Liturgischer Impuls am 2. Advent, Sonntag, 5.12.2021

(Matthias Grünewald: Johannes der Täufer, Isenheimer Altar, Colmar. Foto: Martin Geibel)

Bereitet den Weg des Herrn!

 

Lied: Herr, Du bist mein Leben (GL 456)

1. Herr, du bist mein Leben, Herr, Du bist mein Weg.
Du bist meine Wahrheit, die mich leben lässt.
Du rufst mich beim Namen, sprichst zu mir Dein Wort,
und ich gehe Deinen Weg, Du Herr gibst mir den Sinn.
Mit Dir hab ich keine Angst, gibst Du mir die Hand.
Und so bitt‘ ich, bleib‘ doch bei mir.

2. Vater unsres Lebens, wir vertrauen Dir.
Jesus, unser Retter, an Dich glauben wir,
und du, Geist der Liebe, atme Du in uns.
Schenke Du die Einheit, die wir suchen auf der Welt.
Und auf Deinen Wegen führe uns ans Ziel.
Mache uns zu Boten der Liebe.
 
 
Wir beginnen unsere Liturgie

+ Im Namen des Vater, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Heute am 2. Advent steht Johannes der Täufer im Mittelpunkt.
Es sieht sich als Wegbereiter für den Herrn.
Lesen Sie zunächst das heutige Evangelium im Ganzen,
bevor wir uns einzelnen Abschnitten zuwenden:
 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 3, 1-6).

1Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tibérius;
Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa,
Herodes Tetrárch von Galiläa,
sein Bruder Philíppus Tetrárch von Ituräa und der Trachonítis,
Lysánias Tetrárch von Abiléne;

2Hohepriester waren Hannas und Kájaphas.

Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes,
den Sohn des Zacharías.

3Und er zog in die Gegend am Jordan
und verkündete dort überall
die Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden,

4wie im Buch der Reden des Propheten Jesája geschrieben steht:
Stimme eines Rufers in der Wüste:
Bereitet den Weg des Herrn!
Macht gerade seine Straßen!

5Jede Schlucht soll aufgefüllt
und jeder Berg und Hügel abgetragen werden.
Was krumm ist, soll gerade,
was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden.

6Und alle Menschen werden das Heil Gottes schauen.

 

Nun schauen wir uns die einzelnen Abschnitte des Evangeliums nochmals genauer an:

1Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tibérius;
Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa,
Herodes Tetrárch von Galiläa,
sein Bruder Philíppus Tetrárch von Ituräa und der Trachonítis,
Lysánias Tetrárch von Abiléne;
2Hohepriester waren Hannas und Kájaphas.

Das klingt ähnlich wie bei der Ankündigung von Jesu Geburt; es muss schon ein besonderer Anfang sein, von dem da berichtet werden soll. Auch unterstreichen die vielen Angaben, dass es wirklich gewesen sein muss.

Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes,
den Sohn des Zacharías.

Gott beruft Johannes in der Wüste. Fernab von allem Trubel, befreit von allem Überfluss ist Johannes bereit, das Wort Gottes zu hören und dann auch die Konsequenzen daraus zu ziehen.

Wie offen bin ich für das Wort Gottes, für seinen Ruf?
Lasse ich es an mich herankommen, nehme ich mir Zeit dafür?
Oder hat es Gottes Wort schwer, durch den Lärm unseres Alltags hindurch mein Innerstes zu erreichen?
Wozu hat Gott mich berufen?
Folge ich auch seinem Ruf, oder finde ich Ausreden, dem zu entgehen?

3Und er zog in die Gegend am Jordan
und verkündete dort überall
die Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden,

Die Taufe bei Johannes, das Untertauchen im Jordan, war ein Zeichen für das Abwaschen des alten Menschen, ein Zeichen der Umkehr um neu anzufangen. Auch wir benötigen immer wieder Momente in denen wir bewusst Altes ablegen um neu zu beginnen.

Unsere eigene Taufe ist eine Taufe mit dem Heiligen Geist. Durch Gottes Gnade sind wir bedingungslos angenommen, wir gehören zu ihm. Wenn wir uns das immer wieder bewusst machen, entsteht daraus das Bedürfnis, umzukehren und Neues zu wagen.

4wie im Buch der Reden des Propheten Jesája geschrieben steht:
Stimme eines Rufers in der Wüste:
Bereitet den Weg des Herrn!

Das ist der zweite Teil des Leitspruches unserer Pfarrei.
Wir alle sind dazu aufgerufen, den Weg des Herrn zu bereiten.
Wie soll das geschehen?

Macht gerade seine Straßen!
5Jede Schlucht soll aufgefüllt

Verabschieden wir uns von unseren Abgründen.

und jeder Berg und Hügel abgetragen werden.
Was krumm ist, soll gerade,
was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden.

Schaffen wir für uns und andere frei Sicht auf das Wesentliche, auf Gott.

6Und alle Menschen werden das Heil Gottes schauen.

Welche Verheißung mitten in einer dunklen Zeit:
Advent, Ankunft Gottes, alle Menschen werden das Heil Gottes schauen.

 

Lied: Kündet allen in der Not (GL 221):

1. Kündet allen in der Not; fasset Mut und habt Vertrauen.
Bald wird kommen unser Gott; herrlich werdet ihr ihn schauen.
Allen Menschen wird zuteil Gottes Heil.

2. Gott naht sich mit neuer Huld, dass wir uns zu ihm bekehren;
er will lösen unsre Schuld, ewig soll der Friede währen.
Allen Menschen wird zuteil Gottes Heil.

3. Aus Gestein und Wüstensand werden frische Wasser fließen;
Quellen tränken dürres Land, überreich die Saaten sprießen.
Allen Menschen wird zuteil Gottes Heil.

4. Blinde schaun zum Licht empor, Stumme werden Hymnen singen,
Tauben öffnet sich das Ohr, wie ein Hirsch die Lahmen springen.
Allen Menschen wird zuteil Gottes Heil.

5. Gott wird wenden Not und Leid. Er wird die Getreuen trösten,
und zum Mahl der Seligkeit ziehen die vom Herrn Erlösten.
Allen Menschen wird zuteil Gottes Heil.

 

Schlussgebet (mit Kehrvers aus GL 226):

Gütiger Gott, wir erwarten Deine Wiederkunft.

KV: Bereitet den Weg des Herrn, machet eben seine Pfade.

Johannes rief in der Wüste dazu auf, umzukehren, das gilt auch uns:

KV: Bereitet den Weg des Herrn, machet eben seine Pfade.

Heiliger Geist, sende Du und die nötige Einkehr in der Adventszeit.

KV: Bereitet den Weg des Herrn, machet eben seine Pfade.

Vater im Himmel, wir danken Dir,
dass Du uns in der Taufe schon bedingungslos angenommen hast.
Deshalb wollen wir uns mit allen unseren Fähigkeiten einsetzen,
dass Dein Reich auch schon auf dieser Welt Einzug hält.

KV: Bereitet den Weg des Herrn, machet eben seine Pfade.

Wir wollen Segen sein für die Menschen um uns herum,
dafür stärke uns der Segen des allmächtigen Gottes:

 + des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

(Text und Foto: Martin Geibel)