
denn der König kommt und zieht bei uns ein.
Macht die Tore auf, öffnet eure Herzen, Gott wird mit uns sein.

Er kommt, als ob es selbstverständlich wäre,
dass Mächtige so menschenfreundlich sind.
Er macht sich nichts aus Reichtum, Ruhm und Ehre.
Er kommt zur Welt in einem Stall als Kind.

Macht die Tore auf, öffnet eure Herzen,
denn der König kommt und zieht bei uns ein.
Macht die Tore auf, öffnet eure Herzen, Gott wird mit uns sein

Er kommt, obwohl er es nicht nötig hätte,
weil er uns liebevoll die Treue hält.
Er stört sich nicht an Brauch und Etikette.
Er kommt hinein in unsre kleine Welt.

Macht die Tore auf, öffnet eure Herzen,
denn der König kommt und zieht bei uns ein.
Macht die Tore auf, öffnet eure Herzen, Gott wird mit uns sein.

Er kommt, und wer ihn einlässt, kann gewinnen,
kann spüren: Er ist Liebe in Person.
Er kommt, um neue Freundschaft zu beginnen:
Gott möchte mit uns sein in seinem Sohn.

Macht die Tore auf, öffnet eure Herzen,
denn der König kommt und zieht bei uns ein.
Macht die Tore auf, öffnet eure Herzen, Gott wird mit uns sein.

(Text: Christoph Zehendner, Liederwald 625)

Heute feiern wir Jesu Geburtsfest. Beginnen wir unsere Liturgie in Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Krippe in St. Josef Pieschen

In diesem Jahr ist schon so vieles anders gewesen.
Vielleicht hören wir das Weihnachtsevangelium in diesem Jahr auch mit anderen Ohren, weil unsere Situation sich verändert hat: keine große Familienfeier, kein langer Festgottesdienst, in dem wir unsere Weihnachtsfreude lauthals „heraus-schmettern“ können. Kein…
Und dennoch feiern wir die Menschwerdung Gottes!

Evangelium in der Heiligen Nacht (Lk 2,1–14):

„Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen. Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.
Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte,
und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.
In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie, und sie fürchteten sich sehr. Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.
Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte
und sprach: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.“

Lassen wir eine zu Wort kommen, die dabei war:

Ich höre.
Ich bin wach, wenn die anderen schlafen.
Das Dunkel schreckt mich nicht. Ich lausche. Ich höre den Atem, den Wind, mein Herz.
Das Feuer hüte ich. In den Flammen wohnen meine Geschichten. Ich kenne sie alle. In langen Nächten erzähle ich sie weiter.
Mein Kleid ist schmutzig. Meine Hände sind rau. Meine Tasche ist leer. Aber ich kenne die Rossminze und den weißen Wermut. Ich weiß den Pfad zur Quelle. Ich bin die gute Hirtin. In dieser Nacht ist ein König geboren, und er liegt in meiner Krippe.
(Susanne Niemeyer)

Foto: Helena Sorek

Liegt der neugeborene König auch in meiner Krippe?
Manche von uns, die coronabedingt oder durch andere Umstände, verhindert sind, in diesem Jahr am Heilig Abend in den Gottesdienst zu gehen, müssen sich damit arrangieren, dass es eine „Hausgeburt“ Jesu wird.

Bin ich bereit?

Bereit nicht im Sinne von geputzter Wohnung, vollem Kühlschrank oder gebügelter Bluse.
Es geht um meine Bereitschaft, mein Herz für Jesus zu öffnen. Mein Herz kann ich immer öffnen – auch wenn ich es wieder nicht geschafft habe, alles darin aufzuräumen, damit es ganz hell und ordentlich ist. Mich ermutigt, dass ich weiß, dass Jesus genau das möchte: eintreten, und zwar mitten in mein Leben, bei mir sein in all meinen Nöten und Freuden, in Dunkelheiten und lichterfüllten Zuständen, in Irrungen und Klarheiten…
Wenn es mir heute gelingt, mich in dieser Weise bereit zu halten, dann wird es nicht nur eine Haus-, sondern sogar eine HERZGEBURT! Dann ist Weihnachten! Dann liegt der neugeborene König auch in meiner Krippe.

Ich lade Sie ein, unseren neugeborenen König zu loben und zu preisen, ihn anzubeten.
Er, der nicht im kuschelig warmen Haus geboren wurde, sondern draußen in der Nacht am Rande der Stadt. Er, der Mensch geworden ist, um sich auf uns einzulassen, unser Leben mit uns zu teilen und uns durch seine Menschwerdung zu zeigen, wie stark Gottes Liebe zu uns Menschen ist. Damit wir uns an ihm ausrichten und seinen Weg mitgehen, einen Weg mit den am Rand Lebenden, in Armut und Krankheit, Gefangenschaft, abseits allen Glanzes und aller Romantik.
Schlicht und einfach können wir ihm begegnen.

Kommt, lasset uns anbeten! Kommt, lasset uns anbeten!
Kommt, lasset uns anbeten, den König!

Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf.
Kommt, lasset uns anbeten! Kommt, lasset uns anbeten!
Kommt, lasset uns anbeten, den König!

Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt. Die Herrschaft wurde auf seine Schulter gelegt. Man rief seinen Namen aus: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.
Kommt, lasset uns anbeten! Kommt, lasset uns anbeten!
Kommt, lasset uns anbeten, den König!

Die große Herrschaft und der Frieden sind ohne Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, es zu festigen und zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit, von jetzt an bis in Ewigkeit.
Kommt, lasset uns anbeten! Kommt, lasset uns anbeten!
Kommt, lasset uns anbeten, den König!

Gebet:
Gott,
Du bist
heruntergekommen aus den Höhen
ausgebrochen aus den Statuen
geflohen aus dem Gold antiker Tempel
Mensch geworden durch eine Frau
Kind geworden
klein
hilflos
angewiesen
anwesend
bei den Menschen
mit den Menschen lebend
mit den Menschen lachend
mit den Menschen leidend
machtlos
gegen Unmenschlichkeit
machtlos
gegen Kriegsmaschinerien

Sei immer da
mit Deiner Kraft
mit Deiner Liebe
wo Menschen Deine liebende Nähe brauchen

Menschwerdung Gottes
Hoffnungszeichen für die Welt
(Christine Philipsen)

Fürbitten:

Neugeborener König, du kommst in unsere Welt, um uns Rettung und Heil zu bringen. Du bist ein großer Freund der „kleinen“ Menschen. Wir bitten dich:
Du sei bei uns in unsrer Mitte, höre du uns, Gott.

Für alle, die heute heimatlos sind, die geflüchtet sind, die verfolgt werden.
Für alle, die missachtet und unterdrückt werden.
Für alle, die hungern und frieren.
Du sei bei uns in unsrer Mitte, höre du uns, Gott.

Für alle, die einsam und allein sind. Für alle, die trauern.
Für alle, die krank sind, und für alle, die für die Kranken da sind.
Für alle, die sterben, und für alle, die verstorben sind.
Du sei bei uns in unsrer Mitte, höre du uns, Gott.

Für alle, die Angst haben und in Not sind. Für alle, die in Unsicherheiten leben.
Für alle, die in Gefangenschaft sind. Für alle, die über ihnen wachen.
Für alle, die sich nach Frieden und Versöhnung sehnen.
Du sei bei uns in unsrer Mitte, höre du uns, Gott.

Für alle, die deine Geburt heute feiern.
Für alle, die ein Kind erwarten.
Für alle, die ihr Herz für dich öffnen, und für alle, die es nicht vermögen.
Du sei bei uns in unsrer Mitte, höre du uns, Gott.

Schließen wir alle unsere Herzensanliegen mit in das Gebet hinein, welches uns mit allen christlichen Menschen unserer Erde verbindet, und beten gemeinsam:
    Vater unser im Himmel…

Weihnachtssegen:
Der menschgewordene Gott, der sich in unsere Welt gebären lässt,
weil er zugegen und berührbar sein möchte,
der menschgewordene Gott, der in meinem Herzen das Licht der Welt erblicken möchte,
weil er mich und jeden einzelnen Menschen liebt,
Dieser menschgewordene Gott lasse in dieser Heiligen Nacht reichlich Segen über alle Menschen fließen.
Und so segne uns der in Jesus Mensch gewordene Gott durch den Heiligen Geist, den Er uns gesandt hat: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

(Patricia Sorek)