Liturgischer Impuls am 4. Advent, Sonntag, 19.12.2021

Maria besucht Elisabeth (Hochformat)

(Carl Christian Vogel von Vogelstein: Besuch bei der Base Elisabeth;
Schlosskapelle Dresden-Pillnitz; Foto: Christine Geibel)

 

Maria besucht Elisabeth

 

Eingangslied: Wir sagen Euch an den lieben Advent (GL 232,4)

Wir sagen Euch an den lieben Advent,
sehet die vierte Kerze brennt.
Gott selber wird kommen, er zögert nicht.
Auf, auf, ihr Herzen, und werdet licht.
Freut Euch, Ihr Christen, freuet Euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.
 

+ Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Jesus Christus ist in unserer Mitte und bringt Verdorrtes wieder zum Blühen.
Amen.

Am 4. Adventsonntag steht die Begegnung von Maria mit ihrer Cousine Elisabeth im Mittelpunkt.
Der Evangelist Lukas
(Lk 1,39-45) erzählt davon:

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

39In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg
und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
40Sie ging in das Haus des Zacharías und begrüßte Elisabet.

41Und es geschah:
Als Elisabet den Gruß Marias hörte,
hüpfte das Kind in ihrem Leib.
Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
42und rief mit lauter Stimme:
Gesegnet bist du unter den Frauen
und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.

43Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
44Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte,
hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.

45Und selig,
die geglaubt hat, dass sich erfüllt,
was der Herr ihr sagen ließ.

 

Lied: Maria durch ein Dornwald ging (GL 224)

https://www.youtube.com/watch?v=JRXhY5px9Hs

Maria durch ein Dornwald ging.
Kyrie eleison.
Maria durch ein Dornwald ging,
der hat in sieben Jahrn kein Laub getragen.
Jesus und Maria.

Was trug Maria unter ihrem Herzen?
Kyrie eleison.
Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen,
das trug Maria unter ihrem Herzen.
Jesus und Maria.

Da haben die Dornen Rosen getragen.
Kyrie eleison.
Als das Kindlein durch den Wald getragen,
da haben die Dornen Rosen getragen.
Jesus und Maria.

Impuls:

Das Lied „Maria durch ein Dornwald ging“ liegt ab etwa 1850 in gedruckter Form vor. Es könnte aber noch viel älter sein. Der Anfang des heutigen Evangeliums wird dort mit wenigen Worten auf eine tiefe Gefühlsebene gebracht, die viele Menschen berührt. So ist dieses Lied heute noch sehr beliebt.

Ich lade ich Sie nun ein, sich gefühlsmäßig in diese Situation hineinzuversetzen und sie sinnlich zu erspüren:

Wie wird die Engels-Erscheinung und Prophezeiung Maria durcheinandergewirbelt haben? Mal ganz abgesehen von der Schwangerschaft, die eine junge Frau ja alleine schon emotional sehr berührt. Vielleicht weiß sie schon von der Schwangerschaft ihrer Cousine Elisabeth und will sie deshalb besuchen, um sich auszutauschen, um Rat von der Älteren zu bekommen. Im Evangelium heißt es ganz nüchtern: „Maria machte sich auf den Weg.“ Maria bricht also auf, sie verlässt das Gewohnte, geht ins Ungewisse, aber mit einem klaren Ziel vor Augen. Es sollen etwa 100 km übers Gebirge gewesen sein. Das sind mehrere Tagesmärsche, auch wenn sie „eilt“, wie es im Evangelium heißt. Für eine schwangere Frau sicherlich kein einfacher Weg. Ihre Eile unterstreicht, wie sehr es sie drängt, ihr Glück mitzuteilen. Sie will ihr Glück und sicher auch ihre Fragen mit Elisabeth teilen.

In der ersten Strophe des Liedes wird dieser unwirtliche Weg beschrieben:

Maria durch ein Dornwald ging.
Kyrie eleison.
Maria durch ein Dornwald ging,
der hat in sieben Jahrn kein Laub getragen.
Jesus und Maria.

Ein Dornwald: Gestrüpp, Wildnis, Einsamkeit, Isolation, unwirtlich, schwer durchzukommen, schmerzlich, wenn wir uns verhaken. Wir bekommen Angst, verlieren die Orientierung. So sieht es manchmal auch in unserem Leben aus.

Herr, erbarme Dich! Hilf, Herr, ich komme da allein nicht mehr weiter, da ist ohne Hilfe kein Durchkommen mehr! Außerdem ist es trocken und heiß. Sieben Jahre kein Laub mehr, also eine gefühlte Ewigkeit lang Wüste, lebensfeindliche Umgebung, Grau in Grau, trostlos. Ist schon alles um uns herum abgestorben?

Was trug Maria unter ihrem Herzen?
Kyrie eleison.
Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen,
das trug Maria unter ihrem Herzen.
Jesus und Maria.

Und doch: Jesus und Maria. Da wächst etwas zunächst noch ganz unscheinbar heran.

Schon dem Mose erscheint Gott im Dornbusch und sagt: „Ich bin da!“ Wir sind nicht allein, Gott ist mit uns auf unserem Weg, auch wenn dieser noch so anstrengend und schmerzhaft ist. Ja, mit IHM sind wir auf einmal sogar ohne Schmerzen.

Lassen wir IHN in unser Herz hinein! Geben wir IHM Raum!
Öffnen wir uns für Gott, räumen wir unser persönliches Dornengestrüpp zur Seite!

Da haben die Dornen Rosen getragen.
Kyrie eleison.
Als das Kindlein durch den Wald getragen,
da haben die Dornen Rosen getragen.
Jesus und Maria.

Und plötzlich geschehen Wunder. Die Dornen verwandeln sich in Rosen: Eine Üppigkeit und Lebensfülle, um diese Jahreszeit kaum vorstellbar, der Duft, diese Farben, die wohlgeformten Blüten. Da geht einem das Herz auf. Gott kann alles verwandeln. Gott behält mit seiner wunderbaren Schöpfung am Ende doch die Oberhand.

Eine große Verheißung!
Der Tod hat keine Stacheln mehr­ – Auferstehung, Ostern!

 

Magnificat anima mea Dominum / Meine Seele Preist die Größe des Herrn

https://www.youtube.com/watch?v=kfhvLjJ1wdQ
 

Fürbitten:

Herr Jesus Christus,
Du kannst verdorrte Dornen in blühende Rosen verwandeln,
deshalb bitten wir Dich voll Vertrauen:

– Für die Verantwortlichen im Ukrainekonflikt,
dass ihre Drohgebärden bald verstummen,
und sie erste Schritte für ein friedliches Miteinander finden.
Herr verwandle sie.

– Für die radikalisierten Impfgegner, welche immer gewalttätiger werden,
lass sie zum Dialog zurückkehren.
Herr verwandle sie.

– Für die Opfer der Wirbelstürme in den USA,
nimm von Ihnen alle Verzweiflung und Trauer
und zeige ihnen Wege der Hoffnung.
Herr verwandle sie.

– Für die noch immer getrennten christlichen Konfessionen,
dass sie nicht das Trennende sehen,
sondern den gemeinsamen Weg Dir entgegen.
Herr verwandle sie.

 

Segensbitte:

Der Segen des allmächtigen Gottes verwandle auch uns,
damit wir aus der Erstarrung befreit werden und aufblühen,
um selbst zum Segen zu werden,

+ im Namen des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes
Amen

 

Lied: Groß sein lässt meine Seele den Herrn (GL 792,1)

KV: Groß sein lässt meine Seele den Herrn, denn er ist mein Retter.
Groß sein lässt meine Seele den Herrn, denn er ist mein Heil.

1. Laut rühmt meine Seele Gottes Macht und Herrlichkeit,
und mein Geist frohlockt in meinem Retter und Herrn.
Denn sein Auge hat geschaut auf seine kleine Magd.
Und nun singen alle Völker mit mir im Chor.(KV)

2. Denn der Starke hat Gewaltiges an mir getan,
und sein Name leuchtet auf in herrlichem Glanz.
Er gießt sein Erbarmen aus durch alle Erdenzeit
über jeden, der im Herzen Vater ihn nennt. (KV)

3. Große Taten führt er aus mit seinem starken Arm.
Menschen voller Stolz und Hochmut treibt er davon.
Die die Macht missbrauchen, stößt er hart von ihrem Thron
und erhebt, die niedrig sind und arm in der Welt. (KV)

4. Hungernde lädt er zum Mahle ein an seinen Tisch,
doch mit leeren Händen schickt er Reiche nach Haus.
Seines Volkes Israel nimmt gütig er sich an,
wie er Abraham und allen Vätern verhieß. (KV)

5. Ehre sei dem Vater, der uns einlädt in sein Reich,
Ehre sei dem Sohne, der die Liebe uns zeigt.
Ehre sei dem Geiste, der die Einheit uns verleiht,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit. (KV)

(Text Martin Geibel, Foto: Christine Geibel)