Liturgie zum Palmsonntag – 05. April

Lasst uns jetzt zur Ruhe kommen, das Gotteslob: Nr. 302,2 und 280 aufschlagen,
sowie das Neue Testament bei Matthäus: 21, 1-11,
um die „Feier des Einzugs Jesu in Jerusalem“ in einer ganz anderen Art als sonst,
aber dennoch gedanklich klar und auch dem Hochfest entsprechend würdig zu begehen.

 
Die zwei Musikstücke und das Palmsonntagsprozessionslied wurden diese Woche
in St. Josef/Dresden aufgenommen. Trompete: Hartmut Flath, Orgel: Marco Gulde

Zur Einstimmung:  Nun lob, mein Seel, den Herren – von Georg Friedrich Kaufmann (1679-1735)

Liebe Kinder, Liebe Schwestern und Liebe Brüder:

Heute feiern wir den Palmsonntag, den sechsten und letzte Sonntag der Fastenzeit, an dem viele Menschen Jesus lautstark zujubelten, mit dem aber auch die vorösterliche Karwoche beginnt.

Diese Bezeichnung hat sich aus dem Wort „kara“ entwickelt, das „Kummer“ bedeutet.

Die Große Woche/Heilige Woche umfasst aber auch noch das Osterfest als Höhepunkt des Kirchenjahrs.

Schon der lateinische Name des Palmsonntags: Dominica in Palmis de passione Domini

trägt den Anfang und das Ende in sich. Leben und Tod sind untrennbar miteinander verbunden.

Wohl an keinem anderen Tag im Kirchenjahr liegen Freude und Leid so nah beieinander wie heute.

Gemälde von Hippolyte Flandrin (1809–1864) „Einzug Jesu in Jerusalem an Palmsonntag“
(Eglise Saint-Germain-des-Pres de Paris)

Jesus kommt vom Ölberg durch das Kidrontal hinunter und wird beim Einzug in die Stadt Jerusalem triumphal, wie ein König gefeiert. Man sieht in ihm den neuen David, den Messias, der das Reich Gottes herstellen soll. Ein Ereignis! Die riesige Volksmenge ist in Begeisterung und die Menschen rufen Jesus „Hosianna“ entgegen, breiten ihre Kleider auf der Straße aus und streuen Palmzweige.

Gotteslob 302,2: Hosanna, dem Sohne David!

Gesegnet sei, der kommt im Namen des Herrn      + Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus    

(Mt 21,1-21)   Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte …

Mit dem Ritt auf einem Esel erfüllt sich die Voraussage des Propheten Sacharja aus dem. Alten Testament, aus dem sechsten vorchristlichen Jahrhundert:

„Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin.“ (Sach 9,9)

Der Esel ist ein Sinnbild für die Bescheidenheit und Gewaltlosigkeit des friedlichen Herrschers Jesu, dessen weiteres Schicksal aber schon besiegelt ist, denn er ist nicht gekommen um als irdischer König zu herrschen, sondern zu leiden, zu sterben und sein Leben hinzugeben für die Sünden der Menschen.
Dieser unser König, der auf einem Esel in die Stadt geritten kommt, stellt sich dieser unvorstellbaren Aufgabe.

 

Der Name Palmsonntag kommt von den Palmzweigen, welche das Volk auf den Weg vor Jesus streute, denn Palmen wurden in der Antike vielerorten als heilige Bäume verehrt.

Deshalb stellte dieser Einzug in Jerusalem auch für die Römer eine besondere Provokation dar.
Wir verwenden zur Palmsonntagsprozession vor allem Buchsbaum oder Weidenkätzchen, die wir dann traditionell nach der Messe mit nach Hause nehmen, um sie als Zeichen für besonderen Schutz für das Haus und seine Bewohner hinter das Kruzifix oder über den Türrahmen zu stecken.
Im Folgejahr können die Zweige verbrannt und die Asche wiederum zur Spendung des Aschenkreuzes am Aschermittwoch verwendet werden. Der Kreis schließt sich.
Auch wenn momentan so vieles anders ist als gewohnt, könnte heute dieses Zeichen doch sehr wertvoll sein.

Zum Mitsingen: Gotteslob 280, 1+2   Singt dem König Freudenpsalmen

  1. Singt dem König Freudenpsalmen Völker, ebnet seine Bahn: Salem, streu ihm deine Palmen, sieh, dein König naht heran! Der aus Davids Stamm geboren, Gottes Sohn von Ewigkeit, uns zum Heiland auserkoren: er sei hoch gebenedeit!.
  2. David sah, im Geist entzücket, den Messias schon von fern, der die ganze Welt beglücket, den Gesalbten, unsern Herrn. Tochter Sion, streu ihm Palmen, breite deine Kleider aus, sing ihm Lieder, sing ihm Psalmen, heut beglückt der Herr dein Haus.

Der feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem ist nur ein paar Tage vor dem Leiden und Sterben des Mannes aus Nazareth. Vom „Hosianna“ bis zum „Kreuzige ihn“ ist es nicht weit.
Die gleiche Volksmenge, die am Palmsonntag noch „Hosanna“ ruft,
schreit vier Tage später: „Ans Kreuz mit ihm!“ (Matthäus 27,22).
Doch es bleibt nicht beim Karfreitag: Jesus ist von den Toten auferstanden. Er lebt.

Lasset uns beten:

Herr, unser Gott, durch das Sterben deines Sohnes gibst du uns die Kraft, das Leben zu erhoffen, das uns der Glaube verheißt. Gib uns durch seine Auferstehung die Gnade, das Ziel unserer Pilgerschaft zu erreichen.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen

Air aus der Orchestersuite Nr. 2 – von Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Einen gesegneten Palmsonntag wünscht Euch/Ihnen allen ihr Kirchenmusiker Marco Gulde.